24 Stunden Mathe-Marathon als Hilfsprojekt für Haiti

Stunden MatheMarathon Hilfsprojekt fuer
Stunden MatheMarathon Hilfsprojekt fuer(c) FABRY Clemens
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Alternativer Unterricht. Zwischen Konzentrationstests und "Rechenkönig": Die HTL Ottakring bewies mit einem außergewöhnlichen Projekt, dass Mathematik keineswegs langweilig sein muss.

Wien. Am Samstag um 0.32 Uhr gingen die Lichter an der HTL Ottakring in der Thaliastraße aus. Nicht etwa, weil die 24 Schüler der 3AHIT nach mehr als 17 Stunden Mathematikunterricht genug hatten, sondern, weil Klassenvorstand Josef Freund seine Power-Point-Präsentation zum Thema Zinsrechnung, das bei der Schularbeit am kommenden Dienstag geprüft wird, gestartet hat.

Dass die Übungsstunde mitten in der Nacht stattgefunden hat, hat einen guten Grund: Die Schüler absolvierten einen 24Stunden dauernden Mathematik-Marathon. Durch das ungewöhnliche Projekt sollten Spenden für die Errichtung einer Schule in Haiti gesammelt werden. Das spornte die Jugendlichen zusätzlich an, das Projekt gewissenhaft vorzubereiten und die Nacht durchzuhalten. „Ich wollte meinen Schülern beweisen, wie einfach es sein kann, etwas Tolles zu leisten“, sagt Josef Freund. Das Mathematikprojekt wurde auch zum Thema im Religionsunterricht. Die Schüler hatten Plakate zum Thema Armut und Unterernährung erarbeitet, um zu verstehen, wie wichtig derartige Hilfsprojekte sind.

Die vielfältigen Mathe-Projekte räumten mit dem Vorurteil, Mathe müsse „trocken“ und langweilig sein, auf. Eigens von den Schülern programmierte Spiele wie „Rechenkönig“ oder „Mathe-Millionenshow“ sorgten ebenso für Unterhaltung wie das Basteln von komplizierten Schaumstoffwürfeln und Papierpentagons. Der projektorientierte Unterricht stoße im Alltag zwar an seine Grenzen, sei aber dennoch wichtig, um Schüler für Dinge zu begeistern, meint Freund.

„Nachhilfe“ für die Besucher

Und manch angehender Techniker hat gezeigt, dass auch schon ein Geschäftsmann in ihm steckt: Aus physikalischen Versuchen wurden spannende Geldwetten für den guten Zweck. Jeder Versuch und jedes Spiel wurden von den Schülern ausführlich erklärt. Am Nachmittag konnten die Besucher des gleichzeitig stattfindenden „Tages der offenen Tür“ Nachhilfeunterricht bei den Schülern nehmen. Auch die Schüler selbst wiederholten den bisher erarbeiteten Stoff. In Zweierteams wurden bereits gelernte Kapitel vorgetragen.

Wie erschöpfend 24Stunden Unterricht sind, wollte Freund den Schülern anhand mehrerer Konzentrationstests beweisen. Um ein Uhr nachts wurde der vierte von sechs geplanten Tests durchgeführt. „Auf die Plätze, Konzentrationstest los“, und schon startete der vierminütige Test. So viele Kopfrechnungen wie möglich sollten die Schüler richtig beantworten. Dabei überraschten sie den Lehrer und steigerten ihre Leistung sogar im Laufe der Zeit. Wenig verwunderlich, dass bei so viel Elan die mitgebrachten Schlafsäcke unbenützt blieben.

SPENDEN UND INFOS ZUM PROJEKT UNTER

www.mathaiti.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2010)

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