Vergangenes Jahr war ein Rekordjahr für die Börse in Tallinn, die seit 2008 von Nasdaq betrieben wird. Der Krieg sollte am rasanten Wachstum nichts ändern, ist ihr Chef, Kaarel Ots, zuversichtlich. Ein Gespräch über den Finanzplatz Estland.
Die Presse: Trübt der Krieg die Investitionsfreudigkeit in Estland?
Kaarel Ots: Was man in den Medien liest, könnte es so sein. Ich sehe das nicht wirklich. Und ich sehe auch nicht, warum man jetzt nicht an der Börse in Tallinn investieren sollte. Estland ist seit den 1990er-Jahren unabhängig und seit 2004 in der Nato. Wer aus dem Angriff auf die Ukraine schließt, dass das Baltikum als Nächstes dran sein wird, macht es sich zu einfach. Der estnische Aktienmarkt stand noch nie so gut da wie heute.
2021 war ein Rekordjahr …
… nur Abu Dhabi hat im vergangenen Jahr noch besser abgeschnitten als Tallinn. Bei der Rentabilität lag Tallinn weltweit auf den vordersten Rängen, der Index hat um mehr als 48 Prozent zugelegt. Wir hatten eine Rekordzahl an Börsengängen, darunter auch einen sehr großen. Inzwischen sind 28 Unternehmen gelistet, Ende des laufenden Jahres könnten es bereits 35 oder 36 sein. Auch die Zahl der Investoren wuchs im vergangenen Jahr stark.

Woran liegt das? Sind die Menschen in Estland kapitalmarktaffin?