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Wirtschaftsgeschichte

Welche Zinswende? Die realen Zinsen sinken seit vielen Jahrhunderten

Zinsen lassen sich nominal über Millennia rekonstruieren, ab der Renaissance sind auch reale Zinsen messbar.(c) Getty Images (Heritage Images)
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Es gibt viele beliebte Theorien, warum die Zinsen seit den 1980er-Jahren sinken. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Nahezu alle sind falsch. Die realen Zinsen sinken, seit sie sich messen lassen. Also seit der Renaissance.

Als Paul Volcker 1979 sein Amt als Chef der US-Notenbank antrat, lag die Inflation bei mehr als 14 Prozent. Um die Preisschocks der späten 1970er-Jahre abzufedern und die Inflationserwartungen zu dämpfen, hob der legendäre Fed-Chef den Zinssatz auf mehr als 20 Prozent. Was folgte, war eine Rezession, aber die Inflation flaute ab und lag 1983 unter drei Prozent. Doch was in den Jahrzehnten danach passierte, bereitet Ökonomen bis heute Kopfzerbrechen. Es galt als ausgemacht, dass auch der nominale Zins sich irgendwo zwischen drei und fünf Prozent einpendeln würde.

Die Finanzwissenschaft ging nämlich davon aus, dass es in entwickelten Volkswirtschaften so etwas wie einen natürlichen Zins gibt, der irgendwo in diesem Intervall liegt und den Notenbanken abzubilden versuchen. Aber die Zinsen verharrten nicht auf drei bis fünf Prozent, sondern fielen weiter und weiter. Im Zuge der Finanzkrise später sogar unter null. Bis dahin galt das theoretisch als unmöglich.