Arbeitsmarkt

Kurzarbeit und Demografie machen Jobs krisenfester

Der Jobmarkt erholt sich rasant. Auch bei einer Stagflation muss die Arbeitslosigkeit nicht dramatisch steigen.

Wien. Der österreichische Arbeitsmarkt hat die Pandemie hinter sich gelassen – und das deutlich schneller, als es die Experten erwartet haben. 327.000 Menschen waren Ende April arbeitslos oder in einer Schulung des Arbeitsmarktservice (AMS). Das waren um 24,5 Prozent weniger als ein Jahr davor. Die Arbeitslosigkeit ist sogar um neun Prozent niedriger als im April 2019, also vor der Pandemie. Dazu kommt das Rekordhoch bei der Zahl der offenen Stellen. 130.000 Jobs sind beim AMS sofort verfügbar. Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie zuletzt vor 14 Jahren. Gleichzeitig leiden Österreichs Betriebe unter Personalmangel.

Nun ist die Frage, wie eine durch den Krieg oder ein Gasembargo schlechtere Entwicklung der Wirtschaft den Arbeitsmarkt treffen würde. Oder gar eine Stagflation, also eine Rezession samt stark steigenden Preisen. „Das ist eine Prognose unter sehr riskanten Bedingungen“, sagt Helmut Mahringer, Ökonom am Wifo. Ein markanter Rückgang der Produktion und des Bruttoinlandsprodukts würde „sicher auf den Arbeitsmarkt zurückwirken“, sagt er der „Presse“. Gleichzeitig gibt es Faktoren, die dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit auch unter schwierigen Bedingungen nicht dramatisch steigen dürfte. Das Arbeitskräfteangebot steigt nicht mehr so stark wie in den letzten Jahrzehnten. „Das hilft beim Abbau der Arbeitslosigkeit“, sagt Mahringer.

Die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“ gehen in Pension, die nachkommenden Jahrgänge seien deutlich schwächer besetzt. Es gibt also nicht gerade ein Überangebot an Arbeitskräften, was die Unternehmen schmerzlich spüren – Stichwort Arbeitskräftemangel. Die Arbeitskräfte im jungen und im mittleren Alter werden weniger, dafür gibt es mehr ältere. „Das erfordert eine Veränderung der personalpolitischen Strategien“, sagt Mahringer.

Kurzarbeit als neuer Faktor

Sollte es Einschränkungen in der Produktion geben, dann müsse man schon mit Verwerfungen rechnen. Doch der großflächige Einsatz der Kurzarbeit – ehemals ein Instrument für die Industrie – dürfte den Abschwung laut Wifo abfedern. In der Pandemie wurde sie in der Hotellerie, Gastronomie und vielen anderen Branchen genutzt. Regierung und Sozialpartner verhandeln derzeit über ein Kurzarbeitsmodell für die Zeit nach Corona. Bei Produktionsausfällen als Folge des Ukraine-Kriegs dürfte laut Wifo auch in der Industrie wieder Kurzarbeit eingesetzt werden, um qualifiziertes Personal zu halten.

Auch das Institut für Höhere Studien (IHS) spricht sich in seiner aktuellen Konjunkturprognose dafür aus, Betriebe, die unter Lieferkettenproblemen leiden, mit Kurzarbeit zu unterstützen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2022)

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