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Ulrike Almut Sandig

Rettungsschiff trifft auf Pokémon

Reiben sich an den Diskursen unserer Gegenwart: Gedichte von Ulrike Almut Sandig.

Im Jahr 2012 erschufen lateinamerikanische Forscher Schafe, die im Dunkeln leuchten. Mittels Genmanipulation implantierten sie in deren DNA die für Fluoreszenz verantwortlichen Gene der Leuchtqualle. Dass ihre Gedichte selbst solche leuchtenden Schafe seien, bemerkte Ulrike Almut Sandig 2021 in einer Rede im Rahmen der Thomas-Kling-Poetikdozentur.

Das in Papierform vorliegende Gedicht ist nur eine Dimension von Sandigs Arbeit. Ihre Texte verbindet die multimediale Performancekünstlerin mit Musik, Geräuschen und Klanginstallationen und setzt sie auch filmisch um. Im Rahmen des performativen Akts erlaubt das Eintauchen in Klangwelten einen intensiveren Austausch mit Zuhörenden und Zusehenden. Dennoch erweist es sich für Buchmenschen als Glück, dass Sandigs neue Texte nun gedruckt und damit pur vorliegen.

Thematisch ist die Bandbreite groß. Da ist etwa das Flüchtlingsthema: Im Gedicht „Open Arms“ erinnert sie an die Rettungsschiffe im Mittelmeer, im Zyklus „Klagelieder in VI Runden“ erwähnt sie eine afghanische Familie, mit der sie Kontakt hatte und deren Asylanträge abgelehnt wurden. Mehrere Texte beschäftigen sich mit dem Klimawandel, der aktuellen Pandemie und dem damit einhergehenden Social Distancing.