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Unterwegs

Wien ist nicht Valencia

Nach Rathauslogik kosten städtebauliche Visionen nur Geld – so wie Radfahrer.

Wer sich für Barcelona begeistern kann, findet in Valencia die vielleicht noch tollere Stadt an Spaniens Mittelmeerküste. Halb so viele Einwohner wie BCN, aber immer noch Großstadt – ideal, sie in ein paar Tagen zu erkunden, am besten auf dem Radl.

Was Valencia einzigartig macht, ist der Turia – das ist der Name des Flusses, der bis vor 50 Jahren die Stadt durchzogen hat, der nach einem verheerenden Hochwasser umgeleitet und in dessen altem Flussbett ein viele Kilometer langer Park angelegt wurde. Man findet von jeder Stelle der Stadt schnell hinunter, wo es grün, ruhig und kühler ist als oben. Man macht hier Picknick, sportelt, schlendert; ein Fahrrad-Highway führt ans Meer und davor an Calatravas Epochalbauten der (autolosen) Stadt der Künste und der Wissenschaften vorbei.

Für all das waren Visionen gefragt, denn frühe Pläne sahen im Bett des Turia eine Autobahnvor. Das scheiterte an den Kosten – und am Widerstand der Bevölkerung. In Wien erschöpfen sich indes städtebauliche Visionen 2022 in einer vierspurigen Stadtautobahn, geistig der Anschluss an die Sixties, als das Rathaus von einer Autobahn durchs Wiental bis zum Karlsplatz träumte. Damit ist Wien als Autostadt ein Stückchen weiter einzementiert, denn von Milliarden für den Straßenbau bleiben für den Radverkehr nur Brosamen.

Wo geradelt wird, drängt es sich längst, aus den Außenbezirken wagen es nur Unerschrockene herein. Bauliche Trennung, Achsen, Highways: nix da. Warum, erklärt ein Rathausmitarbeiter unter der Hand: Autos, nach Logik Ludwig/Sima, bringen der Stadt Geld. Radfahrer nicht.

timo.voelker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.05.2022)