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Morgenglosse

Neue Wiener Bädertickets: Das Ende eines Lebensgefühls

Besucher im Kongressbad.
Besucher im Kongressbad.Clemens Fabry
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Die Wiener Bäder haben die Monatstickets abgeschafft. Das ist verständlich. Aber wirklich schade.

Zwei Sommer habe ich – pandemiebedingt – auf sie gewartet. Auf die Monatskarte der Wiener Bäder. Mit dem Start der Freibadsaison, heute, Montag, wäre sie wieder interessant geworden. Denn sie war mit Abstand das beste Angebot, das die Wiener Bäder hatten. Für einen Preis von 31 Euro konnte man sich eine Monat Urlaub in Wien kaufen. Anstatt jedes Mal die (nun) 6,20 Tageseintritt zu zahlen – ohne das Bad verlassen zu dürfen wohlgemerkt – kam und ging man ins Bad, wie es einem passte.

Wer in den Ferien die Stadt nicht verlassen konnte, kaufte sich eine Karte, fläzte sich auf die Wiese im Gänsehäufel, ging Standup-Paddeln, aß Pommes, genoss die Infrastruktur, schaute auf die Alte Donau und verstand endlich, warum Wien jedes Jahr zur „lebenswertesten Stadt“ gekürt wird. Sechs Mal musste man das Bad besuchen, damit es sich auszahlte. Doch zusätzlich zum unschlagbaren Preis gab es ein neues Lebensgefühl und absolute Freiheit. Man musste sich bei der Kassa nicht mehr lange anstellen, vor allem aber überlegte man nicht mehr, ob sich die halbe Stunde Hinradeln für eine halbe Stunde Schwimmen auszahlte.

Club-Urlaub daheim

Allen Freunden wurde erklärt, dass Club-Urlaub sowieso seltsam sei, aber wenn, dann sei die eigene Wohnung das Hotel und die Wiener Freibäder die Freizeitanlage, in der man sich abkühlte, Bücher las, sich mit Freunden traf und sich einredete irgendwo an einem See zu sein. Wenn das Monat abgelaufen war, dann kaufte man sich eine neue (und ärgerte sich, weil dann hätte sich die Zwei- oder Dreimonatskarte ausgezahlt) oder fuhr tatsächlich woanders auf Urlaub. Bis der nächste Sommer kam.

Seit September 2021 weiß ich, die Monatskarte kommt nicht mehr. Sie wurde weniger heimlich, aber am Ende des Sommer sehr still, abgeschafft. Wegen Menschen wie mir. Die Karte, heißt es seitens der Wiener Bäder, habe sich einfach finanziell nicht rentiert. Denn offenbar gab es viele Menschen, wie mich. Sie kauften sich eine Monatskarte, nutzen sie intensiv in kurzer Zeit und waren dann nicht mehr gesehen. Das ist nicht gut, das muss man verstehen. Die Wiener Bäder müssen ohnehin jedes Jahr schwer subventioniert werden.

Kein Ersatz

Ersatz gibt es leider nicht. Die neue Option Bonuskarte (5 plus 1 gratis oder 10 plus 3 gratis) lässt einen wieder nachdenken: Zahlt es sich aus? (im Zweifel: Nein!) Die Halbjahreskarte ist ein bisschen teuer, wenn man nur ein, zwei Monate im Sommer die Bäder unbedingt nützen will. Auf der Strecke bleibt das Lebensgefühl. Und es bleibt das Wissen, es ist schön gewesen.