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Ukraine

Alice Schwarzer: „Es gibt eine neue Kriegslust in Europa“

"Wehrhaft" sein, heißt nicht kapitulieren: Alice Schwarzer, Feministin und Pazifistin.(c) Oliver Berg / dpa / picturedesk.com (Oliver Berg)
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Eigentlich kam Alice Schwarzer zur Premiere von Sabine Derflingers Doku-Film über sie nach Wien. Wir aber wollten mit ihr über ihren offenen Brief reden, in dem sie sich mit 27 anderen gegen die Lieferung von Angriffswaffen an die Ukraine aussprach. Und feststellen musste: „Pazifismus ist ein Schimpfwort geworden."

Die Presse: Über 235.000 Menschen haben Ihren offenen Brief innerhalb einer Woche unterschrieben. Warum kam der Brief eigentlich jetzt? Nicht schon vor Wochen? Im zynischen Österreich denkt man gleich an eine Marketingkampagne für den Film.

Alice Schwarzer: Wollen wir doch die Kirche mal im Dorf lassen! Ich hatte ja schon am 8. März einen Kommentar in dem Tenor zum Ukraine-Krieg geschrieben. Als ich dann Dienstag voriger Woche das Zitat des russischen Außenministers las, dass eine nukleare Eskalation sehr real wäre, ist mir doch der Schreck in die Glieder gefahren. Ich habe einen ersten Brief entworfen, Zusagen und Absagen von potenziellen Unterstützern bekommen. Und zwei haben gleich mitformuliert, andere selbst aktiv weitere Unterzeichnerinnen und Unterzeichner geworben. Plötzlich nahm das Fahrt auf, und es kam diese so vielfältige Gruppe zustande, was von ihrer Stärke zeugt.

Peter Weibel, einer dieser Erstunterzeichner, gab gerade in der Zeitung „Der Standard“ an, dass er den Brief initiiert habe.

Das darf er gern. Er gehört zu den 28. Peter Weibel hat mir Wochen zuvor einen Brief geschrieben, mich aufgefordert, etwas zu tun. Er geht wohl davon aus, er habe damit den offenen Brief ausgelöst.

Können Sie kurz die Motivation dahinter erklären?