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Verantwortungsträger

Lernen von Nelson Mandela

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Das Buch „Ubuntu: Mandela für Führungskräfte“ zeigt, wie der Friedensnobelpreisträger managte.

Mit dem Erbe Nelson Mandelas ist Südafrika ja nicht sonderlich sorglich umgegangen. Korruption und Misswirtschaft machen den Menschen schwer zu schaffen. Dem bemerkenswerten Management-Zugang von Freiheitskämpfer, Friedensnobelpreisträger, Jurist und Politiker Mandela (1918–2013) gingen nun die Konfliktforscherin Daniela Molzbichler (FH Salzburg) und der Afrikanist Martin Sturmer (afrika.info) in ihrem neuen Buch „Ubuntu: Mandela für Führungskräfte“ auf den Grund. Ubuntu lässt sich am ehesten mit „Ich bin, weil wir sind“ übersetzen: Kernwerte sind entsprechend Respekt, Vertrauen, Mitgefühl, Friedfertigkeit und die Bereitschaft zur Vergebung. Im Gegensatz dazu würde die europäische Tradition dem Leitsitz „Cogito, ergo sum - Ich denke, also bin ich“ folgen. 

Mandela, so schreiben die beiden Salzburger in ihrem Buch, setzte um, was leading from behind – also Führung von hinten – bedeutet: Demnach sollen sich Entscheider bei Erfolgen im Hintergrund halten, bei Krisen müssen sie aber an die Spitze treten. Und er verstand sich auf Indaba, die Konfliktlösung, in der es um soziale Stabilität und nicht um Bestrafung geht. Der Band listet zehn alltagstaugliche Empfehlungen für die Förderung des Wir-Gefühls in Teams:

  1. Betrachten Sie Ihr Mitarbeiter als Familie: Mandela sei von seinen Landsleuten häufig “Tata” (Vater) genannt worden. Im Unternehmen nehmen Führungskräfte die Rolle des Familienoberhaupts ein: Mitarbeiter werden motivierter bei der Sache sein, wenn Sie spüren, dass sie Ihnen etwas bedeuten.
  2. Hören Sie zu: Viele Mitarbeiter fühlen sich übergangen. Ihre Leistung wird nicht gesehen, ihre Ideen und Lösungsansätze werden nicht gehört. Haben Sie daher stets ein offenes Ohr für die Mitarbeitenden. Dies gilt insbesondere dann, wenn Gegenmeinungen existieren.
  3. Seien Sie Vorbild: Wenn Sie Wasser predigen, sollten Sie auch Wasser trinken. Als Führungskraft müssen Sie vorleben, was Sie von Anderen erwarten. Dazu zählt einerseits der Verzicht auf Privilegien, andererseits die Bereitschaft zu Hilfestellungen. Mandela war ein Vorbild in Sachen Hilfsbereitschaft, wie folgende Beispiel zeigt. Eddie Daniels, ein Mithäftling auf Robben Islands, war erkrankt und brachte nicht mehr die Kraft auf, seinen Nachttopf zu entleeren. Mandela kam in seine Zelle, nahm den Topf und ging damit ins Bad, um ihn sauber zu machen. Das machte er jeden Tag, bis Daniels genesen war. Als Anführer der größten politische Organisation im Gefängnis hätte Mandela die Aufgabe delegieren können.
  4. Bleiben Sie bescheiden: Ubuntu stellt den Erfolg der Gruppe über den Erfolg des Einzelnen. „Keiner von uns ist ein Superstar, keiner kann ohne den anderen Erfolg haben“, meinte Nelson Mandela. Für Manager bedeutet dies auch, ihr Ego beiseitezuschieben. Sie sollten sich nicht in den Vordergrund drängen, wenn es um das Ernten von Lorbeeren geht - der Ruhm gebührt dem ganzen Team. Anders verhält es sich bei Misserfolgen: Als Führungskraft tragen Sie die Verantwortung für die Leistung Ihrer Gruppe. Sie müssen also auch für ihre Fehler den Kopf hinhalten.
  5. Zeigen Sie Wertschätzung: Im Berufsalltag vergessen wir nur allzu oft darauf, dass Mitarbeiter für ihre Leistungen Anerkennung erwarten. Sprechen Sie Dank aus, wenn gute Arbeit verrichtet wird. Und geben Sie regelmäßig dort konstruktives Feedback, wo Ihrer Ansicht nach noch Verbesserungspotenzial besteht.
  6. Verzeihen Sie Fehler: Wir alle sind vor Irrtümern oder Pannen nicht gefeit. Beurteilen Sie Ihre Mitarbeitende nicht anhand von mangelhaften Leistungen. Agieren Sie stattdessen als ihr Mentor oder Coach, um Fehler in Zukunft zu vermeiden oder Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.
  7. Sorgen Sie für ein angenehmes Umfeld: Bemühen Sie sich um ein freundliches Betriebsklima. Grüßen, kurze Gespräche am Gang, ehrliches Interesse am Gegenüber – es sind oft die einfachen Dinge, die für eine gute Arbeitsatmosphäre sorgen. Beachten Sie dabei: Freundlichkeit kommt von Herzen, Höflichkeit vom Kopf.
  8. Stiften Sie Sinn: Mitarbeitende sind zufriedener, wenn Sie stolz auf ihre Aufgabe sein können. Vermitteln Sie Mission, Vision, Werte und einen klaren Plan. Bedenken Sie dabei, dass die Akzeptanz dieser Maßnahmen wächst, wenn Sie möglichst viele Personen miteinbeziehen.
  9. Schaffen Sie Austauschmöglichkeiten: Identitätsstiftende Rituale wie Feiern, Ausflüge oder auch die Entwicklung eines eigenen Programms für Corporate Social Responsibility unterstützen das Miteinander.
  10. Suchen Sie Verbündete: Konsequentes Networking hilft Ihnen dabei, Ihre Ziele zu erreichen. Bedenken Sie dabei, niemanden vor den Kopf zu stoßen – auch wenn Ihnen die Person nicht als wichtig erscheint. Ubuntu betrachtet alle Menschen als gleichwertig – jeder Kontakt kann wertvoll sein.

Mandela musste zum Verantwortungsträger reifen

„Ubuntu beginnt bei Ihnen als Führungskraft“, sagt Sturmer. „Auch eine Ausnahmeerscheinung wie Nelson Mandela musste lernen, mit der enormen Verantwortung umzugehen. Denn der junge Mandela war beileibe kein Vorbild: Seine Wegbegleiter beschrieben ihn als eingebildet, empfindlich und jährzornig.“ Doch der 71-jährige Mandela war laut Sturmer das komplette Gegenteil: „Seine Dialogbereitschaft, seine Bescheidenheit und sein Wille zur Vergebung ließen ihn zu einem weltweiten Vorbild für Führungskräfte werden.“

Die Zusammenarbeit mit Andersdenkenden war für Mandela der Schlüssel zum Miteinander: „Um mit einem Gegner Frieden zu schließen, muss man mit ihm zusammenarbeiten, und der Gegner wird dein Freund“, lautet ein bekanntes Zitat von Nelson Mandela. (red/mhk)