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Reportage

Nitschs Begräbnis, „doch ein Fest“

Durch die Alle zum Schloss Prinzendorf: Der Leichenzug Hermann Nitschs, angeführt von Pater Friedhelm Mennekes.
Durch die Alle zum Schloss Prinzendorf: Der Leichenzug Hermann Nitschs, angeführt von Pater Friedhelm Mennekes.APA/TOBIAS STEINMAUERER
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Samstag wurde in Prinzendorf der Aktionist Hermann Nitsch zu Grabe getragen. Präzise inszeniert von Pater Mennekes.

Es war wie ein dunkles Willkommen, die Rufe der Pfaue von Schloss Prinzendorf, die den stillen, langen Zug begrüßten, der sich Samstagnachmittag durch die schmale, sattgrüne Baumallee hinaufschob. Hinauf von der dörflichen Pfarrkirche zur schlichten Gruft im Schlosspark, zur einzig denkbaren Ruhestätte für Hermann Nitsch, der diesen Zauberflecken im Weinviertel zu seinem Bayreuth gemacht hat, seiner Lebenswirkstätte, der auch grausam schönen Arena seines Orgien-Mysterien-Theaters. Hier ging er also in die Kunstgeschichte ein und 150 seiner engsten Freunde, Sammler, Mitarbeiter, Galeristen, Kollegen aus aller Welt mit ihm, Witwe Rita, Sohn Leo, Sammler Giuseppe Morra, Agnes und Karlheinz Essl, Künstler Erwin Wurm, der NÖ-Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll u. v. m.

Drei Dutzend von ihnen trugen schwer das mächtige hölzerne Gestell an der Spitze der Prozession: Auf der üppig mit Blumengirlanden umwundenen Trage, auf der sonst der kultische Höhepunkt des OM-Theaters hereingeschoben wird, der geschlachtete Stier, Sinnbild von Urexzess, von der Kraft des Seins, seines ewigen Werdens und Vergehens, ruhte diesmal der schlichte Holzsarg. Am 18. April war der Wiener Aktionist nach Monaten des Dahinvegetierens gestorben; geschuldet den Folgen einer Entzündung, vermutlich ausgerechnet von den Farben hervorgerufen, mit denen er malte.