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Großbritannien

Brexit-Folgen: Höhere Preise, weniger Handel

Die Inflation in Großbritannien ist im März auf sieben Prozent geklettert – der höchste Stand seit dreißig Jahren. (Symbolbild)
Die Inflation in Großbritannien ist im März auf sieben Prozent geklettert – der höchste Stand seit dreißig Jahren. (Symbolbild)REUTERS
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Neue Studien zeigen, dass der EU-Austritt insbesondere mittelständische britische Unternehmen trifft – viele von ihnen haben ganz aufgehört, in die Europäische Union zu exportieren.

London. Das schottische Unternehmen Bradfords Bakers ist auf Geschenkkörbe spezialisiert mit allerhand Köstlichkeiten: Schokotörtchen, Honig- und Butterkekse, Whiskey. Die Körbe lassen sich auch ins Ausland liefern, zum Beispiel nach Irland, Australien, Indien oder Kuwait – aber nicht nach Deutschland oder Österreich. Schon vor über einem Jahr hat das Unternehmen aufgehört, in die Europäische Union zu exportieren: Es ist zu kompliziert geworden. Mit den zusätzlichen Gebühren, die seit dem Brexit bezahlt werden müssen, und den Zertifikaten, die jetzt für verschiedene Produkte nötig sind, sei es nicht mehr rentabel gewesen, sagte der Firmenchef dem Fachmagazin „Speciality Food“. „Wir sind ein kleiner Betrieb, und so ist es schwierig, die Zeit und das Personal zu finden, um die neuen Anforderungen zu bewältigen.“

Unzählige britische Firmen haben die gleichen Erfahrungen gemacht wie Bradfords Bakers. Seit das Brexit-Handelsregime im Jänner 2021 in Kraft getreten ist, warnen KMU-Branchenverbände, dass kleinere Betriebe große Mühe haben, mit der Bürokratie und den höheren Kosten fertig zu werden. Dies wird jetzt von einer neuen akademischen Studie der London School of Economics bestätigt: Die Zahl der Geschäftsbeziehungen zwischen britischen Händlern und europäischen Käufern hat sich seit Anfang 2021 um fast ein Drittel reduziert.


Besonders Exporte in kleinere EU-Länder seien stark eingebrochen, schreiben die Autoren. Der Grund liege auf der Hand: Die Bestimmungen des Handelsabkommens zwischen Großbritannien und der EU haben die Ausfuhr von Produkten für viele kleinere Firmen so sehr verteuert, dass sie sich aus kleineren EU-Märkten zurückgezogen haben. Der Handelseinbruch sei „bemerkenswert“. Er gebe auch eine Vorahnung von den längerfristigen Auswirkungen des Brexit: Das Wachstum des Handels werde zu einem großen Teil von kleineren Firmen bestimmt.

Lebensmittelpreise steigen

Bereits jetzt ist eine weitere Folge des EU-Austritts zu spüren: Der Brexit hat die Inflation befeuert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des britischen Thinktanks EU in a Changing Europe, die ebenfalls in den vergangenen Tagen publiziert worden ist. Demnach haben die Brexit-Handelsbarrieren zur Folge gehabt, dass die Preise für Lebensmittel zwischen Dezember 2019 und September 2021 um sechs Prozent angestiegen sind. Zwar wird auf Importe aus der EU kein Zoll eingehoben, aber die Inspektionen und der zusätzliche Papierkram haben an der Grenze immer wieder zu Verzögerungen geführt.

Die Studie zeigt, dass jene Produkte, die zu einem erheblichen Teil aus der EU importiert werden, im Verhältnis teurer geworden sind als jene, die aus anderen Ländern stammen; dazu gehören etwa frisches Schweinefleisch, Tomaten und Marmelade. Dieser Preisanstieg könne nicht der Pandemie in die Schuhe geschoben werden, so die Autoren.

„Unsere Studie zeigt, dass die Handelsbarrieren, die der Brexit verursacht hat, einen klaren und robusten Effekt haben auf die steigenden Lebensmittelpreise für britische Konsumenten“, sagt einer der beteiligten Akademiker, Nikhil Datta. Die Inflation in Großbritannien ist im März auf sieben Prozent geklettert – der höchste Stand seit dreißig Jahren.