Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Das Schloss Hollenegg ist diesmal Begegnungsraum für Ost und West.
Designausstellung

Schloss Hollenegg: die Ferne so nah

Ost und West sind einander im Mai wieder besonders nah: In einer Designausstellung auf Schloss Hollenegg.

Es ist nur ein Schloss. Aber allein das bedeutet schon ganz schön viel. Denn dieses Schloss ist eine Wunderkammer. Hier ist schließlich einiges zusammengekommen. An Geschichte und Geschichten natürlich. Aber auch an Dingen, die Geschichte und Geschichten transportieren. In die Gegenwart und von weit her, aus dem Osten, dem Fernen sogar. Alice Stori Liechtenstein kennt einige Erzählungen davon. Längst nicht alle, dafür jedes Jahr ein paar neue. Das liegt auch daran, dass sie sich stets neugierige Menschen ins Schloss holt, damit sie die Dinge hier neu betrachten. Und sie dabei gedanklich aus dem Schloss hinüberführen: in ganz andere Zusammenhänge.

„Die Designer und Designerinnen kommen hierher und stellen alle möglichen Fragen“, erzählt Liechtenstein. Viele davon hat sie sich selbst noch nie gestellt. Denn das Schloss als Wohnort und Arbeitsplatz ist für sie zwar einerseits Privileg, andererseits aber auch Alltag. Mit jeder Ausstellung erschließt sich Alice Liechtenstein so einen neuen Abschnitt des Universums der Dinge. Den Schlüssel dazu hat sie immer. Aber er dreht sich erst, wenn die Gestalter und Gestalterinnen kommen. „Sie helfen mir dabei, mich mit der Vergangenheit und den Dingen des Schlosses auseinanderzusetzen.“

Designer Tuomas Markunpoika und Alice Stori Liechtenstein vor üppig verzierter Tür.
Designer Tuomas Markunpoika und Alice Stori Liechtenstein vor üppig verzierter Tür.beigestellt

Wunderkammer

Spleens und Sammelleidenschaft haben hier in Schloss Hollenegg so einiges zusammengetragen. Aber auch andere Motive: Schließlich war es Mode in der Welt des Adels, anhand der Dinge, die man besaß, kaufte, sammelte oder sich einverleibte, zu zeigen, dass man ziemlich wichtig war, über Bildung und guten Geschmack verfügte. Hunderte Objekte aus dem Osten sind schließlich auch im Inventar des Schlosses Hollenegg gelandet. Manchen mag man das Merkmal „Ferne“ gestalterisch recht deutlich ansehen, andere verraten ihren Ursprung nicht gar so augenfällig. Gesammelt haben sich die Dinge, gehäuft natürlich auch die Klischees und Stereotype, die sie nach weiter

Reise noch immer zum Teil transportieren. Gerade in China hat man ja gern stets Dinge extra auch für die andere Ferne, den Westen, produziert. Jedenfalls lässt die Ausstellung „East to West“ beide Perspektiven auf­einandertreffen. „Als Kuratorin ist es wichtig, dass ich die Geschichte verständlich vermittle, das Interesse wecke und dass die ausgestellten Objekte in Zusammenhang mit dem Schloss stehen“, sagt Liechtenstein. Und die Projekte, zu denen sie insgesamt 20 Designer und Designerinnen eingeladen hat, haben auch einiges zu erzählen: von der Ferne, von ihrer Faszination, vom dem, was man für „exotisch“ hielt und noch hält, von ständigen gegenseitigen Einflussnahmen, vom Weg, den die Dinge zurücklegten, über so berühmte Routen wie die Seidenstraße etwa.

Omer Polak kreierte eine Kollektion nach äthiopischer Handwerkstradition.
Omer Polak kreierte eine Kollektion nach äthiopischer Handwerkstradition.beigestellt

Und bei allen Geschichten steht unter allem eine gemeinsame, wie Alice Liechtenstein meint: „Das Bild vom Osten, das wir haben, ist natürlich ein konstruiertes.“ Darüber müsse man sich bewusst sein, wenn man sich mit den Dingen auseinandersetzt. Oder auch mit Fragen von kultureller Aneignung, die im Vorfeld der Ausstellung natürlich auch emsig diskutiert wurden. „Klar ist, Ost und West existieren nur, wenn sie zusammen existieren“, sagt Liechtenstein. Und das sei auch die Prämisse für alle Projekte gewesen, die die Schau „East to West“ zeigt.

Inspirationsquellen

Eine der Designerinnen ist etwa die Finnin Hanna-Kaisa Korolainen. Ein Bild an der Wand beeindruckte sie besonders, es zeigt ein japanisches Parinirvana, einen sterbenden Buddha, eine Darstellung aus dem 14. Jahrhundert. Fantastische Figuren und Wesen sind darauf zu sehen. Und bald fiel Korolainen auf: Auch das Schloss Hollenegg ist voll davon. Auf Möbeln, an den Wänden. So sammelte die Designerinnen die fantastische Fauna ein, fast wie früher die Adeligen für ihre Menagerien. Nur druckte sie ihren eigenen Zoo auf einen Baldachin, gemeinsam mit Stephanie Klaura von FabricFabrik, den sie dann über ein Bett im Schloss hängte.

Der Finne Tuomas Markunpoika interessierte sich in seinem Projekt „Passage“ hingegen für die Übergänge, vor allem für einen, einen ornamental verzierten Türrahmen. Für den Hof des Schlosses fertigte er eine Kopie davon aus Kunststoff. Auch als Referenz an eine im Osten gebräuchliche Kultur: jene der Kopie. Die Gestaltungspraxis und -kultur in China kennt dabei verschieden Formen. Jene, der man die Kopie auch ansehen darf. Und jene, die genauso hoch geschätzt wird wie das Original. Weil sie so exakt und kunstfertig ausgeführt wurde. 

"East to West"

Ausstellung auf Schloss Hollenegg vom 7. Mai bis 29. Mai, offen für Publikum jeweils samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Führungen auch unter der Woche.www.schlosshollenegg.at