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Versorgung

„Wir sind in der Mitte der ersten globalen Energiekrise“

Anders als in den 1970er-Jahren sei diesmal nicht nur die Versorgung mit Öl ein Problem, sondern auch mit Gas oder Elektrizität, sagt Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, im Rahmen eines Wien-Besuchs. Österreich sei dabei in einer relativ schwierigen Situation.

Wien. Es sei naiv zu glauben, dass sich die aktuelle Situation mit ungewohnt hohen Energiepreisen in absehbarer Zeit wieder beruhigen werde und wir zu einer Welt der günstigen Energie zurückkehren. So umreißt Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, am Freitagnachmittag die derzeitige Situation anlässlich eines Besuchs in Wien. „Wir sind in der Mitte der ersten globalen Energiekrise.“ Anders als in den 1970er-Jahren sei diesmal nämlich nicht nur Öl, sondern auch Gas oder Strom von Preissprüngen und Versorgungsengpässen betroffen.

„Russland ist der größte Ölexporteur der Welt, der größte Gasexporteur der Welt und ein wichtiger Kohlelieferant“, so Birol weiter. Die Entscheidungen des Kreml und die westlichen Sanktionen als Reaktion darauf hätten daher enorme Auswirkungen auf die Energiemärkte. „Die nächsten Jahre werden nicht einfach werden. Wir müssen auf alles vorbereitet sein.“ Österreich sei dabei in einer relativ schwierigen Situation. „Das Land hat eine sehr hohe Abhängigkeit vom russischen Gas und hat als Binnenland auch nicht die Möglichkeiten anderer Staaten.“

Birol spielt damit auf LNG an – verflüssigtes Erdgas, das per Tanker aus dem arabischen Raum, Afrika oder den USA Richtung Europa kommen soll. Wenngleich er diverse Aussagen aus der europäischen Politik zurechtrückt: „Viele tun so, als ob es unendlich viel LNG gebe. Das stimmt aber nicht. Die Konkurrenz um die vorhandenen Ressourcen wird sehr hoch sein, und der Bau der dafür notwendigen Infrastruktur dauert mehrere Jahre.“

Grundsätzlich sieht er die österreichischen Pläne zur Unabhängigkeit von russischem Gas – etwa von der Österreichischen Energieagentur, „Die Presse“ berichtete – jedoch positiv, auch wenn es hierbei noch Lücken bei den zukünftigen Lieferanten gibt. Manches davon werde auch mit mehr Effizienz oder noch mehr Erneuerbaren zu stopfen sein. „Ich bin mir aber sicher, dass Österreich auch neue Lieferanten finden wird.“

 

Österreich setzt auf EU-Plan

Die für Energie zuständige Ministerin, Leonore Gewessler, verweist in diesem Zusammenhang auf den „Repower“-Plan der EU. Mit diesem sei eine gemeinsame Beschaffung aller EU-Staaten geplant. „Dadurch überbieten wir uns nicht gegenseitig und nutzen die Infrastruktur zusammen besser.“ Österreich bringe sich hierbei intensiv ein und habe auch große Mengen angemeldet. „Wir werden nicht die gesamte Menge bekommen, aber das gemeinsame Vorgehen ist hier der beste Weg.“

Allerdings ersetze das nicht sämtliche nationalen Aktivitäten. Hier sei man über die OMV stark an zusätzlichen Gasmengen aus Norwegen dran. Zudem versuche man künftig auch vermehrt, Gas über Italien zu bekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2022)