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Sexismus-Vorwurf

Festwochen: Wiener Chor verweigert Auftritt mit Yung Hurn

UKRAINE: WIEN - BENEFIZKONZERT 'WE STAND WITH UKRAINE' / YUNG HURN
Yung Hurn, hier beim Stadion-Benefizkonzert zugunsten der Ukraine.APA/FLORIAN WIESER
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Der Wiener Schmusechor hätte bei der Festwochen-Eröffnung am Rathausplatz neben Yung Hurn auftreten sollen. Er lehnte ab und wirft dem Rapper Rassismus und Sexismus vor.

Mit dem traditionellen Eröffnungsfest am Rathausplatz (>> hier lesen Sie mehr dazu) starten am heutigen Freitagabend die Wiener Festwochen: An dem von Regisseur David Schalko verantworteten Abend teilen sich das DJ-Duo Kruder & Dorfmeister, die Band Bilderbuch, die Experimental-Sängerin Sofia Jernberg und der Rapper Yung Hurn die Bühne. Ebenfalls angefragt, aber nicht dabei ist der Schmusechor: Der Wiener Popchor will nicht gemeinsam mit Yung Hurn auf der Bühne stehen und wirft ihm vor, seine Texte hätten „unmissverständlich rassistischen und sexistischen Inhalt".

Als Beispiele – und Belege dafür, dass Yung Hurn nicht etwa bloß persifliere – werden die Stücke „Rauch“ und „Ponny“ genannt. In beiden werden – wie im deutschen Rap häufig – Frauen als „bitches“ bezeichnet. In „Ponny“ heißt es über eine Frau, sie habe „Wichse auf ihrem Gesicht“ und „reitet wie ein Pony“. Eine Zeile in „Rauch“ lautet: „Asia-Bitch heißt Ling-Ling“.

Sehr gerne hätte der Chor bei der Eröffnung gesungen, heißt es in dem Statement auf Instagram, doch sei es „eine klare Entscheidung“, nicht mit Yung Hurn auf einer Bühne stehen zu wollen. Sein Statement versieht der Chor mit den Hashtags #keinebühnefürsexismus und #keinebühnefürrassismus. Er fordert weiter, dass „Großveranstaltungen mit einer Publikumswirksamkeit wie die Wiener Festwochen in der gesellschaftlichen Verantwortung sind, diskriminierenden Inhalten keine Bühne zu bieten.“ Mit dem Booking von Yung Hurn würde diese Verantwortung „ganz klar missachtet".

Festwochen: Yung Hurn sei „Teil der Hip-Hop-Kultur"

Von den Wiener Festwochen, wo man die Absage des Schmusechors bestätigen kann, heißt es dazu auf Anfrage, dass man Yung Hurn unter anderem deshalb eingeladen habe, um eine neue und jüngere Zielgruppe anzusprechen. „Die Festwochen haben mit ihrer diversen Programmierung schon immer vielen Stimmen Raum gegeben sowie Komplexität und Ambivalenzen zugelassen. Bei der Vielzahl an Künstler:innen, die Teil des Festivals sind, ist uns klar, dass unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen Reibung und Widerspruch verursachen können."

Man hoffe, dass Yung Hurn „auch als Teil der Hip-Hop Kultur und deren eigenen Codierungsform gesehen wird“, teilt ein Sprecher der Festwochen mit.

Der Wiener Rapper Yung Hurn, ein Vertreter des Cloud Rap, erlebte 2018 mit seinem Debütalbum "1220" den Durchbruch. Der Schmusechor hat sich mit Popcover-Arrangements sowie als regelmäßiger musikalischer Begleiter bei den Produktionen der beliebten Immersionstheatergruppe Nesterval einen Namen gemacht hat. Einen Auftritt hatte der Chor auch in David Schalkos Serie „Ich und die Anderen“.

(kanu)