Zell am See-Kaprun. Tiefschnee lockt oben am Kitzsteinhorn, Warmwasser unten im neuen Tauern Spa.
Wenn am Abend die Sonne über den weißen Gipfeln versinkt, dann ist der begehrteste Ort im Tauern Spa der Spitz im gläsernen Außenpool. Jeder hat es ein bisschen auf diesen Logenplatz abgesehen – jeder, der Hotelgast in dem Viersternehaus ist, das einen Teil der großen, neuen Anlage zwischen Kaprun und Zell am See besetzt. Angesichts des abendroten Kitzsteinhorns zeigen sich da die Badenden bemerkenswert sprachlos, nicht wenige romantisch angewandelt. Klar, wenn in dieser blauen Stunde das Wasser noch türkiser schimmert als tagsüber.
Dass dieser spektakuläre Infinity-Pool zuoberst auf dem Hoteltrakt des Tauern Spa landen konnte, war keine leichte Übung. Für die Konstruktion des gläsernen Beckens musste in Österreich erst einmal jemand gefunden werden, erzählen Udo F. Schuster und Peter Todorov von skyline-architekten. Experten, die für das Haus des Meeres in Wien Aquarien planten, konnten die Aufgabe lösen. Und so tanzen die Gäste hoch über dem Pinzgauer Talgrund wie Seepferdchen durch 36 Grad warmes Wasser, während eiskalte Winterluft über ihren Köpfen dampft.
Atoll am Alpenhauptkamm
Insgesamt kommt der Meeresvergleich mit der Architektur nicht von ungefähr. Dieser Bau gleicht einem Atoll: Er beschreibt einen Ring, der flach und breit beginnt, langsam ansteigt, schmal, spitz, hoch hinausragend endet und in der Mitte einen großen Grünraum einschließt. In dem breiten Teil, ganz dem „Kitz“ und der Burg Kaprun zugewandt, befinden sich die öffentlichen Bereiche des Spa, das Zeug zur Therme hätte.
Den Gast kümmern derlei Attribute nicht, er genießt die verschiedenen Becken, die zahlreichen Saunen und die alpin angehauchten Treatments (Arnika, Gletschereis, Steine!) im Behandlungsbereich. Der Wasser- und Sauna-, der Kinder- und Ruhebereich können, was gute Thermen können müssen. Der wahre Unterschied liegt im Ambiente drinnen, in der Umgebung draußen. Es galt, erzählen skyline-architekten, Räume zu schaffen, die dem Gast vermitteln, nicht einer unter vielen zu sein.
Das Resultat sind locker-luftig, ja heiter wirkende Räume auf verschiedenen Ebenen. Intensiv hätten sie auch daran gearbeitet, das Licht bis in den hintersten Bereich (aber wo in einer Spirale ist schon hinten?) zu leiten. „Wie steht die Sonne?“ war eine der wichtigsten Fragen.
Edler Rauriser Marmor kommt an vielen Stellen zum Einsatz, weiß in der Hotellobby, grau an den hohen Kaminen. Die hellen, erdigen Farben in der Innenraumgestaltung (skyline und Arkan Zeytinoglu) vermitteln eine Atmosphäre, die cool, aber nicht kühl anmutet. Baumstämme, Steine sagen dem Gast, dass er sich mitten in den Alpen befindet. Auch das markante Dach ist so ein Beispiel – holzverschalt und weit auskragend. Sollen die Nordwestwinde doch die Salzach herunterwehen.
Der Hero des Tauern Spa ist nicht zuletzt die Kulisse. Rundum traumhafte Gipfel. Deswegen bieten sich dem Hotelgast auch etliche „Expeditionen“ nach draußen – zu Skiausflügen aufs „Kitz“ und sommers in den Nationalpark Hohe Tauern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2010)