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Literatur

Vladimir Sorokin: Der Staat ist ein löchriger Käse

Vladimir Sorokin
Vladimir SorokinMaria Sorokina
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In seinem Erzählband „Die rote Pyramide“ betrachtet Vladimir Sorokin die russische Gegenwart im Spiegel ihrer Geschichte. Damit bringt er vieles auf den Punkt, was dort derzeit schiefläuft.

Es war zur Buchmesse 2012, da saß Vladimir Sorokin in der Wiener Hauptbücherei und – sang. So wie im aktuellen Buch, der Erzählsammlung „Die rote Pyramide“, ging es auch damals, im Roman „Der Schneesturm“, um die russische Gegenwart im Spiegel ihrer Geschichte, die sich wohl auch als Sturm bezeichnen lässt. Und Sorokin sang einen Teil des Romans wie eine Byline; diese altrussischen epischen Heldenlieder wurden wie „Ilias“ und „Odyssee“ ursprünglich singend vorgetragen.

Zehn Jahre davor hatte die Bewegung „Die gemeinsam Gehenden“, auch als „Putin-Jugend“ bekannt, eine Lesung mit Sorokins Texten veranstaltet, um seine Bücher anschließend demonstrativ in einer Toilette aus Draht und Papier zu versenken: Man war erzürnt wegen „Pornografie“.

In Putins Russland liebt man seine Verhältnisse eben geordnet: Die „Propagierung von Homosexualität“ ist unter Strafe gestellt, Pussy-Riot-Aktivistinnen kassierten für ihr „Punk-Gebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zwei Jahre Haft, knapp vor dem 24. Februar dieses Jahres verkündeten tschetschenische Parlamentarier coram publico, dass sie den Mitgliedern einer bekannten Familie von Dissidenten die Köpfe abschneiden wollen. Und schließlich begann mit der russischen Invasion der Ukraine ein Krieg, den als solchen zu bezeichnen in Russland als „Verbreitung von Fake News“ geahndet wird.