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Wir dürfen nicht nur die Rosinen herauspicken

Laut IV OÖ-Vize-Präsidentin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß benötige er-folgreiche Green Transition Investitionen in die Infrastruktur.
Laut IV OÖ-Vize-Präsidentin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß benötige er-folgreiche Green Transition Investitionen in die Infrastruktur.(c) Fronius International GmbH
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Erneuerbare Energie. Für das Erreichen der Green-Transition-Ziele sind noch viele Schritte notwendig. IV OÖ-Vizepräsidentin Engelbrechtsmüller-Strauß zeigt auf, wo dringend Handlungsbedarf besteht.

Als Chefin von Fronius International ist IV OÖ-Vizepräsidentin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß das Thema Green Transition ein besonderes Anliegen. Fronius ist weltweit in den Bereichen Schweißtechnik, Fotovoltaik und Batterieladetechnik tätig und gerade die Fotovoltaik-Produkte sollen einen wertvollen Beitrag zur Energiewende beitragen. Nichtsdestotrotz betont sie, dass es enorm herausfordernd wird, die ambitionierten Green-Deal-Ziele zu erreichen. „Die Green Transition ist nur realisierbar, wenn so viel wie möglich verstromt wird.“ Das setzt eine deutliche Erhöhung bei Strom aus erneuerbaren Quellen voraus. Dadurch ergeben sich jedoch derzeit drei konkrete Probleme: fehlende Bauteile, fehlende Infrastruktur, fehlende Fachkräfte.

„Beim Zubau für Fotovoltaik fehlen teilweise die Bauteile, speziell im Bereich der Leistungselektronik“, sagt Engelbrechtsmüller-Strauß. Hier habe sich Europa in Abhängigkeit von Asien begeben. Gewisse Fertigungen werden nicht mehr in Europa gemacht. Es gibt zwar EU-Förderprogramme, um Fertigungsbetriebe in Europa wieder anzusiedeln, aber es wird Jahre dauern, bis das umgesetzt ist. „Diese Abhängigkeit wird man nicht so schnell ablegen können“, meint die 51-Jährige.
Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu den Green-Transition-Zielen ist die Netzinfrastruktur. „Wenn ich mir ansehe, wie langwierig Genehmigungsverfahren sich beim Netzausbau gestalten und welche Verzögerungen es durch Einsprüche usw. gibt, bremst das unnötig“, wird die IV OÖ-Vize-Präsidentin sehr direkt. „Wir können uns nicht überall nur die Rosinen rauspicken. Die Energiewende ist nur mit der notwendigen Infrastruktur zu bewältigen.“ Außerdem dürfe bei der Green Transition nicht nur auf ein Pferd gesetzt werden. „Die Maßnahmen müssen mannigfach sein. Es braucht die Netze. Um diese aber auch zu entlasten, braucht es auch intelligentes Energiemanagement und Speichermöglichkeiten“, so die IV OÖ-Vizepräsidentin. „Ein wichtiger Punkt ist dabei die Dezentralisierung, dass der Strom dort erzeugt wird, wo er benötigt wird. Andererseits ist für die energieintensive Industrie eine Zentralisierung notwendig.“

Wachsende Flächennachfrage

Damit Wind und Sonne als erneuerbare Energiequellen den wachsenden Bedarf an Strom decken können, müssen weitere große Flächen für PV-Anlagen und Windparks lukriert werden. Bei Fotovoltaik müsse nach Ansicht von Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß zuerst bei den bereits versiegelten Flächen, die noch keine PV-Anlagen installiert haben, gestartet werden. „Es gäbe noch viele verbaute Flächen, die sich für Fotovoltaik eignen würden.“ Etwa Industrie- und Gewerbezonen. Hier würde auch die Kritik, dass Solaranlagen und Windräder die Attraktivität der Landschaft einschränken, verstummen. Trotzdem werden diese Flächen nicht ausreichen, um genügend Strom zu erzeugen. „Deshalb muss man bei der Flächenthematik auch betonen, dass Österreich nicht den gesamten Anteil an erneuerbarer Energie selbst herstellen muss und kann. Stattdessen sollten verstärkt Themen wie etwa Investition in Wasserstoff ins Spiel gebracht werden.“

Zur Person

Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß, geboren 1970, ist Vizepräsidentin der IV OÖ und CEO der Fronius International GmbH in Pettenbach. Sie studierte Handelswissenschaften an der WU Wien. Als Enkelin des Firmengründers führt sie den Betrieb bei Fronius seit 2012 in dritter Generation.

Kompetente Fachkräfte

Für alle genannten Herausforderungen, wie etwa optimierte Speicherlösungen, ist vor allem die Forschung und Entwicklung gefragt, Innovationen beizusteuern. Und das bringt uns zum dritten großen Problem: dem Fachkräftemangel. „Den spürt man nicht nur in der Fertigung, sondern auch in der Installation“, sagt Engelbrechtsmüller-Strauß.

Die Coronapandemie hat die ohnehin schon schwierige Ausgangslage nochmals verschärft. „Durch die Lockdowns und Home-Schooling ist die Bildungsschere noch weiter auseinandergegangen“, beobachtet die Fronius-Geschäftsführerin. „Vor allem Kinder aus bildungsferneren Haushalten sind teilweise dem Bildungssystem verloren gegangen. Damit fehlen viele potenzielle Lehrlinge und Fachkräfte von morgen.“ Diese Menschen wieder zurückzuholen und zu einer aussichtsreichen Bildung zu motivieren, wird eine Mammutaufgabe. Nicht vergessen dürfe man, dass coronabedingte Maßnahmen bei vielen Jugendlichen auch zu psychischen Problemen führten. „Auch diese Personen dürfen nicht abgeschrieben werden und sollten durch intelligente Maßnahmen wieder ins Boot geholt werden.“

Ebenfalls kontraproduktiv wirkte sich die Kurzarbeit aus. „Sie war ein gutes Instrument zu Beginn der Pandemie, aber mittlerweile dauert sie viel zu lang. Es kann nicht sein, dass Firmen einerseits händeringend Fachkräfte suchen, auf der anderen Seite aber Fachkräfte in Kurzarbeit (u. a. aufgrund von Bauteilenknappheit) sind. Das ist volkswirtschaftlich nicht die optimalste Lösung.“

oberoesterreich.iv.at

Information

Das Interview mit Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß wurde finanziell unterstützt von der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ).