Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Popkritik

Bilderbuch: Triumph in der Wiener Arena

KONZERT BILDERBUCH
Begnadeter Entertainer: Maurice Ernst von Bilderbuch in der Arena.APA/GEORG HOCHMUTH
  • Drucken

Dreimal die Wiener Arena ausverkauft: Die beste Band Österreichs konnte schon am ersten Abend feiern. Dabei passten ihre neuen Songs gut zu ihren überdrehten Hits.

Trotz ungünstiger olfaktorischer Bedingungen – für die Uptown-Erdberg-Kenner die nahe gelegene Tierkörperverwertung als Hauptverdächtige nannten – war es ein lang ersehntes Wiedersehen: Endlich wieder in der Open-air-Arena! Endlich wieder im freudigen Konzertgedränge an diesem magischen, pophistorisch aufgeladenen Ort, geprägt von der strengen Romantik der Industriearchitektur des ehemaligen Schlachthofs. Dem in der Coronazeit mit dem brutalistischen Buwog Helio Tower ein deutlich weniger attraktiver Nachbar zugewachsen ist. Das fand auch Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst, der diesen monströsen Quader in seiner Conference mehrmals abfällig erwähnte.

Es war die einzige Ansage des Abends im dezidiert negativem Tonfall, sonst reagierten Jubel und Freude. „Jetzt ist Sommer!“, verkündete der manische Entertainer Maurice Ernst einmal. Typisch für diese Band, die das im Indie-Pop der Post-Punk-Tradition herrschende Melancholie-Gebot konsequent negiert, nach dem Motto: Was ist denn bitte so schlimm an guter Stimmung?

Erinnerung an Pink Floyd 1970

Dabei ist der überdrehte – aber nie stumpf ironisierte – Überschwang ihrer Hits von „Maschin“ bis „Willkommen im Dschungel“ in vielen Tracks ihres neuen Albums „Gelb ist das Feld“ einer etwas stilleren Freude gewichen. Manchmal fast der Beschaulichkeit, im Titelsong etwa, wo die Gitarrentöne in sommerlichen Luft zittern. In „Zwischen deiner und meiner Welt“, wo Stromkabel überm Feld hängen. In „Schwarzes Karma“, wo sogar Vögel zu zwitschern scheinen. Oder in der Fernweh-Hymne „Nahuel Huapi“.