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Buch der Woche

Amir Hassan Cheheltan: Diplomat in heikler Mission

Lebt nach Jahren im Exil wieder im Iran: Amir Hassan Cheheltan.
Lebt nach Jahren im Exil wieder im Iran: Amir Hassan Cheheltan.Andreas Chudowski/picturedesk
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In seinem Roman „Eine Liebe in Kairo“ entwirft Amir Hassan Cheheltan ein atmosphärisches Zeitengemälde und Sittenbild des Nahen Ostens Mitte des 20. Jahrhunderts.

Amir Hassan Cheheltan, geboren 1956, gehört zu jenen persischen Schriftstellern, deren Bücher manchmal nur im Ausland erscheinen können. Eine Literatur, die an Aufklärung interessiert ist und diese auch publik machen will, erliegt oft der strengen Zensur des eigenen Landes.

Dass Cheheltan nach einem Studium der Elektrotechnik in England und einem zweijährigen Aufenthalt als Stipendiat in Italien nach Teheran zurückgekommen ist, macht deutlich, wie sehr es ihm um diese Aufklärung zu tun ist, die Christopher de Bellaigue, ein britischer Irankenner, in „Die islamische Aufklärung“ auf 540 Seiten zur Debatte stellt.

Wie literaturaffin dieser gelernte Techniker von Anfang an war, zeigt sich am deutlichsten in seinem Roman „Der Zirkel der Literaturliebhaber“ (2020). Mit seinem speziellen Wissen hinsichtlich der bewunderungswürdigen alten persischen Literatur und deren poetisierter Erotik hat er diese, seit Langem von einem Mullah-geprägten Islamismus überschattet, wieder zum Leben erweckt.

Ehefrau ist nach Hause geflüchtet

An Cheheltans Protagonisten fällt auf, dass gerade die Hauptfiguren nicht besonders sympathisch wirken, oder besser gesagt: Sie sind nicht die positiven Helden des Romans, – anhand ihrer Lebensweise und ihrem Umgang mit anderen Menschen lässt sich erkennen, woran es der Gesellschaft, in der sie leben, fehlt. Ob es sich nun um den mafiosen Gangster Kerâmat aus „Teheran, Stadt ohne Himmel“, der aus dem tristesten Arme-Leute-Elend stammt, oder um den Botschafter handelt, der sich vom Arztberuf mit viel Ehrgeiz bis in die hohe Diplomatie des persischen Hofes emporgearbeitet hat, es mangelt beiden an Empathie, und ihre Einschätzungen von Frauen ähneln sich trotz der unterschiedlichen Milieus, in denen sie leben.