Bei einem Symposium in Wien erläutert der VW-Konzern seine nächsten Schritte zum Vehikel der Zukunft. Man sieht schon etwas klarer. Es ist der Preis, der die erste Generation von Elektroautos in Nischen drängen wird.
Heuer kommen sie. Oder doch erst nächstes Jahr: die ersten Elektroautos von großen Herstellern, namentlich Citroën, Peugeot, Mitsubishi. Dass es sich dabei um ein einziges Auto handelt, das lediglich verschiedene Logos zieren werden, sei am Rande erwähnt. Die Verbreitung wird in jedem Fall überschaubar bleiben, selbst wenn sich viele mit der geringen Reichweite begnügen würden und über Carport oder Garage verfügen, wo das Auto komplikationsfrei aufgeladen werden kann.
Es ist der Preis, der die erste Generation von Elektroautos in Nischen drängen wird, weil die Batterien immer noch viel zu teuer sind. Ein reines Elektroauto kostet bis auf Weiteres doppelt so viel wie ein vergleichbares konventionelles. Und man weiß, dass Käufer schon bei einem sehr geringen Mehrpreis der Mut verlässt.
Die Erfahrung hat Volkswagen mit seinen Dreiliterautos (VW Lupo, Audi A2) vor einigen Jahren gemacht. Die Strategie des Konzerns sieht also nicht vor, Erster auf dem Markt zu sein. Der E-Golf kommt 2014 (mehr über die Pläne von Audi). Ohne Hersteller wie Volkswagen braucht man das Wort von der Marktdurchdringung von Elektroautos aber gar nicht erst in den Mund zu nehmen.
Drei Megatrends
Welchem Zweck dient die Übung überhaupt? Professor Leohold, Leiter der VW-Konzernforschung, sieht drei Megatrends: noch strengere künftige Emissionsvorschriften, deren Erfüllung neue Technologien voraussetzt, der Zug zu Megacitys und die Endlichkeit der Ressourcen. Das von der EU für 2050 angepeilte Ziel von 20 Gramm CO2 Flottendurchschnitt (aller Autos) „ist evolutionär nicht zu schaffen“. Heute befinden wir uns bei 160 Gramm.
Was ist mit evolutionär gemeint? Dass der Verbrennungsmotor Potenzial hat. Professor List, weltweite Koryphäe auf dem Gebiet, skizziert bis 2015 einen deutlichen Anstieg des Wirkungsgrades von Benzin- und Dieselmotoren (langfristig hält List gar einen Wirkungsgrad von 55 Prozent für möglich). Auf sie wird man noch lange nicht verzichten können. List: „Bis 2018 lässt sich die Energiedichte von Lithium-Ionen-Batterien evolutionär um den Faktor drei steigern. Für Reichweiten über 200km reicht das nicht.“ Wir werden uns vielfältig mobilisieren: mit reinen Elektroautos, aber auch allen Arten von Hybriden; eine große Zukunft wird dem E-Auto mit Range Extender (Verbrennungsmotor als Stromlieferant) vorhergesagt.
VW-Leohold weiß zudem: „Unsere Autos werden nicht mit den Zellen ausgestattet, wie man sie in Laptop-Akkus verwendet. Das Sicherheitsrisiko ist zu groß.“ Auch die CO2-Bilanz von reinen Elektroautos wirft Fragen auf – nach dem Energiemix etwa, aus dem der Strom gewonnen wird. Elektroautos in China, wo der Strom weitgehend aus Braunkohle gewonnen wird, helfen dem Klima kein bisschen – im Gegenteil. Und das ist die andere Baustelle: die CO2-neutrale Stromgewinnung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2010)