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195 Mio. Dollar

Warhols durchschossene Marilyn ist teuerstes Kunstwerk des 20. Jahrhunderts

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Andy Warhols "Shot Sage Blue Marilyn": Das Loch in der Stirn wurde repariert, das Besondere blieb(c) APA/AFP (ANGELA WEISS)
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Marilyn Monroe auf blauem Hintergrund brachte 195 Millionen Dollar ein. Das Bild stammt aus der Sammlung eines Schweizer Geschwisterpaares und hat eine bewegte Geschichte: Eine Künstlerin schoss darauf.

Nur vier Minuten dauerte es, bis der Preis bei 195 Millionen Dollar stehen blieb: Diese Summe zahlte ein ungenannter Kunstsammler für Andy Warhols "Shot Sage Blue Marilyn", das am Montagabend beim Auktionshaus Christie's versteigert wurde. Damit blieb der Siebdruck von 1964 zwar knapp unter dem Schätzpreis von 200 Millionen Dollar, erzielte aber dennoch einen Rekord: Kein Kunstwerk des 20. Jahrhunderts hat einen höheren Preis erzielt. Den Rekord hatte bisher Pablo Picassos "Die Frauen von Algier" inne, das 2015 für 179,4 Millionen Dollar versteigert wurde.

Bei Christie's überschlug man sich im Vorfeld der Auktion freilich mit Superlativen: "Shot Sage Blue Marilyn" sei "eines der großartigsten Gemälde aller Zeiten" und "das bedeutendste Bild des 20. Jahrhunderts, das in dieser Generation versteigert wird", ließ Alex Rotter, bei Christie's zuständig für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, wissen.

Ob sie die Bilder "schießen" dürfe, fragte sie 

Das Bild ist extrem bekannt – und seine Besonderheit liegt nicht nur am Sujet, sondern auch an einer Künstlerin: Dorothy Podber, jener Frau, auf die das Wort "shot" im Titel hinweist. Warhol fertigte die Marilyn-Bilderserie 1964, zwei Jahre nach dem Tod der Schauspielerin an. Kurz darauf besuchte die Performance-Künstlerin Podber ihn in seinem Atelier. Ob sie die Bilder "schießen" (shoot) dürfe, fragte sie Warhol. Dieser dachte, sie wolle sie fotografieren und willigte ein.

Podber nahm aber tatsächlich einen Revolver und schoss auf den Bilderstapel - die vier Drucke von Marilyn Monroe. Eines vor rotem, eines vor orangem, eines vor türkisem und eben jenes vor blauem Hintergrund, das nun versteigert wurde. Das Loch in Marilyns Stirn wurde repariert, aber Podber wurde aus Warhols Factory verbannt. Ihre Aktion hat den Bildern nicht geschadet, im Gegenteil: Der Durchschuss macht die Drucke zu etwas Besonderem.

Sammler Ammann vermachte es seiner Schwester

"Shot Sage Blue Marilyn" stammt aus der Stiftung Thomas und Doris Ammann in Zürich. Der Kunsthändler Thomas Ammann war ein Freund und Förderer Warhols. Das Marilyn-Porträt erwarb er in 1980er-Jahren. Kaufpreis unbekannt.

Als Ammann 1993 mit 43 Jahren starb, vermachte er die Sammlung seiner Schwester Doris. Diese führte sie weiter. Bei ihrem Tod 2021 verfügte die 76-Jährige, dass die Sammlung rasch verkauft werden soll. Die Geschwister waren kinderlos. Der Erlös aus der Versteigerung soll wohltätigen Zwecken zugute kommen.

Nur "Salvator Mundi“ brachte mehr Geld ein

Mehr als "Shot Sage Blue Marilyn" hat bei einer Auktion bisher nur das Leonardo Da Vinci zugeschriebene Gemälde "Salvator Mundi" eingebracht, das 2017 für 450,3 Millionen Dollar versteigert und damit zum teuersten je bei einer Auktion verkauften Kunstwerk geworden war.

Der Preis für den Warhol soll nur der Anfang sein für eine Woche voller Rekorde sein: Rund zwei Wochen lang wollen danach die Platzhirschen Christie's und Sotheby's, aber auch kleinere Auktionshäuser, weitere Rekorde purzeln lassen. Christie's schwärmt schon im Voraus von seiner "bisher besten Saison" und Sotheby's hat dafür unter anderem den zweiten Teil der Sammlung Macklowe im Angebot. Deren erster Teil hat bei den Herbstauktionen im vergangenen Jahr Rekorde gebracht - mit Werken von Gerhard Richter, Mark Rothko, Sigmar Polke und Willem de Kooning.

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Picassos "Femme nue couchée" soll 60 Millionen Dollar einbringen(c) APA/AFP (NIKLAS HALLE´N)

Daneben verspricht sich Sotheby's viel vom Bild "Femme nue couchée" von Pablo Picasso aus dem Jahr 1932, das mehr als 60 Millionen Dollar einbringen könnte, und von einem Venedig-Bild des französischen Malers Claude Monet (1840-1926), das auf um die 50 Millionen Dollar geschätzt wird.

Durchschnitts-Schätzwert bei 6,2 Millionen Dollar

"Wir freuen uns auf eine weitere Milliarden-Verkaufswoche", sagte Brooke Lampley, Managerin bei Sotheby's, bei einer Vorbesichtigung des Angebots. "Es wird eine der größten Auktionsreihen in unserer Geschichte." Die Nachfrage bei Verkäufern und Käufern sei sehr groß. Der Durchschnitts-Schätzwert für die Kunstwerke im Angebot betrage 6,2 Millionen Dollar, 21 Werke würden auf mehr als 10 Millionen Dollar geschätzt.

Bei den vergangenen Herbstversteigerungen habe das Auktionshaus mit 1,3 Milliarden Dollar einen Rekord aufgestellt - und man hoffe, den diesmal noch übertreffen zu können. Die Vorab-Schätzungen seien schon einmal die höchsten seit 2015, so Lampley: "Das ist ein echtes Zeichen für das anhaltende und noch zunehmende Vertrauen in den Kunstmarkt auf dem Weg aus der Pandemie heraus."

(APA/dpa/Red.)