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Kunst berührt. Aber berührt sie bloß nicht!

Eine Touristin „umarmt“ versehentlich einen heiligen Franz, andere grapschen dreist. Über die heimliche Sehnsucht, Kunstwerken nah zu sein.

Wurde die Dame aus Kanada von einem harmlosen Unwohlsein befallen, wie sie selbst beteuert? Oder ist das Stendhal-Syndrom zu diagnostizieren, das schwärmerische Menschen im Angesicht großer Kunst befällt – so wie den französischen Autor, der in Florenz „in eine Art Ekstase“ samt „starkem Herzklopfen“ verfiel, sodass er „fürchtete umzufallen“? Oder aber ist die Unglückselige, wie italienische Zeitungen beargwöhnen, über die tückischen Eisenschwellen am Boden gestolpert? Jedenfalls umarmte und verletzte sie im Fallen einen heiligen Franziskus von Guido Reni, beim Besuch der Galleria Borghese in Rom.

Die Wunde ist drei Zentimeter lang. Angesichts der Stigmata, die Franz auf dem Bild erhält, für ihn sicher zu verschmerzen. Und auch für die heilenden Restauratoren kein großer Auftrag. Eben deshalb erwärmt die immense mediale Aufmerksamkeit für das marginal angekratzte kulturelle Erbe unser Gemüt. Bravo, bella Italia!