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Wegen Mordes angeklagt - aber wo ist die Tote?

Der nunmehrige Witwer, der vor knapp 17 Jahren seine Frau auf bis heute unbekannte Art ermordet haben soll, bekannte sich am Montag nicht schuldig.
Der nunmehrige Witwer, der vor knapp 17 Jahren seine Frau auf bis heute unbekannte Art ermordet haben soll, bekannte sich am Montag nicht schuldig.APA/Georg Hochmuth
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17 Jahre nach der Tat steht Heinrich G. (65) vor den Geschworenen. Er soll 2005 seine scheidungswillige Frau ermordet haben. Sterbliche Überreste wurden bis heute nicht gefunden.

Das Zuschauerinteresse ist groß. Daran ändert auch die noch immer geltende Maskenpflicht nichts. Worte wie „unglaublich“, „filmreif“ oder „außergewöhnlich“ fallen. Montag im Straflandesgericht Wien: Heinrich G. (65) steht wegen Mordes an seiner 18 Jahre jüngeren Frau vor den Geschworenen. Das Besondere: Die Bluttat (wenn es eine war) liegt bald 17 Jahre zurück. Die Tote ist bis heute nicht gefunden worden. Auch die Todesart ist unbekannt.

Aber es müsse Mord gewesen sein. Dafür spreche eine „geschlossene Indizienkette“. Eine andere Erklärung für das Verschwinden der damals 31-jährigen Architektin gebe es nicht, schärft Staatsanwältin Julia Kalmar den Geschworenen ein.

Tot? „Niemand weiß es!“

G., der seit dem Vorliegen einer offiziellen Todeserklärung als Witwer gilt, will aber kein Mörder sein. Und liefert eine (fast zu) logisch klingende Erklärung, auf die Frage von Richterin Claudia Zöllner, ob er denn meine, dass seine Frau noch lebe: „So lange ich nicht weiß, ob sie tot ist, weiß ich das nicht. Ich weiß zu hundert Prozent, dass niemand weiß, ob sie tot ist.“ Damit spielt G. darauf an, dass trotz großer Suchaktionen eben bis heute keine sterblichen Überreste entdeckt werden konnten.

Verteidiger Thomas Reissmann nennt die Anklage „manipulativ“. Er erinnert daran, dass das Verfahren gegen G. bereits kurz nach der Tat eröffnet und nach einiger Zeit eingestellt worden ist. Und: „Es gibt kein Mordmotiv.“

Tatsächlich wurde der ungelöste Fall, an dem sich die Ermittler die Zähne ausbissen zu den Akten gelegt. Erst Cold-Case-Spezialisten des Bundeskriminalamts lieferten Jahre nach dem Verschwinden der Frau neue Indizien. Daraufhin kam G. zum zweiten Mal in U-Haft – aus dieser wird der Pensionist am Montag vorgeführt.

Was ist am Tattag, am 6. Dezember 2005 geschehen? Hiezu gibt es naturgemäß nur die Version des Angeklagten, eines Mannes, der eine Tischlerlehre machte, dann Bus- und LKW-Fahrer wurde. Seine Frau, die kurz zuvor die Scheidung eingereicht und sich eine neue Bleibe gesucht hatte, sei mit dem gemeinsamen Kind, einem zweieinhalb Jahre alten Mädchen, in alte, die gemeinsame Wohnung gekommen. Sie habe sich noch einige ihrer Sachen abholen wollen.

Am späten Nachmittag habe sie plötzlich gemeint, sie wolle noch trainieren gehen. Dazu muss man wissen, dass G. und seine Frau erfolgreiche Ruderer waren. Ob die Frau tatsächlich in den Ruderverein gegangen sei, wisse er aber nicht, so G. Er habe auf die Kleine aufgepasst. Dann sei die Frau zurückgekommen, eine Person, die ihr – angeblich, laut Angaben der Frau – versprochen habe, sie von der ehelichen Wohnung abzuholen, sei aber nicht erschienen. Das habe die Frau geärgert. Daraufhin sei sie alleine weggefahren. Das Kind sei bei ihm geblieben. In der Früh seien zwei SMS von der Frau gekommen. Darin klagte die Frau etwa über das Scheitern der Ehe.

Zwei verdächtige SMS

Schließlich sei seine Frau an diesem Morgen erneut zu ihm gekommen, habe ihre Sachen geholt. Und sei dann in einen dunklen Kombi zugestiegen. Die Tochter blieb zurück, da die Frau angeblich alleine in die Freizeit wollte.

Was an dem so geschilderten Ablauf der Dinge stört: Im Ruderklub hieß es, die Frau sei nicht dagewesen. Und die beiden SMS wurden laut Peilung im Sendebereich der Wohnung des Mannes abgeschickt. Die neue Wohnung der Frau (naheliegenderweise hat diese die Nacht dort verbracht) lag aber in einem anderen Gebiet.

Laut Anklage tötete der Mann die Frau noch am 6. Dezember, tippte dann die SMS in deren Handy ein, um so zu tun, als habe die Frau lebend die Wohnung verlassen und sich später gemeldet. Einen Tag später kaufte G. Baufolie, Beton und Bitumenanstrich. Um die Leiche verschwinden zu lassen, wie die Anklage annimmt. Um einen Gartenweg anzulegen, sagt der Angeklagte. Dann fand die Polizei eine Blutspur im Wohnzimmer des Mannes. Diese wies die DNA-Merkmale von G. und seiner Frau auf. Letztere habe sich einmal an der Hand verletzt, er habe sie verarztet, erzählt der Angeklagte.

Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.