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Zeitreise

Heute vor 90 Jahren: Hindenburg lehnt Reichskanzlerschaft Hitlers ab

Der Führer der nationalsozialistischen Parteien stellte an den Reichspräsidenten die Forderung, ihm die gesamte Staatsgewalt zu übertragen. Hindenburg lehnte das strikt ab.

Neue Freie Presse am 14. August 1932

Hitler hat die Kapitulation verlangt. Nicht mehr und nicht weniger als die bedingungslose Uebergabe. In dem Bericht über die Unterredung, dessen schlichter Wortlaut doch das Dramatische der Situation voll erkennen läßt, heißt es, der Führer der nationalsozialistischen Parteien stellte an den Reichspräsidenten die Forderung, ihm die gesamte Staatsgewalt im vollen Umfang zu übertragen. Die Antwort Hindenburgs bestand nicht nur in der strikten Ablehnung dieses Verlangens, aus den Sätzen des greisen Staatsoberhauptes spricht auch zugleich offene Kritik und unverhüllte Mahnung. Hindenburg sagt, er könne es nicht verantworten, die ganze Regierungsgewalt einer Partei zu übertragen, die entschlossen sei, die ihr gegebene Macht einseitig anzuwenden. Er deutet an, daß der Nationalsozialismus durch seine jetzige Haltung sich in Widerspruch mit früher gegebenen Zusagen setze, und er warnt schließlich vor einer Ueberspannung der Opposition, als Hitler ihm mitteilt, die Ablehnung seiner Forderung bedeute den scharfen Kampf. Das war das Ende der Aussprache, von der seit Wochen in allen politischen Zirkeln die Rede war und von der man überall im Reich eine endliche Klärung der innenpolitischen Lage erwartet hat. Das Ergebnis ist vielleicht nicht ein Bruch, das wäre zuviel gesagt, aber doch neue und erhöhte Spannung.

Hatte Hitler geglaubt, der alte Generalfeldmarschall, der Sieger von Tannenberg, werde so ohne weiteres vor ihm die Waffen strecken? Hatten die Ereignisse, die sich zu Ende des Mai abspielten, die geheimen Unterredungen mit Vertrauensmännern aus dem Kreise des Präsidenten, die Nachricht von der ungnädigen Entlassung des der Rechten verhaßten Kabinetts Brüniing zur Annahme verführt, man werde auch noch weit mehr erreichen können, und es sei Zeit, nun aufs Ganze loszugehen? Da aber ist Hindenburg fest geblieben. Und wenn viele damals enttäuscht waren, als es so kurz nach Beginn der zweiten Regierungsperiode des Wiedergewählten zur Verabschiedung des hochverdienten Kanzlers kam, zu dieser schwer erklärlichen und tief bedauerlichen Wendung, so müssen sie jetzt wenigstens dem Reichspräsidenten die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er sich von dem Weg nicht abdrängen läßt, den zu betreten er sich vor einem Vierteljahr entschlossen hatte. Er hat bisher nur böse Erfahrungen gebracht, dieser Weg, und die Meinung, einem überparteilichen Kabinett werde es gelingen, die radikale Opposition der Rechten, die Partei Hitlers, zur Mitarbeit am Staat zu bringen, die Versöhnung der Gegensätze oder wenigstens ihre Minderung einzuleiten und so die innere Beruhigung anzubahnen, diese Meinung hat leider gänzlich getrogen. Im Gegenteil

Seit Papen in die Reichskanzlei einzog, seit die Braunhemden wieder offen auf der Straße getragen werden eurften, seit in den Parteihäusern mit der Hakenkreuzfahne das Gefühl bestand, man habe diesen neuen Kanzler sozusagen in der Tasche, seither erst ist die Schande der Ueberfälle, der Terrorakte, der politischen Morde, gleichgültig, ob sie auf das Konto der Extremen von der einen oder von der anderen Seite zu schreiben sind, so furchtbar angewachsen. Das lange Zuwarten bis zur reichlich späten Einsetzung des staatlichen Abwehrapparats durch die Sondergerichte und die Standrechtsbestimmungen hat noch einmal den Wunsch gezeigt, durch alle Finger zu sehen, wo es sich um die Rechte handelte, und die Aktion gegen Preußen, das Aufziehen der Reichswehr gegen die verfassungsmäßigen Minister mußte erst recht erkennen lassen, wo die Sympathien der neuen Männer waren. Nun haben sie ihre Antwort von Hitler erhalten, nun wissen sie schwarz auf weiß, daß er sie wegfegen wollte, daß er nicht die Einordnung in den Staat will, sondern die Unterordnung des Staates unter seine Partei.

Anmerkung: Nur Monate später ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Jänner 1933 Hitler zum Reichskanzler. Bereits am 1. Februar wurde der Reichstag aufgelöst, in den Wochen darauf wurden durch Notverordnungen die Rechte des Reichspräsidenten eingeschränkt. Mit dem Ermächtigungsgesetz von 24. März verlor der Reichstag endgültig jegliche Entscheidungskompetenz, die Demokratie war abgeschafft.

Heute vor 100 Jahren: Wetterregeln für Urlauber

Es soll möglich sein, für vierundzwanzig Stunden das Wetter vorauszuerkennen. Man beobachte vor allem den Himmel bei Sonnenuntergang.

Neue Freie Presse am 13. August 1922

Es soll möglich sein, für vierundzwanzig Stunden das Wetter vorauszuerkennen. Man beobachte vor allem den Himmel bei Sonnenuntergang.Neue Freie Presse am 13. August 1922

Erfahrungsgemäß hat man niemals größeres Interesse für den Himmel als zur Reise- und Urlaubszeit. Sehr begreiflich! Was winkt so einem armen Teufel von Urlauber, den das Bedürfnis nach Erholung in staub- und rußfreier Luft aufs Land, in das Gebirge treibt, wenn Regen ihn ans Zimmer fesselt, das farbenfrische Landschaftsbild in graue Schleier hüllt.

Einmal, zweimal mag er es hinnehmen. Ein Oester aber ist schon zu viel für die kargbemessene freie Zeit, zumal wenn er allein steht. Da wird es nicht selten vorkommen, daß er mag er die Qualitäten seiner eigenen Gesellschaft noch so hoch anschlagen, am liebsten sich selber davonlaufen möchte. Und gelingt's ihm auch, der Szylla des Landregens zu entschlüpfen, so droht ihm noch die Charybdis eines nassen Ueberfalls auf einsamem Pfad, wo weit und breit kein schützendes Dach zu erspähen. Man hat von derlei schon gehört und erinnert sich, daß solche Ueberraschungen niemals häufiger sind als im Urlaub.

Da ist es wirklich kaum verwunderlich, daß sich vor jeder Exkursion der Blick prüfend nach oben richtet, Wolkenbildung und Windrichtung, die ausschlaggebenden Elemente der Witterung, zu ergründen sucht, um nicht ganz wehrlos der Willkür der atmosphärischen Gewalten ausgesetzt zu sein. Hunderttausende solcher Blicke streifen den Himmel ab, aus allen Teilen der Erde werden sie ausgesendet. International ist der Wunsch nach richtiger Deutung der Zeichen.

Es dürften deshalb die Ratschläge, die ein englischer Meteorologe den Urlaubern seines Heimatlandes erteilt, auch hier interessieren. Einleitend erklärt er, es sei möglich, für vierundzwanzig Stunden das Wetter vorauszuerkennen. Man beobachte vor allem den Himmel bei Sonnenuntergang. Blasse oder faule Farben deuten auf Regen und Wind. Geht die Sonne hinter hellgefärbten Wolken nieder, ist ein schöner Tag zu erwarten. Ein kupferfarbener Himmel des Morgens oder des Abends ist kein glückliches Vorzeichen, Gewitter mit heftigem Regen sind in seinem Gefolge. Auch mächtige Wolkenberge mit schwarzer Basis zeigen Unwetter an. Für einen Nachmittagsausflug genügt es, die Wolkenbildung am Morgen zu studieren. Flache Schäfchenwolken versprechen Schönwetter. Nahhängende Wolkenmassen in konischer Form künden Regen an. In der Spätsommerzeit ist Frühnebel unveränderlich ein Zeichen für einen regenlosen Tag.

Heute vor 100 Jahren: Die Hinrichtung eines Wiener Bürgermeisters

Am 11. August jährte sich zum 400. Male der Gedenktag einer historischen Episode, die zwar wenig bekannt ist, aber dennoch in der Geschichte Oesterreichs nicht ohne Bedeutung war.

Neue Freie Presse am 12. August 1922

Am 11. August 1522 ließ Ferdinand von Habsburg, der Bruder Karls V. und nachmalige Kaiser Ferdinand I., auf dem Hauptplatze in Wiener-Neustadt den Bürgermeister von Wien Dr. Martin Capini, genannt Martin Siebenbürger, und fünf andere Mitglieder des Wiener Stadtrates enthaupten.

Dieser blutige Prozeß bildete den Abschluß einer Erhebung des Wiener Bürgertums gegen das kaiserliche Regiment der Uebergangszeit, in der nach dem Tode Maximilians I. die Habsburger in Spanien residierten und Deutschland vernachläßigten. Diese historische Erinnerung an einen aufrechten Vorkämpfer der Wiener Bürgerrechte wurde von der Gemeinde Wien durch Enthüllung eines Gedenksteines am Wiener Rathause feierlich begangen, der am Gedenktage (11. August) vom geschäftsführenden Vizebürgermeister Emmerling enthüllt wurde.