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„Die Besten werden in Krise gestartet“

Christian Meermann, Founding Partner Cherry Ventures.
Christian Meermann, Founding Partner Cherry Ventures.Cherry Ventures
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Salzburg Summit. Christian Meermann von Cherry Ventures über die Herausforderungen und Chancen auf dem Start-up-Markt, die er auch beim Salzburg Summit im Juli hervorstreichen wird.

Herr Meermann, Sie investieren mit Cherry Ventures in der frühen Gründungsphase von Firmen, bei deren Aufbau Sie dann auch behilflich sind. Welche Ratschläge haben Sie für Start-up-Unternehmer, die aktuell trotz Herausforderungen wie Pandemie-Nachwirkungen und Krieg in der Ukraine gründen wollen?

Christian Meermann: Die besten Firmen werden in der Krise gestartet. Es gibt überhaupt keinen Grund, nicht jetzt loszulegen. Im Gegenteil, auch wenn die Unsicherheit in Sachen Ukraine und die steigenden Zinsen es nicht einfacher machen, sind solche Zeiten oft sehr gut für die Firmengründung. Es ist auch nach wie vor Geld da. Aber es muss deutlich fokussierter agiert werden. Man kann nicht so schnell wachsen und man muss gut im Blick behalten, wie viel Cash eine Firma braucht, damit sie profitabel wächst.

Inwiefern verändern sich die Ideen, mit denen Gründer an Sie herantreten, durch die Herausforderungen der aktuellen Zeit?

Nachdem der Markt für Technologie-Unternehmen in der Pandemie gut gelaufen ist, hat er sich in den vergangenen Monaten dramatisch verändert. Das liegt daran, dass die Aktienmärkte im Tech-Bereich stark abgestürzt sind und die Investoren deutlich zurückhaltender wurden. Gleichzeitig hat der Bereich Nachhaltigkeit und Klima sehr stark zugenommen. Auch werden mehr Software-Themen an uns herangetragen. Und es gibt weniger High Cash Burning Businesses, also Firmen, die sehr viel Kapital brauchen, bis sie überhaupt profitabel werden. Die Gründer gehen mehr auf Modelle, bei denen man nicht so viel Geld benötigt.

Inwiefern hat auch Cherry Ventures die Strategie angepasst?

Wir von Cherry Ventures investieren ja sehr breit in den unterschiedlichsten Bereichen und unterstützen sowohl finanziell in der Seed-Phase als auch organisatorisch von Anfang an. Thematisch sind wir also breit aufgestellt, aktuell schauen auch wir darauf, dass es nicht so kapitalintensive Projekte sind.

Wie kann man den potenziellen Gründern noch mehr Mut machen?

Grundsätzlich muss man sich überlegen, was in zehn, 20 oder 30 Jahren jene Firmen sein werden, die unsere Gesellschaft prägen. Es werden – wie schon in den letzten 20 Jahren – Technologiefirmen sein, das hat sich nicht geändert. Für Firmen, die sich mit dem Bereich Klimawandel beschäftigen, ist jetzt gerade der richtige Moment – dafür ist Kapital und Bewusstsein gleichermaßen da. Generell beobachten wir, dass die Gründer reflektierter vorgehen, weil die letzten zwei Jahre so verrückt waren. Es gab ja teils unglaublich viel Geld auf dem Markt, nun ist die Situation wieder normaler. Viele Investoren haben in Technologiefirmen investiert, weil sie sahen, dass in der Pandemie vor allem diese wuchsen, zuletzt ist der Tech-Bereich aber im Vergleich heruntergerasselt. Beispielsweise sind auch Lebensmittellieferdienste schnell gewachsen, hier wollten viele Investoren hineingehen.

Was sind die größten Herausforderungen für Gründer?

Aktuell geht es vor allem darum, die richtigen Mitarbeiter zu finden, die gut qualifiziert sind, aber nicht exorbitant teuer. Auch hier helfen wir.

Worüber werden Sie beim Salzburg Summit vor allem sprechen?

Ich werde sehr auf das veränderte Marktumfeld eingehen, denn ich glaube, dass es für alle potenziellen Gründer und auch jene, die gerade gegründet haben, wichtig ist, die größeren Dynamiken zu verstehen. Im Zentrum sollen eben die veränderten Kapitalmärkte sein, die es für Start-up-Unternehmer eventuell schwerer machen, an Geld zu kommen.

Welche Tipps geben Sie potenziellen Gründern gerade für die aktuelle Zeit?

Es gilt, sich ein Geschäftsmodell zu suchen, das auch in unsicheren Zeiten bestehen kann. Und dann heißt es, allen Mut zusammennehmen und auch in einer etwas schwierigeren Zeit aus makroökonomischer Sicht die Chancen zu nutzen, um erfolgreich eine Firma zu gründen.

Salzburg Summit

Die internationale Konferenz wird heuer von 27. bis 30. Juli in Salzburg stattfinden und dient als Plattform für den Austausch von Ideen. Hochkarätige Führungskräfte und interessante Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft kommen zusammen, um unter dem Generalthema „Challenges“ die aktuellen Herausforderungen aus verschiedensten Blickwinkeln zu diskutieren und einen Blick auf zukünftige Trends und Themen zu werfen. Salzburg Summit wird heuer zum dritten Mal veranstaltet.

salzburgsummit.com

Information

Der Beitrag wird finanziell unterstützt von der Industriellenvereinigung.