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Isolation

322 Tage daheim - Oprah Winfrey verließ Haus nicht

322 Tage war Oprah Winfrey am Stück zu Hause.
322 Tage war Oprah Winfrey am Stück zu Hause.(c) Getty Images for Global Citizen
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Wie viele Badezimmer braucht es, um die Isolation gut zu überstehen? Oprah Winfrey jedenfalls hatte keine Probleme. In einem Interview spricht sie über ihre Quarantäne und Rassismus im Gesundheitssystem.

Um die Isolation während des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie zu überstehen, schlossen sich manche zu neuen Wohngemeinschaften zusammen, teils generationenübergreifend. Vor allem Frauen, Stadtbewohner und Jugendliche leiden unter Maßnahmen und Nachwirkungen, für letztere wurde gar eine neue Anlaufstelle für psychosoziale Hilfsangebote eingerichtet. Es wurden Tipps für den einsamen Alltag formuliert und besprochen, was bei Covid-Anxiety helfen kann.

Und doch war für manche Psyche die Pandemie mehr Entschleunigung als Stressfaktor, etwa für die Talkshow-Ikone Oprah Winfrey. 322 Tage habe sie ihr Zuhause nicht verlassen - und zwar buchstäblich, wie sie selbst in einem Interview mit der „Los Angeles Times“, das am Freitag veröffentlicht wurde, erzählte. „Ich war so vorsichtig, meine eigenen Freunde haben sich über mich lustig gemacht.“

23.000 Quadratmeter und 14 Badezimmer

Das knappe Jahr im kalifornischen Anwesen namens „The Promised Land“ sei aber keine Härte gewesen. Das wundert nicht, denn das Anwesen ist dank Winfreys Deals mit Nachbargrundstücken nun etwa 70 Hektar groß, das Haupthaus 23.000 Quadratmeter - inklusive mehrerer Wohnräume, einer Bibliothek, einer Küche, einem Weinkeller, einem Büro, sechs Schlafzimmern sowie 14 Badezimmern. Die Milliardärin, deren Zuhause in etwa 100 Millionen US-Dollar, also rund 95 Millionen Euro wert ist, wisse natürlich um ihr „gesegnetes und privilegiertes Leben“. Auch sei ihr bewusst, dass sie die Isolation auch deshalb derart gut annehmen konnte, weil sie sich keine Sorgen machen musste, woher ihr „nächster Gehaltsscheck“ kommt oder ob sie ihre Miete bezahlen kann. Überrascht, wie leicht ihr das Alleinsein fiel, sei sie trotzdem gewesen.

„Was mich am meisten überrascht hat, ist, wie gut ich mich an die Isolation und die Abwesenheit von anderen Menschen anpassen konnte“, sagte Winfrey. „Ich erinnere mich, dass Gayle King einmal sagte: ,Vermisst du es nicht, unter anderen Menschen zu sein?' Ich sagte: ,Eh, nicht wirklich.'“ 

Ausgleich zur interaktiven Karriere

Selbst glaubt Winfrey, sie habe sich auch deshalb so gut eingelebt, weil dies ein Ausgleich zu den Jahren intensiver sozialer Interaktion war, die ihre lange Karriere mit sich gebracht hat. „Ich war zweimal am Tag in einem Publikum von 350 Menschen, also musste ich Hände schütteln, Autogramme geben und Selfies machen, und ich hatte viel Aufmerksamkeit und war vielen Menschen ausgesetzt“, sagte sie. Aber als sie anfing, zu Hause zu bleiben, war sie „in der Lage, auf eine Art und Weise mit mir selbst zusammen zu sein, wie ich es seit Jahren nicht mehr konnte, denn normalerweise, selbst wenn ich mir eine Auszeit nehme, denke ich an das, was als Nächstes kommt.“ 

Auch war sie während der 322 Tage nicht völlig allein. Ihr langjähriger Partner Stedman Graham war nach zweiwöchiger Quarantäne im Gästehaus bei ihr sowie ihre Freundin Gayle King, die einmal - zusammen mit ihrem Team des TV-Programms „This Morning“ - unter strengen Quarantäneregeln zu Besuch war. Außerdem dürfte die Moderatorin Personal haben, im Interview ging man darauf aber nicht näher ein.

Rassistische Diskriminierung im Gesundheitssystem

Grund für das Interview mit der „Los Angeles Times“ war ein neuer Dokumentarfilm, den Winfrey produzierte. „The Color of Care“ behandelt rassistische Ungleichheiten im Gesundheitssystem, insbesondere im Rahmen der Covid-19-Pandemie. Inspiriert wurde die Talkshow-Moderatorin von dem Fall Gary Fowler, ein Schwarzer Mann, der im Frühjahr 2020 an Corona starb, nachdem ihm mehrere Krankenhäuser die Hilfe verweigert hatten. „Ich möchte, dass den Menschen bewusst wird, dass es aufgrund der Hautfarbe Ungleichheiten bei rechtmäßiger Gesundheitsversorgung gibt“, so Winfrey.

(evdin)