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Der ökonomische Blick

Wie geht's uns heute in Österreich?

CORONA: IMPFEN OHNE TERMIN IN WIEN
APA/ROLAND SCHLAGER
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Zwischen Covid-Krise und Inflation: Ergebnisse einer Befragung der Statistik Austria im November und Dezember 2021.

Die Covid-19 Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen. Welche Effekte diese Krise auf die Menschen in Österreich hat, soll mit Hilfe der Befragung „So geht’s uns heute“, die von der Statistik Austria alle drei Monate wiederholt wird, untersucht werden. Die erste Befragung im Rahmen dieses vom Sozialministerium mitfinanzierten Projekts wurde im November und Dezember 2021 durchgeführt – und damit in einem Zeitraum, der durch einen Lockdown, die Ankündigung der Corona-Impfpflicht und eine bereits zunehmende Inflation geprägt war.

Kürzlich wurden die Ergebnisse der Erhebung vom November und Dezember 2021 vorgestellt (Mühlböck et al. 2022). Sie sind für die 16-69-jährige Bevölkerung in Österreich repräsentativ.

Gefragt wurde zunächst, ob bzw. wie sich das Haushaltseinkommen während der letzten 12 Monate verändert hat. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sich an der Höhe ihres Einkommens entweder nichts verändert hätte bzw. dass es im Jahresvergleich sogar höher geworden wäre. Ein Drittel berichtete allerdings von Einkommensverlusten. Nun wissen wir aus vielen Untersuchungen, dass die Lasten der Pandemie nach mittlerweile mehr als zwei Jahren äußerst ungleich verteilt sind. Das bestätigen auch die Ergebnisse dieser Erhebung. Besonders prekär war die Lage der Arbeitslosen Ende des Vorjahres. 54 Prozent, und damit mehr als die Hälfte von ihnen, gaben an, am Jahresende ein geringeres Haushaltseinkommen gehabt zu haben als noch Ende 2020.

Jede Woche gestaltet die „Nationalökonomische Gesellschaft" (NOeG) in Kooperation mit der "Presse" einen Blog-Beitrag zu einem aktuellen ökonomischen Thema. Die NOeG ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Wirtschaftswissenschaften.

Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der „Presse"-Redaktion entsprechen.

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Aufgrund ihrer knappen Einkommen wenig überraschend berichteten vier von zehn Arbeitslosen zudem von Schwierigkeiten, mit ihrem Einkommen auszukommen. Das sind deutlich mehr als im österreichischen Durchschnitt: da ist einer:r von sieben von derartigen Schwierigkeiten betroffen. Bei vielen zeigen sich finanzielle Engpässe darin, dass Rechnungen gar nicht oder nicht rechtzeitig beglichen werden können. Im österreichischen Durchschnitt gab eine von vierzehn Personen an, im vorangegangen Quartal mit mindestens einer Zahlung in Verzug gewesen zu sein. Unter den Arbeitslosen traf dies auf ein Viertel zu! Vor allem die Wohnkosten wurden als schwere Belastung wahrgenommen. Wieder zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Gruppenzugehörigkeit. Im österreichischen Durchschnitt stellten die Wohnkosten Ende letzten Jahres für 14 Prozent eine schwere finanzielle Belastung dar. In der Gruppe der Arbeitslosen betrug der entsprechende Anteil 38 Prozent! Ein weiteres Indiz für ihre prekäre finanzielle Situation zeigt sich darin, dass in der Gruppe der Arbeitslosen 42 Prozent erwarteten, in den kommenden Monaten Schwierigkeiten mit der Begleichung ihrer Wohnkosten zu haben: dieser Anteil ist dreieinhalb Mal höher als im österreichischen Durchschnitt (12 Prozent).

Zeichen der enormen psychischen Belastung prekärer Einkommenslagen zeigen sich in den besorgniserregenden Befunden zum psychischen Wohlbefinden. Befragt danach, wie glücklich, einsam oder zufrieden sie seien, wiesen Arbeitslose Ende 2021 in allen Bereichen (zum Teil deutlich) schlechtere Werte auf als die Bevölkerung in Österreich im Durchschnitt.

Eine neue Krise

Die Arbeitsmarktsituation hat sich seit Ende letzten Jahres erfreulicherweise verbessert. Dafür ist die Inflationsrate mittlerweile deutlich angestiegen – und der Ukraine-Krieg hat eine neue Krise in unser aller Leben gebracht. Die Pandemie ist nach wie vor nicht vorbei, die Klimakrise stellt darüber hinaus eine ständige Bedrohung dar. Wie geht’s uns jetzt damit? Die zweite Befragung aus der Reihe „So geht’s uns heute“ wurde im ersten Quartal 2022 durchgeführt. Ergebnisse werden für Anfang Juli erwartet. Die regelmäßige Befragung und zeitnahe Veröffentlichung der Ergebnisse aus dieser Reihe tragen dazu bei, die soziale Lage verschiedener Gruppen in diesem Land mehrmals jährlich und zeitnah abzubilden. Denn nicht nur Märkte reagieren rasch und sensibel auf externe Einflüsse und Krisen, sondern auch Menschen, insbesondere jene in prekären Lebenssituationen. Und so wie spezifische Kennzahlen als Schätzwerte für die Konjunkturentwicklung genutzt werden, können Schnellschätzungen wie die Reihe „So geht’s uns heute“ wichtige Hinweise auf die Entwicklung der sozialen Lage in diesem Land geben – eine wichtige Grundlage, um zielgerichtete und zeitnahe politische Maßnahmen zu setzen.

Zur Autorin

Karin Heitzmann ist ao. Univ.Prof. am Institut für Sozialpolitik und am Forschungsinstitut Economics of Inequality / INEQ der WU Wien. Bei der von der Statistik Austria regelmäßig durchgeführten Befragung „So geht’s uns heute“ wirkt sie im wissenschaftlichen Beirat beratend mit. 

Karin Heitzmann
Karin Heitzmann

Quelle

Mühlböck, M, Hartleib, S., Brüngger, L. & Till, M. (2022), So geht’s uns heute: die sozialen Folgen der Corona-Krise: Ergebnisse einer Statistik-Austria-Befragung im vierten Quartal 2021

https://www.statistik.at/wcm/idc/idcplg?IdcService=GET_PDF_FILE&RevisionSelectionMethod=LatestReleased&dDocName=127945

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