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Ukraine-Krieg

Russland setzt Bodenangriff auf Asowstal-Werk in Mariupol fort

"Ein neuer Schritt zur Evakuierung unserer Leute aus Asowstal wird derzeit umgesetzt", heißt es aus dem ukrainischen Präsidentenbüro.
"Ein neuer Schritt zur Evakuierung unserer Leute aus Asowstal wird derzeit umgesetzt", heißt es aus dem ukrainischen Präsidentenbüro.(c) Getty Images (Chris McGrath)
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Im belagerten Stahlwerk harren nach ukrainischen Angaben nach wie vor rund 200 Zivilisten sowie Soldaten aus. Unterdessen unternimmt die UNO einen neuen Anlauf zur Rettung von Zivilisten aus der ukrainischen Hafenstadt.

Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben auch am Freitag seine Offensive auf das Asow-Stahlwerk in Mariupol fortgesetzt. Die russischen Streitkräfte hätten "in einigen Gebieten mit Unterstützung der Luftwaffe die Einsätze zur Übernahme der Kontrolle über die Fabrik wieder aufgenommen", teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Für Freitag wurde ein weiterer Konvoi der UNO zur Evakuierung von rund 200 Zivilisten aus dem belagerten Stahlwerk erwartet.

"Ein neuer Schritt zur Evakuierung unserer Leute aus (dem Stahlwerk) Asowstal wird derzeit umgesetzt", sagt der Chef des ukrainischen Präsidentenbüros, Andriy Jermak. Informationen über das Ergebnis werde es später geben. Konkret wurde von Vize-Ministerpräsidenten Iryna Wereschtschuk 11.00 Uhr MESZ als Termin für den Evakuierungsversuch angegeben.

Bei zwei vorherigen Evakuierungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz wurden etwa 500 Menschen aus Mariupol und Umgebung auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet nach Saporischschja geholt. "Wir haben es geschafft, 500 Zivilisten heraus zu holen", teilte Jermak mit. Er sprach von einer "weiteren Etappe der Evakuierung", die in den nächsten Tagen fortgesetzt werden solle und dankte der UNO für ihre Hilfe bei der Organisation der Flüchtlingskorridore.

Beschuss in anderen Teilen des Landes

Unterdessen geht der Beschuss auch in anderen Teilen des Landes weiter. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde zuletzt ein großes Munitionsdepot in Kramatorsk im Osten der Ukraine zerstört. "Mit luftbasierten Hochpräzisionsraketen wurde ein großes Munitionslager der ukrainischen Streitkräfte vernichtet, das auf dem Territorium der Fabrik Energomaschstal in der Stadt Kramatorsk angelegt war", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag. Ukrainische Behörden hatten am Vortag von einem massiven Raketenangriff auf die Stadt mit 25 Verletzten gesprochen.

Nach Moskauer Angaben waren zudem in den vergangenen 24 Stunden die taktische Luftwaffe und die Artillerie wieder sehr aktiv. Demnach habe die Luftwaffe 24 Militärobjekte beschossen, die Artillerie über 200. Unter den getroffenen Zielen nannte Konaschenkow Munitionsdepots, Artilleriestellungen, Truppenansammlungen und Luftabwehrsysteme. Gesondert berichtete er über den Abschuss von zwei ukrainischen Kampfflugzeugen; eine Su-25 und eine MiG-29. Von unabhängiger Seite konnten diese Angaben nicht überprüft werden.

Kreml: „Operation läuft nach Plan"

Generell zeigt sich der Kreml - entgegen anderslautender Experteneinschätzungen - mehr als zehn Wochen nach Kriegsbeginn zufrieden mit den Leistungen des eigenen Militärs. "Die Operation läuft nach Plan", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Zu Wort meldete sich am Freitag auch das Außenministerium in Moskau. Der Einsatz von Atomwaffen sei im Rahmen des speziellen Militäreinsatzes, wie Russland die Invasion offiziell bezeichnet, nicht vorgesehen, sagt der Sprecher des Ministeriums, Alexej Saizew. Die USA hatten angesichts der ausbleibenden Erfolge der russischen Armee gewarnt, Russland könnte taktische Atomwaffen einsetzen.

Mit Spannung wird jedenfalls der 9. Mai erwartet. Nach Angaben aus Kiew plant Russland am Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland auch eine Militärparade in Mariupol. Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak warf Russland vor, zu diesem Anlass ukrainische Gefangene aufmarschieren lassen zu wollen. Ähnlich waren bereits 2014 pro-russische Separatisten in der Ostukraine vorgegangen, nachdem sie die Stadt Donezk eingenommen hatten.

"Sie haben Soldaten der ukrainischen Armee durch die Straßen marschieren lassen, man hat sie mit Müll beworfen", erklärte Podoljak mit Blick auf die Ereignisse 2014 am Freitag. "Acht Jahre später hat der Kreml beschlossen, dies am 9. Mai in Mariupol mit Zivilisten in Militäruniform nachzuspielen."

In der Umgebung von Mariupol wurden nach Angaben der pro-russischen Separatisten inzwischen die auf Ukrainisch und Englisch beschrifteten Straßenschilder durch russische ersetzt.

(APA/Reuters/dpa)