Der Skifahrer geht ins Gelände. Die Langläufer tragen Gewehre. Man quartiert sich in die neue Hütte ein. Früh steht auf, wer die erste Line ziehen will. Vieles ist in diesem
Skiwinter in Österreich nicht ganz neu, aber als Trend massiv.
Skiwinter in Österreich – vieles ist gutes Marketing, manches wirklich Trend. Auch wenn sich hinter neuem Namen Altbekanntes verbirgt. Ging man denn nicht schon vor dem Freeride-Hype in den Tiefschnee, ins Gelände neben der Piste, in den Wald? Oder Hike and Ride, wie man so schön zum Tourengehen sagt. Was einen in diesem Skiwinter zwischen Brixental und Semmering, Montafon und Hauser Kaibling erwartet …
Verbesserte Infrastruktur
Die Phase der großen Neuerschließungen – noch zwei Täler, noch drei Berge – ist in Österreich weitgehend abgeschlossen. Ein paar notwendige Links wie etwa in den Kitzbüheler Alpen wurden geschaffen, aber in erster Linie konzentrieren sich die Bergbahner darauf, die Infrastruktur zu erneuern und bessere Kapazitäten auf dem Berg zu schaffen. Zugleich geht man in die Service-Offensive – Skidepots auf dem Berg, verbesserte Gastronomie, Servicestationen für kurze, schnelle Wege.
Die größten Baustellen lagen heuer in Tirol und in der Steiermark. In Sölden wurde die Gaislachkoglbahn errichtet, eine 3S-Bahn, technisch innovativ und mit auffälliger Architektur. Der Aufwand war nicht unbeträchtlich – zumal wegen des Permafrosts in einer Höhe von über 3000 Metern die Bergstation mit einem computergesteuerten Hydrauliksystem ausgestattet werden musste. Weltweit neu ist Doppelmayrs Bergetechnik im Fall des Falles: Die Gäste müssen bei einer Evakuierung die Kabinen nicht verlassen.
In Schladming konzentrieren sich die vorsaisonalen Baubewegungen auf die 2013 anstehende Weltmeisterschaft. Die neue Talstation am Fuß der Planai steht bereits. Der lichtdurchflutete, organisch wirkende Bau beherbergt ein ganzes Servicecenter – von der Skischule bis zum Verleih. Etwas nördlicher erfolgte eine halbe Neuerschließung: Auf die Tauplitzalm führt nun von Bad Mitterndorf die längste Kabinenbahn der Steiermark. Das vor Kurzem vom „ADAC Skiguide“ ausgezeichnete kleinere Skigebiet „Urlaubsarena Wildkogel“ ist dank einer neuen Bahn direkt von Bramberg aus zu erreichen. Nur ein paar Kilometer Luftlinie weiter wird am Kitzsteinhorn an der Fertigstellung der „Gipfelwelt 3000“ gearbeitet – neues Gipfelrestaurant, Gipfelkino mit Naturfilmen, Aussichtsplattform, auf der man hoch über der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern steht.
Hütte statt Hotel
Was den Urlaub in den Bergen anbelangt, zeigt sich der Gast durchaus als Traditionalist. Klein, fein, gemütlich muss es sein. Ohne auf moderne Annehmlichkeiten zu verzichten, wenn nicht gar den Luxus einer Badewanne vor dem Gipfelpanorama, eines Private Spas oder High-end-Technik hinter den Holzriegeln zu genießen. Deshalb setzt sich in diesem Winter der Trend zu Hüttenhotels und exklusiven Chalets unübersehbar fort. Luxusalmhütten wie etwa im Bergdorf Priesteregg in Leogang, das vor einem Jahr eröffnet wurde, predigen die Alltagsflucht und stehen hoch im Kurs. Auf dieses Rezept setzt beispielsweise auch das neue Hüttenhotel „Anno dazumal“ in Lanersbach im Tiroler Tuxertal. Familien mit Kindern sind die Zielgruppe des „AlmDorfs“ Grossarltal, das aus Ferienhäusern für vier bis 14 Personen besteht. Im Stil kanadischer Blockhäuser wurden die drei „Wood Ridge“-Chalets in Werfenweng erbaut. Was die drei unterschiedlich großen Häuser, in denen Paare ebenso Platz finden wie größere Familien, miteinander verbindet, ist das typisch nordamerikanische Interieur. Klassischen alpinen Luxus zitieren die neuen „Maierl“-Chalets in Kirchberg, dem Nachbarort von Kitzbühel. Auf 1225 Metern Höhe liegen diese fünf Häuser – direkt an der Piste, jeweils mit privatem Wellnessbereich und Outdoorpool ausgestattet. Für alle fünf Chalets gibt es dann noch eine gemeinsame Schwimmhalle, die man unterirdisch erreichen kann.
Chalet-Projekte entstehen selten aus dem Nichts, sondern haben meist ein Hotel, einen Familienbetrieb im Hintergrund. Auf der Gerlitzen, dem sonnigen Kärntner Skiberg, kann der Gast daher wählen: Entweder quartiert er sich im unlängst adaptierten Hotel des „Feuerberg Mountain Resort“ ein – oder doch in einer Wohnung in den vier romantischen Chalets. Und auch dann hat er wieder die Wahl: Nimmt er die „Verwöhnpension“ in Anspruch oder versorgt er sich selbst? Die frischen Frühstückssemmeln bekommt er auf jeden Fall geliefert. Jüngste Bau-Aktivitäten im „Feuerberg Mountain Resort“ betrafen Spa und Gastronomie, es entstanden Bar, Raucherlounge und Vinothek, eine Ruhezone namens „Wolke 7“ und spezielle Saunas.
Oder doch ins Hotel?
Große, neue Hotelprojekte sind in diesem Nachkrisenwinter indes eher rar. Die größte Investition markiert hier zweifellos das neue Tauern Spa. Zwischen Kaprun und Zell am See liegt dieses über 80 Millionen Euro teure Projekt, das einen großen öffentlichen Wasser-, Spa- und Sauna-Bereich beherbergt – und dem eben auch ein großes Viersternehotel angeschlossen ist. Hier planscht der Hotelgast hoch über dem Pinzgauer Talboden in einem spitz zulaufenden, gläsernen Infinitypool und schaut dem Kitzsteinhorn mitten ins Gesicht. Auch von der Sauna um den Private-Spa-Bereich aus hat er das Skigebiet, in dem er vielleicht kurz vorher noch herumgefahren ist, im Visier. Helle Farben, dezenter Alpinschick und interessante Architektur prägen das Tauern Spa, das sich nicht als reine Indooroption versteht, sondern versucht, die Gäste zu Expeditionen nach draußen zu motivieren: Freeriden, Schneeschuhwanden, Eisklettern, im Sommer auch zu Abstechern in den nahen Nationalpark Hohe Tauern.
Am Achensee in Achenkirch eröffnet noch vor Weihnachten das „Kronthaler“. Das Haus zitiert den alpinen Lifestyle mit vielen Ecken und Kanten und unter Einsatz möglichst vieler natürlicher, regionaler Materialien. Bemerkenswert an dem Viersterne-Superior-Hotel sind neben der Lage direkt an der Christlumabfahrt vor allem die großzügigen Panoramachalets auf dem Dach. Puristisches Material, originelle Details kamen auch beim 14 Millionen Euro schweren Umbau des Hotel Bergland zum Einsatz. Der seit 60 Jahren bestehende Betrieb in Sölden verkörpert den Typ des Skihotels – mit eigenem Sportshop, einer Skischule und Anbindung ans Skigebiet durch eine 270 Meter lange Schrägseilbahn. Auch hier gehört das Spa am Dach zu den Attraktionen.
Den Traditionalisten zieht es bei so viel moderner Architektur vielleicht eher ins Schloss Matzen bei Brixlegg. Die Wehranlage aus dem 16. Jahrhundert übernahm ein deutscher Investor, der sich den Umbau zu einem kleinen Luxushotel mit zwölf Suiten zehn Millionen Euro kosten ließ. Pro Nacht und Zimmer: ab 190 Euro.
Volksrennen: Brauchtum mit Nebeneffekt
Über die Jahre sind sie fast alle in Vergessenheit geraten: die Volksskirennen. Das legendäre Inferno-Rennen im Schweizer Mürren jedoch stammt aus den 1920er-Jahren und ist ein Evergreen, es gilt als das Volksskirennen schlechthin mit rund 2000 Teilnehmern. Dass solche Jedermann-Wettbewerbe ein guter Füller für die Nebensaison sein können, haben auch die Arlberger erkannt.
In St. Anton geht es gleich beim Saisonopening los mit dem „XXL-Riesentorlauf“ am Kapall, am 27. November. Am 17. und 18. Dezember steht die „Red Bull Hütten Rallye“ auf dem Programm. Bei dem Freeski-Cross-Wettbewerb kann man sich mit Profis wie etwa dem Amerikaner Daron Rahlves messen. Den Höhepunkt zum Saisonabschluss am 23. April bildet dann der „Weiße Rausch“, ein Massenrennen vom Galzig bis nach St. Anton mit einem langen Anstieg kurz nach dem Start und einem überdimensionalen Schneehaufen als finalem Hindernis. Die Nachbarn in Lech haben zwar nur ein Rennen, allerdings bringen die Teilnehmer eine Rekorddistanz hinter sich. Der „Weiße Ring“ führt auf 22 Kilometern über den Rüfikopf und das Madloch einmal ums ganze Dorf. Das bedeutet: Schuss fahren, Lift fahren, Schuss fahren, Lift fahren. Die Schnellsten brauchen dafür eine gute Dreiviertelstunde. Der Startschuss fällt am 15. Januar.
Der Titel des längsten Skirennens der Welt ist jedoch inzwischen fix in Kärnten daheim. Auf dem Nassfeld folgen an die 600 Furchtlose und Konditionsstarke der Devise „Schlag den Ass“, will heißen Armin Assinger, der im Vorjahr die Bestzeit auf der 25,6 Kilometer langen Strecke vorlegte. Auch hier werden die 6000 Höhenmeter nicht nur abwärts, sondern mithilfe der Lifte absolviert.
Einen Härtetest stellt auch der „Mountain Attack Touren Ski Marathon“ in Saalbach-Hinterglemm im Jänner dar. Auch hier sind hunderte Athleten am Start. Nur liegt die Challenge mehr in der Aufwärts- denn in der Abwärtsbewegung: Die Route führt von Saalbach aus über Schattberg, Zwölferkogel und Reiterkogel zurück zum Ort. Das bedeutet sechs Gipfel, 3000 Höhenmeter, 40 Kilometer, bei zweieinhalb Stunden liegt die Rekordzeit.
Grundsätzlich sind Publikumsrennen Events, die das Sportliche mit dem Volksfestartigen verbinden. Und es gibt in diesem Winter jede Menge Bewerbe, bei denen selbst der exzellente Skifahrer nur Publikum ist, vom Hahnenkammrennen einmal abgesehen. Ein Beispiel: Wenn in Fieberbrunn im März die „Freeride World Tour“ Halt macht, läuft vor den Zuschauern eine Art Extremvideo ab. Die Rider stürzen sich die Rinnen des Wildseeloders hinunter wie unsereins auf der roten Piste.
Gewehr bei Fuß: Biathlon im Vormarsch
Biathlon begeistert Hunderttausende von Zuschauern, die selbst noch nie in der Loipe gelaufen sind oder gar auf Scheiben geschossen haben. Das kann so nicht bleiben, dachten sich einige Destinationen, die ein deutlich entschärftes Gästebiathlon anbieten. Wie das Zusammenspiel von Langlauf und Schießen funktioniert, das kann man zum Beispiel in Hochfilzen, im Pillerseetal oder in Obertilliach im neuen Biathlonzentrum selbst testen. In Hochfilzen etwa gibt es an Dienstagen und Donnerstagen das Gästebiathlon auf der Dorfloipe mit fachlicher Betreuung am Schießstand. Angeboten wird es mit und ohne Unterrricht zu Preisen zwischen sechs und 24 Euro. Vom 25. bis 27. März wird im Stadion sogar ein eigener Volksbiathlon-Wettbewerb durchgeführt. Die Anziehungskraft der nordischen Winteraktivitäten hält an. Die auf Nordisch spezialisierten Destinationen wie Seefeld (mit neuem Kompetenzzentrum), Obertilliach, das Pillerseetal, Saalfelden-Leogang, das Lammertal und Ramsau bauen ihr Angebot kontinuierlich aus.
Skifahren nach Sonnenaufgang
In Whistler in den Rocky Mountains ist „First Track“ mittlerweile ein Klassiker, in den Alpen noch neu: wirklich frühmorgens vor dem normalen Skifahrervolk mit der Gondel bergwärts zu fahren, dann das Frühstücksbuffet durchzukosten und als einer der Ersten die jungfräuliche Piste in Angriff zu nehmen. Das gibt es in Serfaus-Fiss-Ladis zum Beispiel und kostet inklusive Buffet und Liftticket 50 Euro. Im Montafon heißt das Pendant zu First Track „Hochjoch-Totale“. Kurz vor Sonnenaufgang startet die Seilbahn auf das Hochjoch, wo man über die frisch präparierte, zwölf Kilometer lange Piste bügeln kann. Zum Abschluss frühstückt man im Panoramarestaurant auf dem Berg. Hier zahlt man für zwei Bergfahrten mit Frühstück 25 Euro. Wem das zu normal ist, dem hätte etwa das Montafon noch mehr Nervenkitzel zu bieten: bei einer nächtlichen Schneeschuhwanderung, deren krönender Abschluss ein Flug mit dem „Flying Fox“ über den Latschausee ist. Oder man meldet sich zu einer Probefahrt mit dem Pistenbully auf der abendlichen gesperrten Piste an.
Außerhalb der Piste
Die Präferenzen in Sachen Schnee scheinen sich zu verschieben – von präpariert zu unverspurt. Viele zieht es hinaus auf die Tiefschneehänge. Verständlich ist dieser Drang zum freien Skifahren, allerdings sollte jeder darauf gut vorbereitet sein. In Innsbruck und in Warth-Schröcken etwa bietet SACC gratis Lawinensicherheitskurse an. Am Kitzsteinhorn wurde ein Infopoint aufgebaut, der Auskunft gibt über fünf überwachte Skirouten, ihren Verlauf und ihre Schwierigkeiten. Hier finden potenzielle Geländefahrer zudem lebensnotwendige Basisinfos. Und immer mehr springen auch Skischulen auf den Freeride-Trend auf und bieten spezielle Kurse an. Die Bergbahn dient dann meist als Aufstiegshilfe und die Piste der Erholung zwischendurch.
Für einige Alpinsportler liegt das Ziel nicht ausschließlich in der Abfahrt, sondern ebenso im Anstieg. Der Skitourenboom geht weiter, er unterstreicht die wachsende Sehnsucht nach authentischen Naturerlebnissen. Und die Zahl der touristischen Angebote für diese Gruppe steigt. Kurse gibt es in ganz Österreich, angeboten von Hotels in Kooperation mit Bergführern, von Alpinschulen und in großer Zahl vom OeAV. Im Bregenzerwald kann man etwa Skitouren für Fortgeschrittene inklusive Techniktraining und Wellness buchen. Der Taurerwirt in Kals bietet eine Skitourenwoche im April an. Höhepunkt ist die Besteigung des Großglockners zusammen mit Mount-Everest-Bezwinger Peter Habeler. In der Gletscherwelt Weißsee bei Uttendorf im Pinzgau starten Bergführer mit Gästen vom hochalpinen Berghotel Rudolfshütte zu Mondschein-Skitouren.
Doch manchmal sind Bergbahnen und Pisten-Tourengeher auf Kollisionskurs. Vor allem bei Nacht, wegen der Pistenpräparierungsarbeiten. Installierte Seilwinden für Pistenraupen sind dabei gefährliche Hindernisse. Deshalb haben manche Skigebiete, wie etwa der Kasberg, bestimmte Zeiten für Tourengeher eingeräumt.
Links
Informationen über die Skigebiete geben die Seiten der einzelnen Regionen sowie der Landestourismusstellen
www.steiermark.com,
www.tirol.at,
www.salzburgerland.com,
www.kaernten.at,
www.oberoesterreich.at,
www.vorarlberg.travel,
www.niederoesterreich.at