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Arbeitsmarkt

Brain drain gefährdet den Westbalkan

Diskussion über den brain drain beim European Business Forum: Christoph Czettl (Grawe), Michael Löwy (IV), Hermine Vidovic (wiiw) und Moderatorin Gerda Füricht-Fiegl (FH Burgenland).
Diskussion über den brain drain beim European Business Forum: Christoph Czettl (Grawe), Michael Löwy (IV), Hermine Vidovic (wiiw) und Moderatorin Gerda Füricht-Fiegl (FH Burgenland).FH Burgenland
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Der brain drain ist ein echtes Problem für die Länder des Westbalkan. Österreich, wo rund 390.000 Menschen aus diesen Ländern leben, profitiert hingegen von der Migration.

Es ist ein Gegensatzpaar, das man in Österreich nicht gerne thematisiert: brain drain und brain gain. Ersteres ist die Abwanderung von ausgebildeten und qualifizierten Personen in andere Länder. Zweiteres beschreibt, dass eine Volkswirtschaft davon profitiert, dass Rückkehrer mit im Ausland erworbenen Ausbildungen und Qualifikationen ins Heimatland zurückkommen.

Dem Thema brain drain/gain und den Verflechtungen zwischen Österreich und den Westbalkanländern Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und Kosovo widmete sich vor wenigen Tagen das European Business Forum, das von der FH Burgenland in Eisenstadt veranstaltet wurde.

Migration aus den Westbalkanländern halte kontinuierlich an, zeigte Hermine Vidovic vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) in ihrem Vortrag und einer Podiumsdiskussion mit Gerda Füricht-Fiegl (FH Burgenland), Michael Löwy (IV) und Christoph Czettl (Grazer Wechselseitige Serbien).

Profitieren ohne in die Ausbildung zu investieren

Aktuelle Untersuchungen würden zeigen, dass knapp die Hälfte der Staatsbürger von Bosnien und Herzegowina gar nicht mehr im eigenen Land leben (Albanien rund 40 Prozent, Nordmazedonien 35 Prozent). In Österreich leben rund 390.000 Menschen aus den Westbalkan-Länder (170.000 aus Bosnien und Herzegowina, 140.000 aus Serbien sind die Spitzenreiter). Besonders dramatisch vom brain drain seien Bosnien und Herzegowina und der Kosovo betroffen, am stärksten aber Albanien, wo Hochqualifizierte 40 Prozent der Migranten ausmachen. Es gibt am Westbalkan aber auch gegenläufige Entwicklungen: Und zwar einen brain gain in Montenegro, Nordmazedonien und Serbien.

Hauptzielländer der Migranten aber sind traditionell Deutschland (intensiviert durch die Westbalkanregelung, die den Zuzug seit dem Jahr 2016 deutlich erleichtert), Österreich, Frankreich, Schweden, Italien, Großbritannien, die Schweiz und Griechenland. Zunehmend, sagt Vidovic, würden auch die neuen EU-Länder wie Kroatien, Slowenien, Tschechien, Slowakei und Ungarn an Attraktivität gewinnen: befeuert durch den Arbeitskräftemangel und steigende Löhne. Sie profitieren somit, ohne in die Ausbildung der Menschen investiert zu haben.

Die Weltbank spricht gar davon, dass seit 1990 mehr als vier Millionen Fachkräfte aus den Westbalkanländern ausgewandert sind und sogar davon, dass der brain drain einen EU-Beitritt dieser Länder – einige von ihnen verhandeln seit Jahren ergebnislos – schwieriger mache, weil viele liberal gestimmte Menschen auswandern.

Besonders angespannt ist die Situation im Gesundheitssektor: Rund 7000 Ärzte (das sind 13 Prozent der Ärzte der Region) und rund 10.000 Krankenschwestern (10 Prozent der Krankenschwestern aus der Region) haben das Land zu verlassen: weil es zu wenige Jobs gibt, der private Sektor unterentwickelt ist und die Gesundheitsausgaben zu niedrig sind, um neue Jobs zu schaffen. Zudem sind im Ausland Arbeits- und Gehaltsumfelder besser.

Situation in Österreich

Noch ein Blick auf die Situation in Österreich: Hier ist der Anteil der Mittel- und Hochqualifizierten aus den Westbalkanländern ebenso hoch wie in Herkunftsländern, hingegen ist der Anteil der Niedrigqualifzierten in Österreich höher als in den Herkunftsländern.

Anders sieht es übrigens bei Menschen aus den Mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL), aus, die in Österreich leben: Es gibt mehr Hochqualifizierte aus diesen Ländern in Österreich als in den Herkunftsländern. (red.)