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Ukraine-Krieg

Botschafter Melnyk: Scholz spielt "beleidigte Leberwurst"

Die deutsche Regierung traf am Dienstag zu einer Klausur in Meseberg ein.
Die deutsche Regierung traf am Dienstag zu einer Klausur in Meseberg ein.REUTERS
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Der ukrainische Botschafter in Deutschland greift Kanzler Scholz wegen dessen Weigerung, nach Kiew zu reisen, an: "Nicht sehr staatsmännisch."

Aussagen des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz, wonach die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die Ukraine seiner Reise nach Kiew im Weg stehe, haben am Dienstag für eine Debatte gesorgt. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk warf Scholz vor "eine beleidigte Leberwurst zu spielen" und erntete damit seinerseits Kritik. Unterdessen reiste der Chef der Oppositionspartei CDU Friedrich Merz am Dienstag nach Kiew.

Scholz hatte am Montagabend im ZDF gesagt, dass er wegen der Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch Kiew vorerst nicht in die Ukraine reisen werde. Steinmeier wollte Mitte April eigentlich zusammen mit den Staatschefs von Polen, Lettland, Estland und Litauen nach Kiew fahren, erhielt aber kurzfristig eine Absage. Steinmeier steht in der Ukraine wegen seiner früheren Russland-Politik als Außen- und Kanzleramtsminister in der Kritik. Scholz sagte dazu im ZDF: "Es kann nicht funktionieren, dass man von einem Land, das so viel militärische Hilfe, so viel finanzielle Hilfe leistet, das gebraucht wird, wenn es um die Sicherheitsgarantien geht, die für die Zeit der Ukraine in der Zukunft wichtig sind, dass man dann sagt, der Präsident kann aber nicht kommen."

Selenskij würde sich über Scholz-Besuch freuen

"Es geht um den brutalsten Vernichtungskrieg seit dem Nazi-Überfall auf die Ukraine, es ist kein Kindergarten", kritisierte Melnyk gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij würde sich weiterhin freuen, Scholz in Kiew empfangen zu dürfen, so der ukrainische Botschafter in Kiew. Er fügte aber hinzu: "Worauf sich die Ukraine viel mehr als auf alle symbolischen Besuche freuen würde, ist, dass die Ampel-Regierung den Antrag des Bundestages über die Lieferung von schweren Waffen zügig umsetzen wird und die bisherigen Zusagen erfüllt." Er kritisierte, dass für die versprochenen Gepard-Flugabwehrpanzer noch immer keine Munition gefunden worden sei. Die Panzer sind die ersten schweren Waffen, die direkt aus Deutschland in die Ukraine geliefert werden sollen.

Scholz hatte am Montagabend den Vorwurf der Zögerlichkeit bei der Unterstützung der Ukraine etwa mit schweren Waffen zurück. "Ich habe immer schnell entschieden, zusammen mit allen anderen, mich mit den Verbündeten abgestimmt", sagte er. "Aber mein Kurs ist schon, dass wir besonnen und mit klarem Verstand handeln." Viele Deutsche machten sich Sorgen, dass es eine sehr weitreichende Eskalation des Krieges geben könnte. "Sie machen sich diese Sorgen ja auch berechtigterweise." Er versicherte, es werde keine unmittelbare Beteiligung der NATO an dem Krieg geben.

Kritik an Scholz kam am Dienstag auch vom Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber. "Was sollen die Ukrainer jetzt machen? Sollen sie um Entschuldigung bitten, dass sie den Bundespräsidenten nicht eingeladen haben?", fragte Weber am Dienstag im Radiosender Bayern2. Die Ukrainer seien in einem "Überlebenskampf", sagte Weber. "Deswegen jetzt auch mal runterschlucken, wenn einmal eine Entscheidung gefällt worden ist, von der ja auch eingeräumt worden ist, dass sie nicht perfekt war, und Solidarität zeigen." Er habe zwar Verständnis dafür, dass der Bundespräsident eine besondere Rolle habe, aber: "Die Ukrainer bezahlen derzeit die Fehler, die gemacht wurden in den vergangenen Jahren."

Dagegen verteidigte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann Scholz und forderte den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk auf, sich beim deutschen Bundespräsidenten zu entschuldigen. Die Ukraine habe Steinmeier ausgeladen und könne nun nicht erwarten, dass Scholz nach Kiew reise, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Vielleicht, lieber Herr Melnyk, entschuldigt man sich einfach mal beim Präsidenten und lädt dann den Kanzler höflich ein, zu kommen."

AfD-Fraktionschefs Tino Chrupalla forderte nach Melnyks Äußerungen Konsequenzen der deutschen Regierung. Zuerst lade der Präsident der Ukraine den Bundespräsidenten aus, jetzt beleidige der Botschafter den Kanzler, monierte Chrupalla. "Solche Provokationen und Beleidigungen von Verfassungsorganen sind nicht tatenlos hinzunehmen. Die Bundesregierung muss sofort Botschafter Melnyk einbestellen", sagte er der dpa. Wenn sich Melnyk uneinsichtig zeige, müsse die Regierung darauf bestehen, dass er umgehend abberufen werde.

Merz in Kiew

Unterdessen wurde CDU-Chef Merz noch am Dienstag in der Ukraine erwartet. Bei seinem Besuch in Kiew will Merz unter anderem den ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal und Bürgermeister Vitali Klitschko treffen. Außerdem stehen Gespräche mit Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk und Oppositionspolitikern auf seinem Programm. Ein Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskij ist danach zunächst nicht geplant.

Die Reisepläne waren am Wochenende bekannt geworden und am Montag von Merz bestätigt worden. Auch der Linken-Außenpolitiker Gregor Gysi hat einen Besuch in die Ukraine angekündigt. Als erstes deutsches Regierungsmitglied kündigte zudem Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) Pläne für eine Reise in die ukrainische Hauptstadt Kiew an - jedoch noch ohne konkreten Zeitpunkt.

(APA/dpa)