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Morgenglosse

Raus mit den Frauen in der ÖVP!

Nun haben wieder die Herren aus Ober- und Niederösterreich das Sagen in der Volkspartei. Die öffentliche Kritik daran ist aber heuchlerisch.

Bemerkenswert ist sie einmal mehr, die Doppelzüngigkeit der Kritik an der nun wieder männlicheren ÖVP-Spitze. Denn während beklagt wird, dass zwei Ministerinnen mit Männern ersetzt werden, wird quasi jede, die in der ÖVP etwas wird, auf linksgeneigten Social Media von Tag 1 mit Spott und Häme belegt. Auch der Umstand, dass im mächtigen ÖVP-Generalsekretariat aktuell eine 27-jährige Frau sitzt, wird von vielen der ach-so-feministischen Kommentatoren alles anderes als positiv gesehen. Im Gegenteil: Sie sind tagein, tagaus damit beschäftigt, Laura Sachslehner mit misogynen, sexistischen Memes und Gifs zu überschütten. Sie ist seit Tagen parteiintern und -extern quasi zum Abschuss freigegeben.

Mag durchaus sein, dass Sachslehner als ÖVP-Generalsekretärin aktuell keinen guten Job macht. Das allerdings trifft auf viele Nationalratspräsidenten und Landeshauptmänner ebenfalls zu, die sich seit dem Rückzug der „Kurzianerinnen“ - auch aus der zweiten und dritten Reihe - wieder seelenruhig in Stellung bringen konnten. Die altgedienten Herren aus Oberösterreich und Niederösterreich sind es nämlich, die an Sachslehners Stuhl sägen. Wohl solange, bis auch sie durch einen der Ihren ersetzt wird. Nach dem Parteitag, heißt es, soll ihr zumindest „Unterstützung“ zur Seite gestellt werden. Die Frage, woher der ÖVP-interne Backlash denn kommt, den viele derzeit so lautstark bekritteln, ist damit beantwortet.

Er ist auch eine Folge der permanenten Abwertung der (jungen) ÖVP-Frauen, die zwar teils auf offensichtlicher Inkompetenz basiert, vielfach aber auch einfach bloß sexistisch ist. Dass so die ÖVP frauenpolitisch moderner wird, darf bezweifelt werden. Die zünftige Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm passt dazu gut ins Bild. Die 27-Jährige gefällt sich auf Social Media zwischen Maibäumen, Stammtischen, „Musiprob'“ und peilt bis 30 das Package aus Kind, gebautem Haus und gepflanzten Baum an. Nun erhält sie zusätzliche Agenden und gilt als parteiinterne Zukunftshoffnung. Bleibt zu hoffen, dass mit ihr der Feminismus in der ÖVP ebenfalls eine Zukunft hat.