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Kriminalität

36.000 Geschleppte, Zwei Tote: Bande zerschlagen

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) präsentierte am Donnerstag die Zerschlagung einer internationalen Schlepperbande.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) präsentierte am Donnerstag die Zerschlagung einer internationalen Schlepperbande.(c) APA/Hans Klaus Techt
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Im Kampf gegen Schlepper konnte eine internationale Bande festgenommen werden. Zudem gab es seit Anfang Mai 660 Schwerpunktkontrollen, wobei auch sechs Schlepper verhaftet werden konnten.

Mehr als 80 sichergestellte Schlepperfahrzeuge, 36.000 geschleppte Personen und mehr als 152 Millionen Euro Umsatz. Die dafür verantwortliche internationale Schlepperbande konnte von der Polizei zerschlagen werden.

In diesem Zusammenhang wurden 200 Personen in Österreich, Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Rumänien festgenommen – 92 davon in Österreich, wo auch ein hochrangiges Mitglied der Bande seinen Wohnsitz hatte. Auf das Konto der Organisation gehen auch Schüsse auf Grundwehrdiener an der österreichisch-ungarischen Grenze im Burgenland im Jänner sowie zwei erstickte Flüchtlinge in einem Klein-Lkw im Oktober. „Es ist ein guter Tag für die Polizei und ein ganz schlechter Tag für die Schleppermafia“, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Es sei auch einer der größten Erfolge im Kampf gegen die Schleppermafia der vergangenen Jahre. Und es zeige die Wichtigkeit internationaler Zusammenarbeit.

Der Kopf der Bande

Anfang 2021 begannen die Landeskriminalämter Niederösterreich und Burgenland, gemeinsam gegen die international organisierte Schlepperorganisation vorzugehen. Im Bereich der Grenzen wurden vermehrt Kleintransporter festgestellt, die jedes Mal circa 30 Personen an Bord hatten. Die geschleppten Personen brachten die Schlepper in den Süden Wiens. Im Burgenland wurde unterdessen immer ersichtlicher, dass es sich um eine hoch professionelle Organisation handelt. Durch diverse Handyauswertungen und Befragungen kristallisierte sich schließlich ein Name heraus: Nicu Gavril O., ein 28-jähriger rumänischer Staatsbürger, der sich schließlich als Kopf der Bande herausstellte.

Gavril O. war sowohl den ungarischen als auch den österreichischen und rumänischen Behörden bekannt. Es wurde außerdem bereits mit europäischem Haftbefehl nach ihm gefahndet. Gavril saß nämlich eigentlich in St. Pölten bereits in Haft. Ihm gelang allerdings im November 2020 nach einer ambulanten Krankenhausbehandlung spektakulär die Flucht. Ein führendes Mitglied der Organisation konnte bereits im Jänner verhaftet werden, zeigte sich in seiner Vernehmung umfassend geständig und gab wertvolle Hinweise zur Struktur der Organisation, Örtlichkeiten und beteiligten Personen. Am 4. Mai wurde Nicu Gavril O. schließlich in Rumänien festgenommen.

Die Taktik der Täter

Für 3000 bis 5000 Euro wurde den hauptsächlich syrischen Migranten versprochen, sie nach Europa zu bringen. „Den potenziellen Kunden wird erzählt: ,Europa hat jetzt die Grenzen geöffnet und nimmt Vertriebene auf. Du gibst mir viel Geld und wir bringen dich hin.‘ Damit wird derzeit von der Schleppermafia Werbung gemacht“, so Karner.

Bei den Ermittlungen wurde festgestellt, dass die Bande hoch professionell arbeitete. Jeder Aufgabenbereich hatte bei der Schlepperbande eigene Akteure. Die Mobiltelefone wurden zentral angekauft, Fahrzeuge in Österreich und Ungarn besorgt und mittels Kurzzulassung angemeldet. In einer eigens eingerichteten Werkstatt wurden die Fahrzeuge repariert, um an der Grenze nicht aufzufallen. Sowohl den Schleppern als auch den geschleppten Personen wurden Wohnungen zur Verfügung gestellt. Nach der Ankunft in Wien wurden die Migranten teilweise anderen kriminellen Organisationen übergeben und gegebenenfalls in andere Länder weitergeführt.

Vor allem zwei Fälle, die auf das Konto der Bande gehen, sorgten für Aufsehen. Im Oktober 2021 wurde ein Klein-Lkw mit 30 Personen an der Grenze aufgehalten. Zwei davon waren bereits durch Ersticken gestorben. Im Jänner 2022 kam es im Burgenland zu Schüssen auf Grundwehrdiener, nachdem diese ein Schlepperfahrzeug anzuhalten versucht hatten.

Die Schritte der Polizei

Mit der Festnahme des Chefs der Schlepperbande am 4. Mai wurde zeitgleich eine „Aktion scharf“ im Kampf gegen die Schlepperkriminalität gestartet. Im Fokus standen Kontrollen im Straßenverkehr, Kontrollen in Grundversorgungsunterkünften, aber auch im Rotlichtmilieu und an Hotspots der organisierten Schwarzarbeit zur Bekämpfung von Menschenhandel. Seit Anfang Mai wurden mehr als 660 Schwerpunktaktionen durchgeführt, circa 3300 Polizisten waren in ziviler Uniform im Einsatz. Sechs Schlepper konnten dabei festgenommen und 30.000 Personen überprüft werden. Bei 350 Personen wurde festgestellt, dass sie sich illegal in Österreich aufhielten.

Innenminister Karner kündigte an: „Wir werden diese brutalen Schlepperbanden auch in Zukunft mit allem Nachdruck verfolgen. Denn diesen Banden sind Menschenleben nichts wert. Da geht's um Profit, Geldgier und brutale Mafiamethoden.“ Die Grenzkontrollen würden, so Karner, nach der Präsentation dieser Zahlen natürlich weitergeführt werden.