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Akademie der Wissenschaften

Wo Polizisten unter Engeln Pingpong spielten

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Einst bewuchert, ist der Arkadenhof nun frei zugänglich.APA/GEORG HOCHMUTH
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Der Campus der Akademie der Wissenschaften ist fertig saniert und macht bisher verborgene Ecken Wiens neu zugänglich: Die Bibliothek der „Alten Universität“ und den freigelegten, frisch begrünten Arkadenhof der Jesuiten.

Es war wohl die ehrwürdigste Tischtennishalle der Stadt: Von den 20ern bis in die 90er-Jahre trainierte unter den Engeln des barocken Deckenfreskos die Pingpong-Fraktion des Polizeisportvereins. Als die Baufirma vor rund zwei Jahren für die Sanierung anrückte, zierte noch immer ein Poster eines längst vergessenen Stars die Wand der mittlerweile zur Lagerhalle verkommenen Bibliothek.

Diese hat nun zu ihrem alten Glanz zurückgefunden. Die Bibliothek der „Alten Universität“ ist eines der Herzstücke der neuen „Campus Akademie“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Rechtzeitig zu deren 175-Jahr-Jubiläum, das dieser Tage gefeiert wird, ist die umfassende Sanierung der bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Gebäudeteile abgeschlossen.

Mit der Neugestaltung wurden „Bausünden der vergangenen Jahrzehnte rückgeführt und wiedergutgemacht“, sagte Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft, die die 34,5 Millionen Euro teure Sanierung verantwortete. Eine Sünde, das sei einerseits die Vernachlässigung der Bibliothek gewesen. Nun ragen neue Bücherregale – die originalen sind um die Jahrhundertwende verloren gegangen – bis an die bemalte Decke, 30.000 Bücher der ÖAW sind eingezogen.

Lange Geschichte

Auch dem Innenhof wurde seine ursprüngliche Form zurückgegeben. Er ist das zweite Highlight des neuen Campus. Da, wo die Universität Wien wenige Jahre nach ihrer Gründung 1365 im Stubenviertel ihr erstes Zuhause fand, hatten die ab 1622 mit der Leitung der Uni betrauten Jesuiten einen aus mehreren Trakten bestehenden Neubau rund um einen Arkadenhof gebaut. Die Arkaden wurden jedoch bereits kurze Zeit später wieder zugemauert: Platzbedarf und die klimatischen Bedingungen in der „Kleinen Eiszeit“ dürften die Gründe dafür gewesen sein. Der Hof verwaiste, bis auf einen kleinen abgetrennten Garten der Jesuiten wucherte dort in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich Gestrüpp. Nun sind die Arkaden freigelegt, der Innenhof mit Sitzbänken, einer Wiese und der 80 Jahre alten Kastanie ist zu den Öffnungszeiten der ÖAW – ebenso wie die Bibliothek –für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Kommenden Sonntag können außerdem kostenlose Campus-Touren gebucht werden (unter oeaw.ac.at).

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In der Bibliothek werden als erste Schau bis 2. Juni historische Karten ausgestellt.APA/GEORG HOCHMUTH

Der Campus werde ein „pulsierendes Wissenschaftszentrum für die Grundlagenforschung“, sagte Anton Zeilinger, der scheidende Präsident der ÖAW am Mittwoch bei der Eröffnung. Viele der bisher über die Stadt verstreuten ÖAW-Institute sollen hier zusammengefasst werden – 1200 Arbeitsplätze auf 30.000 Quadratmetern. Dafür wurde auch ein Teil der ehemaligen Postsparkasse angemietet. Fächerübergreifende Zusammenarbeit und Austausch zwischen den Disziplinen soll so erleichtert werden. Andere Institute, wie etwa das Forschungszentrum für Molekulare Medizin am AKH, bleiben an ihren ursprünglichen Standorten.

Schon jetzt Platzmangel?

Doch nicht alle sind von der Sanierung begeistert:Am Mittwoch kritisierte der Betriebsrat der ÖAW in einer Aussendung die verschlechterte Arbeitsplatzsituation. „Die Büroräume sind so dicht belegt, dass konzentriertes Arbeiten erschwert wird.“ Es gäbe zu wenig Platz für Bücher und Arbeitsmaterial, Labore und Werkstätten hätten kein natürliches Licht, hieß es.

Seitens der ÖAW hieß es gegenüber der „Presse“, man nehme die Kritik ernst, alle Arbeitsplätze seien jedoch „nach modernsten Kriterien“ ausgestattet worden, zudem sei noch Platz zum Ausweichen vorhanden. Der Betriebsrat kritisierte außerdem die befristeten Dienstverträge der Wissenschaftler ohne Aussicht auf permanente Anstellung. Der ÖAW verwies auf begrenzte Budgetmittel. Ob der neue Präsident – im Juli übernimmt Ex-Minister Heinz Faßmann die Agenden – etwas daran ändern kann, wird sich zeigen.


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