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Immobilienmarkt

Büroprojekte: Bevorzugt etwas Zeitgemäßes

Baustelle des Vienna Twenty Two: Bauteil 4 kann noch heuer bezogen werden, weitere 20.000 m2 bis 2025.
Baustelle des Vienna Twenty Two: Bauteil 4 kann noch heuer bezogen werden, weitere 20.000 m2 bis 2025.Stefan Seelig
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Egal, ob saniert oder neu gebaut – bei Unternehmen wie Investoren sind modernste Büroimmobilien besonders begehrt. Viele gibt es heuer nicht.

Die Pipeline für Büroprojekte ist heuer eher mau. Rund 126.100 Quadratmeter an Flächen sollen laut EHL-Marktbericht auf den Markt kommen. Im Vergleich zu den 66.700 Quadratmetern des vergangenen Jahres immerhin das Doppelte, „allerdings werden nur zu einem geringen Teil zusätzliche Flächen geschaffen, da ein Großteil auf umfassend sanierte und modernisierte Bestandsobjekte entfällt“, erklärt Stefan Wernhart, Geschäftsführer von EHL Gewerbeimmobilien. Erst ab dem kommenden Jahr werden wieder mehr neue Bürohäuser fertiggestellt, darunter das Vio Plaza oder das Weitblick im Viertel Zwei.

ESG sorgt für Kopfzerbrechen

Für Nutzer und Investoren ist es dabei weniger wichtig, ob saniert oder neu, Hauptsache nicht gebraucht. „Für die Investoren sind neue oder sanierte Büroprojekte aufgrund der ESG-Taxonomie weitaus interessanter, weil sich bei ihnen diese Thematik besser abbilden lässt“, meint Anton Cermak, Geschäftsführender Gesellschafter von Beacon Invest. Die macht ohnehin viel Kopfzerbrechen, wie eine aktuelle Umfrage der deutschen Union Investment ergab. Demnach führen die ESG-Kriterien zu deutlichen Verzögerungen im Ankaufsprozess, und Due-Diligence-Prüfungen werden von jedem zweiten Marktteilnehmer als zeitaufwendiger eingeschätzt als noch vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass ausländische Investoren – immerhin kommen laut Marktbericht von CBRE rund 60 Prozent aus Deutschland – in Österreich nur an Spitzenqualität interessiert sind.

Das ist bei gebrauchten Immobilien nicht immer der Fall. Und sofern sie nicht über einen Topberater verfügen, stehen sie bei diesen vor der Herausforderung, dass zahlreiche Details oder Hintergründe zur Immobilie im Dunkeln bleiben. „Neue Projektentwicklungen werden weiters auch deshalb bevorzugt, weil individuelle und zeitgemäße Konzepte gefragt sind, die man in diesen umsetzen kann“, weiß Cermak.

Die neuen Projekte bleiben also bei Investoren weiterhin der Renner auf dem Markt. Vor allem, wenn sie gut vermietet sind. Dazu gehört mit 60 Prozent Vermietung etwa der Innovation Hub im Twenty One in Wien Floridsdorf. Chiara Mai, Geschäftsführerin des gleichnamigen Immobilienbüros, soll dafür Sorge tragen, dass er komplettiert wird. Ihre Aufgabe ist die vollständige Vermietungsleistung des Gebäudes mit seinen 14.800 Quadratmetern, dessen Fertigstellung für den Herbst geplant ist. Der Central Hub, dessen Fertigstellung für Anfang 2024 geplant ist, wäre der nächste Schritt.

Im Zeitplan

Zu 100 Prozent verwertet ist bereits der Bauteil 4 des Vienna Twenty Two in der Donaustadt. In dem Bürogebäude, das noch heuer bezogen wird, haben sich das Bezirksamt und die Magistratischen Bezirksämter eingemietet. Auf weitere knapp 20.000 Quadratmeter Bürofläche an dem Standort werden die Unternehmen hingegen noch bis 2025 warten müssen. „Die Realisierung von Bauteil 1 hat planmäßig erst dieses Jahr begonnen“, heißt es aus der Projektgesellschaft Are/Signa. Der 155 Meter hohe Turm beherbergt eine Mischung aus 16.500 Quadratmeter Arbeitsflächen und zusätzlichen Wohnungen.

Im Gebäude daneben, das zeitlich parallel dazu errichtet wird, sind es noch einmal rund 3500 Quadratmeter Bürofläche. „Die Nachfrage für hochwertige Büroflächen in zentralen Lagen wie beispielsweise dem Stadtzentrum oder dem Hauptbahnhof ist ungebrochen hoch“, berichtet Patrick Homm, Leiter Immobilienvermarktung Gewerbe bei Otto Immobilien. Ein Vorteil für das Doppio Due, das zwischen dem Serviten- und dem Börsenviertel liegt. Der Name des Sanierungsprojektes leitet sich daraus ab, dass aus zwei benachbarten Objekten eines wird. Insgesamt sechs Geschoße beziehungsweise knapp 6000 Quadratmeter Fläche werden derzeit umfangreich und hochwertig saniert. Trotz Altbaustruktur achtet man bei der Umgestaltung auf eine größtmögliche Flexibilität in der Grundrissgestaltung.

Aus Alt wird Neu

Das wohl größte Projekt, das heuer auf den Markt kommt, ist das Quartier Lassalle der Imfarr Beteiligungs GmbH von Nemat Farrokhnia. Das Unternehmen entwickelt die beiden zentrumsnah gelegenen Liegenschaften Lassallestraße 1 und Lassallestraße 5. Die Bank Austria hat ihr Headquarter in den angrenzenden Austria Campus verlegt, wodurch die beiden Gebäude frei wurden. Während die Originalfassade des international bekannten Architekten Wilhelm Holzbauer erhalten bleibt, entstehen im Inneren moderne Büroflächen.

Insgesamt bringen das Quartier Lassalle 1 mit 24.000 Quadratmetern und das Quartier 2 mit 54.000 insgesamt rund 78.000 Quadratmeter Bürofläche auf den Markt. Am Praterstern gelegen, profitiert es nicht nur von seiner zentralen Lage, sondern auch von einer Besonderheit, die es so schon länger nicht mehr gegeben hat: Das Quartier 1 bietet 4500 Quadratmeter Bürofläche auf einer Ebene, das Quartier 2 sogar 8125.

AUF EINEN BLICK

Heuer werden rund 126.000 Quadratmeter an neuen oder umfassend sanierten Flächen auf den Wiener Markt kommen. Der Löwenanteil entfällt mit insgesamt 78.000 Quadratmetern auf die Quartiere Lassalle 1 und 2. Der Innovation Hub im Twenty One in der Siemensstraße umfasst 14.800 Quadratmeter. Weitere Fertigstellungen betreffen das Doppio Due im Servitenviertel mit 6000 Quadratmetern und das Generalsanierungsprojekt F80 in der Felberstraße mit 4000 Quadratmetern.

diepress

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2022)