Schweden

Skandinavischer Nachbar unter Zugzwang

APA/AFP
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Die sozialdemokratische Regierung traf die Nato-Debatte zur Unzeit – wenige Monate vor der Parlamentswahl. Die finnische Volte hat die Schweden überrumpelt. 61 Prozent sprechen sich für den Beitritt aus.

Boris Johnsons stürmische Charmeoffensive und seine Zusicherung des Beistands für die heikle Übergangsphase mögen die Schweden ebenso überrumpelt haben wie die Nato-Volte Finnlands mitten im skandinavischen Frühling. Magdalena Andersson, die schwedische Premierministerin, hatte zwar Spaß an den Witzen ihres Kollegen bei dessen Stippvisite in Stockholm. Allerdings hätte die Sozialdemokratin sicherlich ein bedächtigeres Tempo bei der wichtigsten außenpolitischen Entscheidung ihres Landes seit Jahrzehnten bevorzugt.

Just am 11. September steht die Parlamentswahl an, bei der die erst seit einem halben Jahr amtierende Ministerpräsidentin um ihre Wiederwahl kämpft. Eine Debatte um die schwedische Identität hätte sie sich und ihrer Partei gern erspart. Umfragen attestieren der Ex-Finanzministerin gute Werte. Nach einem ersten Schock haben Andersson und Außenministerin Ann Linde ihre Partei – lang ein Tabu – auf Nato-Kurs eingeschworen. Das Parlament gibt mit einer sicherheitspolitischen Analyse den Ton vor. Am Sonntag liefern die Sozialdemokraten, unter Olof Palme in den 1970er- und 1980er-Jahren zur humanitären Großmacht getrimmt, einen Befund ab, ob die neue Realität im Land – bündnisfrei seit 1814 – angekommen ist.

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