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Zeitreise

Heute vor 100 Jahren: Der Irrtum des Zwangsindex

Die Regierung meint, eine Krankheit zu heilen, wirkt aber allenfalls auf die Symptome ein.

Neue Freie Presse am 29. Juni 1922

Die Teuerung besitzt, abgesehen von ihrer existenz-erschwerenden und sohin am meisten aufscheinenden Eigen­schaft, eine harte aber wichtige wirtschaftliche Funktion, indem sie in Zeiten des Mangels Sparsamkeit erzwingt. Der solcherart verminderte Konsum führt in der normalen, durch künstliche Mittel ungehemmten Wirt­schaft zur Wiederherstellung ausreichender Vorräte, und in zweiter Linie zur Regulierung der Preise nach unten. Dieser Grundsatz schließt Hilfsaktionen zur Abwehr tatsächlicher Not nicht aus: wenn aber eine große Gruppe von Konsumenten die Zusicherung erhält, im Falle wie immer gearteter Teuerung unter allen Umständen so viel Geld zu bekommen, um diese Teuerung restlos auszu­gleichen, so wird trotzdem - weil die Indexerhöhung aus verständlichen Gründen hinter der Teuerung hergehen muß — die Existenzerschwerung nicht restlos aufgehoben, insbesondere nicht verhindert, daß im Zeitintervall zwischen Preiserhöhung und Indexausgleich Unzufriedenheit in allen Erscheinungs­formen auftritt.