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Rainer Bischof spielt mit Bruckner und Brahms

Rainer Bischof spielt Bruckner
(c) Www.BilderBox.com
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Musikverein: Das RSO Wien unter Cornelius Meister mit Gottfried von Einem, Schostakowitsch und einer Uraufführung.

Die einen resignieren, die anderen proben bewusst den Widerstand. Es geht um den Zeitgeist. Rainer Bischof, langjähriger Generalsekretär der Wiener Symphoniker, hat der Auseinandersetzung mit diesem Thema sein jüngstes Opus gewidmet. Nirgendwo, so Bischofs Analyse, seien Bruckner und Brahms einander kompositorisch so nahe wie bei deren Fünfter bzw. Dritter Symphonie. Das ist der Ansatzpunkt für Bischofs Werk „Wozu? – Deshalb!“.

Gleich Bruckners Fünfter beginnt es mit Pizzicati im Bass und endet ruhig wie die F-Dur-Symphonie von Brahms. Zwischendurch demonstriert der Enkelschüler Arnold Schönbergs – Bischof konzipiert seine Werke streng nach dessen Zwölfton-Regeln – welche spannenden Effekte sich aus dem Mit- und Gegeneinander von vier rhythmisch profilierten Themen gewinnen lassen, ehe sie sich schließlich zu einem Choral zusammenfügen.

Auch Gottfried von Einem ließ sich vom Zeitgeist nie vereinnahmen. Sein nicht nur für den Solisten – ausgezeichnet der jährige Konstantin Lifschitz, der als Encore ebenso meisterlich eine Fuge aus Bachs „Kunst der Fuge“ draufgab – höchst anspruchsvolles Klavierkonzert von 1955 beweist es. Es vereint jenseits damals aktueller Moden rhythmischen Elan, Frische der melodischen Erfindung, erfüllte Lyrik und brillante tänzerische Attitüde.

So sehr das RSO Wien und sein neuer Chefdirigent bei Bischof und Einem, dem sie kürzlich eine CD widmeten, überzeugten, so sehr fehlte den ruhigeren Passagen der abschließenden Symphonie Nr. 15 von Schostakowitsch Eindringlichkeit und Spannung. dob

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2010)