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Todesserie

Selbstmord, Krötengift? Immer mehr mysteriöse Todesfälle russischer Oligarchen

Der russische Ölmagnat Alexander Subbotin soll nach einem Besuch bei einem Schamanen gestorben sein.
Der russische Ölmagnat Alexander Subbotin soll nach einem Besuch bei einem Schamanen gestorben sein.Imago
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Seit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar häufen sich die Todesfälle russischer Oligarchen. Sie standen meist Wladimir Putin nahe - und sie waren in den höchsten Kreisen der russischen Öl- und Gasindustrie tätig.

Das russische Regime weiß es, Kritiker zum Schweigen zu bringen. Das beweist ein inhaftierter Oppositionspolitiker Alexej Nawalny und der Giftanschlag auf ihn, ein vergifteter Sergej Skripal genauso wie Hunderte von festgenommenen Russen, die auf die Straße gegangen waren, um gegen den Angriffskrieg zu protestieren.

Aufsehen erregt nun eine Todesserie unter russischen Oligarchen. Und die haben nicht einmal öffentlich Kritik an Kremlchef Wladimir Putin oder an den Plänen für seinen Angriffskrieg auf die Ukraine geübt. Im Gegenteil, die meisten von ihnen sollen gute Verbindungen in den Kreml gehabt haben. Und für die russische Öl- und Gasbranche gearbeitet haben. Sie standen allerdings auch nicht auf der internationalen Sanktionsliste. Die Parallelen, die sie zueinander aufweisen, sind erschreckend.

So sollen acht Oligarchen innerhalb der letzten Wochen unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sein. Der jüngste Fall: Alexander Subbotin. Der russische Ölmagnat soll sich in die Hände von Schamanen begeben haben, um seine Alkoholsucht mit „okkulter Komponente“ zu behandeln. Dort soll ihm unter anderem Krötengift verabreicht worden sein, berichteten es die russischen Medien. Was er nicht überlebt habe.

Oligarchen und Familienmitglieder tot aufgefunden

Zuvor kamen sieben russische Oligarchen ums Leben. Angeblich haben sie sich selbst umgebracht. Zum Teil sollen sie auch Familienmitglieder mit in den Tod gerissen haben. Der Oligarch Sergej Protosenja etwa, früher stellvertretender Vorsitzender des Erdgasunternehmens Novatek, wurde tot in seiner Villa in Spanien gefunden. Die Leichen seiner Frau und seiner Tochter fand man in seiner Nähe. Die beiden sollen Stichverletzungen erlegen sein, Protosenja habe sich im Garten seines Anwesens erhängt, so die offizielle Version. 

Tags zuvor fand man Multimillionär Wladislaw Awajew tot in seiner Wohnung in Moskau auf. Und neben ihm die Leichen seiner Frau und seiner 13-jährigen Tochter. Awajew war Vizepräsident der Gazprombank, die Tatwaffe soll in diesem Fall eine Pistole gewesen sein.

Noch Ende Jänner soll sich Leonid Schulman, seines Zeichens Top-Manager bei Gazprom, umgebracht haben. Seinen ehemaligen Kollegen, Alexander Tjuljakow, fand man erhängt in seinem Haus in St. Petersburg.

Erhängt haben soll sich auch Mikhail Watford, ebenfalls ein einflussreicher Gas- und Ölmagnat. Man fand ihn in der Garage seines Anwesens im englischen Surrey.

Ende März wurde der Milliardär und Besitzer eines russischen Arzneimittelunternehmens, Wasiliy Melnikow, tot aufgefunden. Mit ihm die Leichen seiner Frau und seiner zwei Söhne.

Andrej Krukowski soll bei einer Wanderung von einem Felsvorsprung in den Tod gestürzt sein. Er war Direktor des Skiresorts Krasnaja Poljana in der Nähe des Olympiaorts Sotschi - dort hat sich auch der russische Präsident Putin gerne aufgehalten.

Wirklich „Selbstmord"?

Acht russische Oligarchen, die innerhalb der letzten Woche auf rätselhafte Weise den Tod gefunden haben. Das wirft klarerweise die Frage auf: Geht das alles mit rechten Dingen zu?

Der schwedische Wirtschaftsjournalist und Russland-Experte Anders Aslund spricht gegenüber der „New York Post“ von „Liquidierung“. Ihm zufolge soll der russische Geheimdienst Ende 2021 und Anfang März zwei Listen mit Namen von Führungskräften in der Energiebranche des Landes erstellt haben. Kreml-Chef Wladimir Putin selbst soll demnach die Ermordung der Oligarchen genehmigt haben, da diese Informationen zur Finanzierung von russischen Auslandsoperationen einschließlich des Ukraine-Krieges weitergeben hätten können. 

„Es findet eine Säuberung statt. Es ist schwierig, eine Person festzunageln, die dafür verantwortlich ist“, so Aslund. „Aber für mich sieht es nach Kreml-Morden aus."

Die polnische Denkfabrik Warsaw Institute analysiert in einem kürzlich veröffentlichten Bericht die Todesfälle. Für sie verdächtig: Nicht nur die russische Polizei, auch der Sicherheitsdienst von Gazprom hätte dabei Untersuchungen aufgenommen. "Möglicherweise versuchen jetzt einige hochrangige Kreml-nahe Leute, Spuren von Betrug in staatlichen Unternehmen zu vertuschen“, heißt es im Bericht.

Igor Wolobujew war ebenfalls Vizechef der russischen Gazprom Bank. Diese Funktion legte er zurück, als er sich dafür entschied, in sein Geburtsland, die Ukraine, zurückzukehren, und dort gegen die russischen Truppen zu kämpfen. Gegenüber der „Bild"-Zeitung sagte er, er glaube nicht, dass es sich um Selbstmorde handelte: „Sie wussten zu viel, deswegen wurden sie beseitigt."

(bsch)