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Einkaufssamstag: Vom Internet in die Einkaufsstraße

Einkaufssamstag Internet Einkaufsstrasse
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Geschätzte 700.000 Personen werden heute die Einkaufsstraßen stürmen. Neuester Trend: Im Internet wird entschieden, in welchen kleinen Design-Shops für Weihnachten eingekauft wird.

Wien. Die Regale sind gefüllt, die Verkäufer haben sich mental für den Massenansturm gerüstet, die CDs mit „Last Christmas“ und „Little Drummer Boy“ werden in die Musikanlagen der Geschäfte geschoben, während der Geruch von Punsch durch die Straßen zieht: 700.000 machen den heutigen ersten Weihnachts-Einkaufssamstag zum Großkampftag in den Wiener Einkaufsstraßen. Hier die Trends, Aufsteiger und Geheimtipps des anlaufenden Weihnachtsgeschäfts: •Internetauftritt entscheidet über das Weihnachtsgeschäft. Das Internet gräbt den Einkaufsstraßen nicht das Geschäft ab. Aber wer keine kreative Internetseite hat, hat schon verloren. „Viele wissen, welche Weihnachtsgeschenke sie kaufen wollen und suchen das passende Geschäft dazu im Internet“, erklärt der Wiener Handelsobmann Erwin Pellet: „In den vergangenen zwei Jahren ist die kreative Gestaltung der Homepage für die Kunden immer wichtiger geworden. Sie ist so wichtig wie ein sauberes, kreativ gestaltetes Schaufenster.“ Dabei gehe es nicht nur um Produktinformationen im Internet, sondern um den Aufbau persönlicher Beziehungen: Wenn die Homepage Fotos der Mitarbeiter zeigt, hat der Käufer damit eine Bezugsperson, sobald er ins Geschäft kommt. Pellet: „Damit fällt für den erstmaligen Besuch eine gewisse Schwellenangst weg.“
•Große Einkaufsstraßen gewinnen, kleine verlieren.
Ein Trend ist im Weihnachtsgeschäft zu bemerken: Frequenzbringer wie die Mariahilfer Straße und das „goldeneU“ (die Luxus-Einkaufsstraßen Kärntner Straße/Graben/Kohlmarkt) boomen, während das Geschäft in den Nebenlagen auch im Weihnachtsgeschäft flau läuft. Doch es gibt Ausnahmen. Überall in Wien entstehen kleine Grätzel, die dank kreativer Designer einen Aufschwung erleben.
•Kreative Design-Meilen und „Leuchtturmprojekte“ boomen.
Als Geheimtipp gilt das Freihausviertel (4. Bezirk), das dank kreativer Shops einen gewaltigen Aufschwung erlebt hat. Auch die Gumpendorfer Straße hat sich zu einer Möbelmeile für Designmöbel entwickelt.

Neben dem Gebiet rund um das Museumsquartier und den Spittelberg im Kreativbezirk Neubau boomen auch die Gassen rund um den Naschmarkt. Dort wird vor allem asiatisches Geschirr (z.B. Reiskocher) angeboten. Die Taborstraße mit dem im Dezember eröffnenden „Stilwerk“ (Design- und Lifestyle-Einrichtungen für zu Hause) wird den bereits florierenden Karmelitermarkt zusätzlich aufwerten und weitere Geschäfte anziehen.

Dann wäre da noch das Gebiet rund um den Hannovermarkt (20.Bezirk), der sich laut Handelsobmann Pellet langsam zu einem kleinen Naschmarkt entwickelt: „Es ist ein lebendiger Markt mit zahlreichen interessanten orientalischen Geschäften.“ Von türkischer bis zu indischer Ware sei dort alles zu finden. Als weiterer Geheimtipp gilt laut Pellet die Obkirchergasse, in die der Sonnbergmarkt eingebettet ist. Fischhandel, ein ausgewogener Branchenmix und der florierende Markt würden den Reiz der Obkirchergasse ausmachen, so Pellet, der festhält: Generell seien attraktive Märkte ein wichtiger Motor für die Einkaufsstraßen. Das betrifft nicht nur den Naschmarkt, sondern im Weihnachtsgeschäft auch die Adventmärkte. „Wer dort einen Punsch trinkt, kommt auch bei den angrenzenden Geschäften vorbei“, ist der Spartenobmann der Wirtschaftskammer Wien überzeugt: „Beim Besuch der Märkte werden Geschenke in den Schaufenstern gesehen – diese Geschenke werden später dann oft auch gekauft.“

Ähnliches gilt für den Meidlinger Markt, der für sein Lammfleisch bekannt ist. Pellet: „Die Konsumenten informieren sich im Internet. Und wenn ihnen etwas gefällt, sind sie auch bereit, dafür einige Kilometer quer durch Wien zu fahren.“

In Zahlen: Die Wiener Einkaufsstraßen

Rund 700.000 Wiener und Touristen werden am heutigen Samstag, dem ersten langen Einkaufssamstag im Weihnachtsgeschäft, in den Wiener Einkaufsstraßen erwartet. Jährlich werden dort von rund 10.000 Geschäften etwa 9,5 Milliarden Euro umgesetzt. Insgesamt bietet der Wiener Einzelhandel seine Waren auf einer Fläche von 2,4 Millionen Quadratmetern an. Seit 2003 ist die Verkaufsfläche der innerstädtischen Einkaufsstraßen um acht Prozent auf 718.000 Quadratmeter gestiegen. Die größten Zuwächse haben dabei die Mariahilfer Straße und die Innenstadt verzeichnet, während die Zahl der Geschäftslokale in ganz Wien um acht Prozent gesunken ist. Parallel dazu dominieren immer mehr Ketten das Aussehen der Einkaufsstraßen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2010)