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Interview

Unabhängig von russischem Gas bis zum Herbst? "Andere verbrennen jetzt halt Kohle"

2018 wurde die letzte deutsche Steinkohle-Mine geschlossen. Der klimaschädliche Brennstoff könnte durch den Ukraine-Krieg nun wieder ein Revival erleben.
2018 wurde die letzte deutsche Steinkohle-Mine geschlossen. Der klimaschädliche Brennstoff könnte durch den Ukraine-Krieg nun wieder ein Revival erleben.Reuters
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Europa müsse danach trachten, bereits im Herbst unabhängig von russischer Energie zu sein, sagt Georg Zachmann vom Brüsseler Thinktank Bruegel.

Die EU wird kommende Woche ihren Repower-Plan vorstellen, mit dem die Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen erreicht werden soll. Werden mit diesem Plan alle Fragen geklärt sein?

Georg Zachmann: Nein, natürlich nicht. Wir sind in einer absolut außergewöhnlichen Situation. Europa bricht gerade ein Pfeiler der Energieversorgung weg. Ein Pfeiler, auf den man sich viel zu stark verlassen hat. Das zu ersetzen, wird enorm schwierig sein. Die EU spricht dabei gern über die langfristige Entwicklung. Aber gerade bei der kurzfristigen habe ich das Gefühl, dass noch viel zu wenig passiert. Hier müsste alles in unserer Macht Stehende getan werden, um zum Herbst hin unabhängig von russischem Gas zu sein. Das sind 40 Prozent der europäischen Gasmengen, in manchen Ländern wie Österreich sogar 80 Prozent. Das ist ein Höllenritt. Da sind weitgehende politische Maßnahmen notwendig.

Laut Aussagen aus Politik und Wirtschaft wird diese kurzfristige Unabhängigkeit eigentlich als unmöglich angesehen. Wie sollte das gehen?

Das ist eine Frage des Schmerzes. Wie viel ist man bereit, hinzunehmen? Gesamteuropäisch gesehen stammen 60 Prozent des Gases nicht aus Russland. Diese Importe werden nun um 20 Prozent der gesamten Nachfrage gesteigert. Damit sind wir schon bei 80 Prozent. Wenn man es nun schafft, vor allem bei den Haushalten, durch mehr Sparsamkeit – also geringere Raumwärme, weniger Warmwasserverbrauch, bessere Dämmung – die restlichen 20 Prozent einzusparen, dann wären wir durch.