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Pizzicato

Der gefallene King von Wimbledon

Mit schleppendem Gang, aber ungebeugt und auch hochmütig trat Boris Becker die Haftstrafe im Wandsworth-Gefängnis in Südlondon an – wenige Kilometer von seinem früheren „Wohnzimmer“, dem Centre Court in Wimbledon, entfernt.

Deutschlands einst größter Sohn bewahrte Haltung, fast ein Sir vom Scheitel bis zur Sohle, wie ein Gentleman-Gangster im Viktorianischen Zeitalter – wäre nicht sein Rotschopf zu Berge gestanden.

Alles makellos: die grün-violett gestreifte Krawatte des All England Lawn Tennis and Croquet Club, die Insignien eines Wimbledons-Siegers. Selbst die Weekender-Tasche, mit dem Nötigsten von der Zahnbürste bis zum Rasierer, hatte er tags zuvor im Stil eines Champions, der auf zu großem Fuß lebt, bei Harrods erworben.

Freundin Lilian hatte ihm noch Kusshändchen zugeworfen. BB muss nun hoffen, dass Wächter und Mithäftlinge Tennis- und nicht Rugby-Fans sind – und dass er ihnen im Hof Tricks beibringen kann wie die Hechtrolle oder den Topspin Lob. Und der gefallene King von Wimbledon sollte um Großmut der Queen aus dem Hause Windsor zum 70-Jahr-Thronjubiläum beten, die am Donnerstag im Parlament ihre Queen's Speech halten wird – und dass sie ihm Begnadigung gewährt oder wenigstens einen Freigang als BBC-Kommentator während des Wimbledon-Turniers. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2022)