Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Reform

Eine Milliarde für die Pflege: Angestellte bekommen ein Monatsgehalt mehr

imago images/photothek
  • Drucken

Gesundheitsminister Rauch und die Klubobleute von ÖVP und Grüne präsentieren am „Tag der Pflege“ ein Maßnahmenpaket. Geschaffen wird etwa ein Angehörigenbonus von 1500 Euro jährlich.

Zwei Tage vor dem ÖVP-Parteitag in Graz und am "Tag der Pflege" präsentiert die türkis-grüne Bundesregierung eine Pflegereform, genauer gesagt: Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und  die Klubobleute Sigrid Maurer (Grüne) und August Wöginger (ÖVP). Größter Brocken ist eine Gehaltserhöhung für die Beschäftigten, die heuer und 2023 vermutlich als monatlicher Bonus ausbezahlt wird. Reserviert dafür sind 520 Millionen. Für den einzelnen Angestellten soll dies etwa jährlich einen zusätzlichen Monatsgehalt bringen, Rauch erwartet einen „spürbareren Nettoeffekt".

Alle jene Maßnahmen, die zu Mehrkosten führen, sind vorerst auf zwei Jahre befristet (bis zum Ende der Gesetzgebungsperiode) - offiziell damit begründet, dass rasch gehandelt werden sollte. "Das Motto war: 'Jetzt rasch' - weil mit Recht eingefordert wurde, rasch ins Tun zu kommen. Wir wollten nicht auf die Finanzausgleichsverhandlungen (mit den Bundesländern, Anm.) warten“, sagte Rauch. Dass eine Weiterführung über die genannten zwei Jahre hinaus eine "enorme Herausforderung" wird, räumte der Minister ein - jetzt habe man einmal einen Schritt "für die nächsten beiden Jahre" gesetzt.

Es sei „ein wichtiger Tag für die Pflege in Österreich", betonte der Minister. Denn: „Es wird mehr Gehalt geben für jede angestellte Pflegekraft." Darüber hinaus sollen alle Mitarbeiter pro Nachtdienst allen Einrichtungen zwei Stunden Zeitguthaben zustehen.

Während der Ausbildung im Pflegeberuf soll jeder jedenfalls einen Zuschuss von 600 Euro im Monat erhalten. Umsteiger bzw. Wiedereinsteiger bekommen (während einer vom AMS geförderten Ausbildung) ein höheres Pflegestipendium von 1.400 Euro im Monat. Als Modellversuch wird eine Pflegelehre eingeführt, diese soll ab dem Schuljahr 2023/24 starten und nach sieben Jahren evaluiert werden, sagte ÖVP-Klubchef Wöginger.

Eine weitere Verbesserung für Beschäftigte ist, dass die sogenannte „Entlastungswoche" generell ab dem 43. Geburtstag gewährt wird. Dies soll unabhängig von der Zugehörigkeit zum Betrieb erfolgen.

Angehörigen-Bonus von 1500 Euro

Geschaffen wird weiters ein Angehörigen-Bonus von 1500 Euro jährlich für jene Familienmitglieder, die den größten Teil der Pflege zuhause leisten und selbst- oder weiterversichert sind. Der Rechtsanspruch auf Pflegekarenz für Angehörige von Pflegebedürftigen wird von einem auf drei Monate ausgeweitet, wobei allerdings eine entsprechende kollektivvertragliche Regelung oder Betriebsvereinbarung vorliegen muss. Die erhöhte Familienbeihilfe wird nicht mehr auf das Pflegegeld angerechnet.

Künftig soll es außerdem für pflegende Angehörige bereits nach drei Tagen Anspruch auf finanzielle Unterstützung für Ersatzpflege geben (statt wie bisher erst nach sieben Tagen) - wenn die Betroffenen aufgrund von Krankheit, Kur, Urlaub oder sonstigen Gründen vorübergehend an der Pflege verhindert sind.

Erweitert werden die Kompetenzen von Pflege- und Pflegefachassistenz: Sie dürfen künftig beispielsweise Infusionen anschließen und Spritzen geben. Aufgehoben wird außerdem das geplante Auslaufen der Tätigkeit von Pflegeassistenten und -assistentinnen in Krankenanstalten ab Anfang 2025.

Eine Erleichterung soll es für Pflegekräfte aus dem Ausland geben: Ausgebildete Fachkräfte werden die Arbeitserlaubnis (Rot-Weiß-Rot-Card) künftig einfacher erhalten. So fällt künftig etwa die Sprachüberprüfung weg, diese obliegt stattdessen dem Dienstgeber, sagte Wöginger. Gelten soll dies vorerst bis Ende 2023, danach wird evaluiert. Außerdem wird die Bundesregierung die Anerkennung von ausländischen Ausbildungen erleichtern.

Beim Pflegegeld kommt für Menschen mit schweren psychischen Behinderungen und Demenz eine Erhöhung: Ihnen werden 20 Stunden zusätzlich pro Monat für Pflege und Betreuung zur Verfügung stehen. Profitieren sollen davon rund 8.500 Betroffene.

Rauch: „Lang versprochene Pflegemilliarde"

Sozialminister Rauch sprach bei der Präsentation des Pakets von einer „lang versprochenen Pflegemilliarde“. Er wolle damit sicherstellen, dass der „wunderbare Beruf" der Pflege unter guten Voraussetzungen stattfinden könne. Der heutige Donnerstag sei insofern ein „wichtiger Tag für die Zukunft der Pflege in Österreich“. Wöginger, der sich seit Jahren für eine Pflegereform einsetzt, ergänzte, dass es sich bei dem Paket um „einen großen Wurf“ handele. Maurer ortete eine „der größten Reformen seit Jahrzehnten“.

Das Paket wird nun  schrittweise umgesetzt - die ersten Maßnahmen sollen noch vor dem Sommer im Nationalrat beschlossen werden, sagte Maurer. Auch für die 24-Stunden-Betreuung sind finanzielle Verbesserungen vorgesehen, die aber noch von den Sozialpartnern final ausgearbeitet werden müssen.

(APA/Red.)