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Mein Montag

Warum ist ausgerechnet die Leberwurst beleidigt?

Das ist eine Blutwurst - die Leberwurst ist nämlich schon wieder beleidigt.
Das ist eine Blutwurst - die Leberwurst ist nämlich schon wieder beleidigt.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Reden wir über ein Organ, das sich so häufig in seinen Gefühlen verletzt sieht. Und über Wurst.

Für diese Redensart werden wir beneidet. Die „offended liverwurst“ war in den vergangenen Tagen häufig in englischsprachigen Portalen zu finden, gemünzt auf Olaf Scholz – der deutsche Bundeskanzler wurde vom ukrainischen Botschafter als beleidigte Leberwurst bezeichnet. Weil dieser nämlich nicht nach Kiew reisen wollte, da die Ukraine den deutschen Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier, ausgeladen hatte. Eine „salsiccia di fegato offesa“, wie italienische Medien berichteten, eine „saucisse de foie offensée“ in der französischen Berichterstattung oder „loukkaantunut maksamakkara“ in Finnland – wobei immer erklärt werden musste, was die Redewendung überhaupt bedeutet.

Aber wissen wir eigentlich, warum ausgerechnet die Leberwurst sich so häufig in ihren Gefühlen verletzt sieht? Nun, das hat wohl damit zu tun, dass die Leber in der Säftelehre als Sitz der gelben Galle galt, das Organ wurde als so etwas wie der Sitz des Zornes betrachtet. Daher rührt auch die Redensart, dass man etwas frei von der Leber weg sagt – also seinen Ärger herausredet und damit die Leber von der aufgespeicherten Galle erleichtert. Die Leber ließ sich auch als Sitz des Gewissens deuten, wenn jemand etwas auf der Leber hat, die Person also eine Schuld drückt. Daraus entwickelte sich mit der Zeit die spottende Redewendung, dass jemand die gekränkte Leberwurst spielt. Wobei die Wurst wohl erst später dazukam, als die angebliche Bedeutung der Leber in Vergessenheit geriet. Im Nachhinein wurde auch eine volksetymologische Erzählung gefunden, die die Entstehung erklären soll. Weil nämlich die Blutwurst vor ihr aus dem Wurstkessel geholt wurde, sei die Leberwurst aus Ärger vor ihrer Zurücksetzung geplatzt.
Übrigens, falls Sie sich von dieser Kolumne beleidigt fühlen: Es ist mir wurst, und das ganz ohne Leber. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com