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Pizzicato

Fallobst und Weicheier

Im blütenweißen Hemd wagte sich Emmanuel Macron neulich in die „Höhle des Löwen“.

Frisch gewählt und mit neuem Elan mischte sich Frankreichs Präsident auf einem Markt in Cergy, einer Hochburg der Mélenchon-Anhänger im Nordwesten von Paris, händeschüttelnd unters Volk, umgeben von einer Traube von Leibwächtern. Nicht, dass ihn Wildkatzen angesprungen hätten. Doch es kam ein Geschoss geflogen – eine zierliche Kirschtomate, die indes ihr Ziel verfehlte. Sofort warfen die Bodyguards die Hände schützend über den Kopf des Staatschefs, der in der Hinsicht einiges gewohnt ist, und spannten den Regenschirm auf.

Mit Eiern und Paradeisern auf Marktplätzen sind Politiker von alters her konfrontiert. Darum zog es Donald Trump stets zu Auftritten in Flugzeughangars. Sein Konzept: einschweben, reden, winken – und schnell wieder fort. Vor Gericht beklagte sich der Altpräsident larmoyant über „Dinge, die einen töten können“: Ananas, Bananen, Tomaten. Die Demonstranten würden „Obst machen“, weshalb er seine Sicherheitsleute anwies, sie zu Brei zu schlagen.

Helmut Kohl ging einmal wutentbrannt auf Eierwerfer los. Die Personenschützer mussten ihn von einem Handgemenge abhalten, um die Demonstranten zu schützen. Donald Trump erweist sich dagegen – wir haben es geahnt – als Weichei. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2022)