Zentral- und Osteuropa. Die Karrierechancen in der Region sind noch immer gut, allerdings haben sich die Rahmenbedingungen geändert. von Nikolaus koller
Wie wird es mit der CEE-Region in den nächsten Jahren weitergehen? „Der Raum wird im nächsten Konjunkturzyklus nach wie vor eine Wachstumsregion bleiben“, zitiert Rupert Petry, Managing Partner von Roland Berger Strategy Consultants, eine neue Studie des Strategieberaters (siehe Beitrag rechts): „Allerdings wird die CEE-Region nicht mehr so stark wachsen wie andere Länder der Erde.“ Durch diese Verschiebung der Potenziale werde es auch zu Änderungen in den in diesem Raum engagierten Unternehmen kommen. „Natürlich trifft diese Entwicklung auch den HR-Bereich“, ist sich Petry sicher.
Die Region habe sich in den letzten Jahren gewandelt. „Die kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern sind nicht mehr so groß wie früher“, sagt Ursula Kuntner-Schweickhardt, Head of HR Development & Recruiting bei der Erste Group. Vor allem auf Managementebene haben sich die regionalen Gepflogenheiten stark angeglichen. Der „Stiefkind-Charakter“, an dem der Raum lange gelitten habe, scheine langsam wegzufallen, ist sich Arnold Schuh, Direktor des Competence Center CEE an der WU Wien (siehe Info-Box) sicher. Noch immer nennen viele Berufseinsteiger eher westliche Metropolen als Wunschdestinationen für ihre Karriere. Allerdings: „Der mentale eiserne Vorhang ist noch da, wird aber schwächer“, bestätigt Schuh.
Know-how-Transfer
Viel lieber tummeln sich dafür Bewerber aus der Region in anderen CEE-Städten. Während früher ein Auslandsengagement eher in das Headquarter nach Wien führte, würden Bewerber nun auch zwischen den Ländern in dem Raum wechseln, weiß Tina Humer zu berichten. Sie ist bei Henkel CEE für Recruiting & Personnel Marketing zuständig. „Damit kommt es zu einem Know-how-Transfer innerhalb der Region.“
Allerdings, so die HR-Expertin, würden die Bewerber ihre Auslandsengagements im Gegensatz zu früher lieber auf einige Jahre begrenzen. „Wir stellen in Zentraleuropa einen Rückgang der Mobilitätsbereitschaft fest“, schlägt Kuntner-Schweickhardt in dieselbe Kerbe: „Die Jungen wollen oft wieder in ihr Heimatland zurück.“ Vor allem die Krise habe Werte wie Familie wieder ins Zentrum rücken lassen – die Bedeutung von Karriere und Beruf sei zurückgegangen. Ähnlich sieht die Situation auch Petry. Während früher vor allem Kandidaten aus dem CEE-Raum dafür bekannt waren, zu wirtschaftlichen „Highflyern“ zu gehen und eine hohe Remuneration zu erwarten, würden sie sich nun verstärkt zu etablierten Arbeitgebermarken hingezogen fühlen, die auch Sicherheit vermitteln.
Chancen für Österreicher
Die Frage, ob die Bedeutung österreichischer Manager in der Region abgenommen habe, wird einhellig bejaht. „Das kann ich auch für unser Haus bestätigen“, sagt Kuntner-Schweickhardt. „Unsere Ländermärkte sind sicherlich eigenständiger geworden“, ergänzt Humer. Die zunehmend reifen Märkte in der Region würden die Bedeutung des regionalen Headquarters im kleinen Österreich schon einmal infrage stellen, sagt Petry. Generell sei die Region allerdings noch immer einer der typischen Karriere-Biotope für heimische Manager. Diese würden aber Sprachkenntnisse, interkulturelle Fähigkeiten und geschichtliches Wissen über das Land benötigen, in dem sie beruflich reüssieren wollen, betont Schuh.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2010)