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Fahrbericht

Teslas Model Y aus deutschem Anbaugebiet im Test

Tesla hat im März seine Fabrik in Deutschland in Betrieb genommen. Pro Woche laufen dort angeblich 350 Model Y Performance vom Band. Ende April sollen es 1000 sein. „Die Presse“ hat das Model Y made in Germany als Erster in Österreich getestet.

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwan... und schon ist der Tesla von null auf 100. Dabei pressen rund 560 PS und das gewaltige Drehmoment von 660 Newtonmetern den Fahrer und die Passagiere in die Sitze und zaubern allen ein Staunen ins Gesicht. So wie auf der Hochschaubahn. Nur 3,7 Sekunden braucht das Model Y Performance für den Sprint und folgt dabei der Tesla-Tradition, dem Namenszusatz „Performance“ alle Ehre zu machen. Neben der gesteigerten Elektropower unterscheidet sich die Performance-Edition von der Longrange-Variante noch durch ein strafferes und besser ausgelegtes Fahrwerk, einen zarten Heckspoiler aus Carbon, stärkeren Bremsen und 21-Zoll Bereifung mit sogenannten Überturbinenfelgen. Die wirken wuchtig und sportlich. Durch den niedrigen Querschnitt der Reifen sind sie aber keine Freunde von Randsteinen.

Das Besondere an diesem Tesla ist, dass er nicht aus Amerika oder China kommt, sondern aus der nagelneuen deutschen Fabrik bei Berlin. Nun hat Tesla nicht den besten Ruf, was Verarbeitung betrifft. So erwartet man aus einem deutschen Werk auch die berühmte deutsche Gründlichkeit. Es gibt auch wenig zu bemängeln. Das Elektrogeschoss ist sauber verarbeitet. Klar, wer mit einer Schublehre die Spaltmaße nachmisst, wird wohl schon die eine oder andere Unregelmäßigkeit entdecken. Zumindest für das Auge passt alles.

Wuchtige Sportbereifung, rote Bremssättel, ein strafferes Fahrwerk, ein Heckspoiler und stärkere Elektromotoren sind das Markenzeichen von Teslas Performance-Modellen.
Wuchtige Sportbereifung, rote Bremssättel, ein strafferes Fahrwerk, ein Heckspoiler und stärkere Elektromotoren sind das Markenzeichen von Teslas Performance-Modellen.Die Presse/Clemens Fabry
Die Presse/Clemens Fabry

Dafür fällt ein anderes Detail weit negativer auf, das aber nichts mit der Fabrik in Grünheide zu tun hat. Vielmehr mit Tesla selbst. Im Gegensatz zum Model Y Longrange spendiert Tesla der Performance-Version eine Kofferraumabdeckung. So innovativ und revolutionär Tesla beim Interieur des Model Y und auch Model 3 agiert, so sehr versagt das Design der Abdeckung in der Praxis. Es ist keine Rollo, so wie wir das aus den meisten Autos kennen, es ist auch keine starre Abdeckung, die am Kofferraumdeckel hängt. Es ist eine simple ein Mal faltbare Platte, die eigentlich nur stört, man kann sie nicht hochklappen oder bequem nach hinten schieben. Sie nervt dermaßen, dass sie in den paar Testtagen ganz entfernt wurde. Außerdem gilt ja: weniger Gewicht, weniger Verbrauch.

Platz bietet das Model Y reichlich. Die Abdeckung ist leider misslungen.
Platz bietet das Model Y reichlich. Die Abdeckung ist leider misslungen.mare

Moderater Verbrauch

Im Mix aus vorwiegend Landstraße, Autobahn und Stop-and-go auf der Südost-Tangente bei Temperaturen zwischen neun und 20 Grad kamen wir bei unserem 1200-Kilometer-Test auf exakt 19 kWh Durchschnittsverbrauch. Das bedeutet, in der Realität sind zwischen 350 und 450 Kilometer Reichweite drin. Das ist ein beachtlicher Wert für ein Zwei-Tonnen-E-Auto mit so viel Kraft. Wobei uns Tesla mehr oder weniger gezwungen hat, brav zu sein. Das Testauto riegelte bei 140 km/h ab, und der Tempomat funktionierte nur bis 130. Schockierend für ein 67.000-Euro-Auto? Allerdings.

Der Verbrauch ist bei moderater Fahrweise überraschend niedrig.
Der Verbrauch ist bei moderater Fahrweise überraschend niedrig.mare

Tesla beschwichtigt. Das sei nur vorübergehend, erklärt der Pressechef. Denn das Model Y und auch das Model 3 haben seit April kein Radar mehr, sondern verlassen sich beim sogenannten Autopiloten in Zukunft nur mehr auf die zahlreichen Kameras. Die Software, die das alles steuert, wird derzeit umgestellt, und daher ist der Autopilot, oder sagen wir besser der adaptive Tempomat, nur bis 130 km/h einsetzbar. In den kommenden Updates des Betriebssystems wird der Grenzwert wieder auf 150 erhöht. Neubesitzer sollten also täglich nach Aktualisierungen Ausschau halten.

Typisch Tesla. Wir erinnern uns: Beim Model 3 fehlte bei der Markteinführung in Österreich der Fernlichtassistent. Der wurde, wie die nach wie vor leider sehr mangelhafte Verkehrsschilderkennung, per Software-Update nachgereicht. Trotzdem. Das Model Y Performance made in Germany ist ein Erlebnis: Stark, agil, sportlich straff abgestimmt fährt es wie auf Schienen. Es bietet viel Platz und jede Menge elektrischen Fahrspaß.

Außerdem zählt das Model Y zu den am schnellsten verfügbaren Teslas derzeit. Wer heute bestellt, wird je nach Farbe schon im August beliefert. Das Model 3 gibt es frühestens im Februar 2023.

Tesla Model Y Performance

Maße: L/B/H: 4751/1921/1624 mm. Leergewicht: 1995 kg. Kofferraum: 854–2051 Liter hinten, ca. 110 vorn.
Antrieb: E-Motor an Vorder- und Hinterachse. Leistung: max. 413 kW (562 PS). Drehmoment: max. rd. 660 Nm. Akkukapazität netto: ca. 77 kWh. 0–100 km/h in 3,7 sec. Vmax: 250 km/h. Testverbrauch: 19,0 kWh/100 km.
Preis: Ab 63.490 Euro.

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