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Wikileaks: USA stoßen Verbündete vor den Kopf

Wikileaks: USA stoßen Verbündete vor den Kopf
Wikileaks: USA stoßen Verbündete vor den Kopf(c) EPA (Michael Reynolds)
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Die Enthüllungsplattform veröffentlicht 250.000 geheime Dokumente der US-Diplomatie und bringt damit Obamas Regierung in die Bredouille. Zahlreiche europäische Regierungschefs kommen in den Depeschen schlecht weg.

Die Internetplattform Wikileaks hat am Sonntag mit der Veröffentlichung von 250.000 teils geheimen Dokumente der US-Diplomatie begonnen. Medien wie die "New York Times" und "Der Spiegel" veröffentlichten vorab einige brisante Inhalte der US-Depeschen.

Die Dokumente zeigen, wie schlecht die USA von so mancher verbündeten Regierung denken, und wie amerikanische Diplomaten die Diplomaten anderer Länder bei der UNO ausspionieren sollten. Unter den geheimen Depeschen befinden sich auch Dokumente aus Wien.

Wikileaks

Wikileaks wurde 2007 von dem Australier Julian Assange gegründet. Die Plattform publiziert geheime Dokumente, die von anonymen Quellen zugespielt werden. Breiter bekannt wurde sie mit der Veröffentlichung von geheimen Dokumenten zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak.

Die wichtigsten Inhalte der US-Dokumente:

- US-Botschafter sollten spionieren

Den Veröffentlichungen zufolge sollten amerikanische Diplomaten im Auftrag von Außenministerin Hillary Clinton die Diplomaten anderer Länder bei den Vereinten Nationen ausspähen. Zu den zu sammelnden Informationen zählten laut "Spiegel" persönliche Kreditkarteninformationen, Vielflieger-Kundennummern sowie E-Mail- und Telefonverzeichnisse und sogar "biometrische Daten". Auch Auskünfte über die Pläne und Absichten von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und seinem Sekretariat zu Themen wie dem Iran seien Teil der ausführlichen Wunschliste aus dem US-Außenministerium.

- Charakterisierungen von Regierungschefs

Viele Regierungschef werden in den Dokumenten wenig schmeichelhaft beschrieben: Der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bescheinigen die Amerikaner, "selten kreativ" zu sein und das Risiko zu meiden. Den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy bezeichnen die US-Diplomaten als "Kaiser ohne Kleider".Der russische Ministerpräsidenten Wladimir Putin wird als "Alpha-Rüde" bezeichnet, der russische Präsident Dmitrij Medwedjew als "blass" und "zögerlich"

- "Araber-Allianz" gegen den Iran

US-Diplomaten hätten "eine geheime Allianz arabischer Staaten gegen den Iran und sein Atomprogramm geschmiedet", schrieb der "Spiegel". Der "Guardian" berichtete, der saudische König Abdullah habe die USA mehrfach aufgefordert, das Teheraner Atomprogramm mit einem Angriff auf den Iran zu zerstören. Vertreter Jordaniens und aus Bahrain hätten offen dazu aufgerufen, das iranische Nuklearprogramm mit allen Mitteln zu beenden.

 - Türkei - islamistische Tendenzen in Regierung

"Der Spiegel" berichtete unter Berufung auf die Dokumente, dass die USA über "islamistische Tendenzen" in der Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan besorgt seien. Diplomaten der Vereinigten Staaten hätten an der Verlässlichkeit der Türkei tiefe Zweifel. Viele Spitzenkräfte der Regierungspartei AKP seien Mitglieder einer muslimischen Bruderschaft, Erdogan habe islamistische Banker in einflussreiche Positionen gehoben. Der Premier informiere sich fast ausschließlich über Islamisten-nahe Zeitungen und inszeniere sich als "Volkstribun von Anatolien".

- Aufnahme von Guantánamo-Häftlingen "erkauft"

Aus den Unterlagen geht Medienberichten zufolge außerdem hervor, dass die USA sich mit teils handfesten Geschäften die Zusage verschiedener Staaten zur Aufnahme ehemaliger Guantánamo-Häftlinge sicherten. Slowenien wurde demnach deutlich gemacht, dass ein Treffen seines Staatschefs mit US-Präsident Barack Obama von einem Ja abhängig gemacht werde. Der Pazifikinsel Kiribati seien für die Aufnahme einer Gruppe von ehemaligen Gefangenen mehrere Millionen Dollar geboten worden.

USA: Veröffentlichung "unverantwortlich und gefährlich"

Die US-Regierung nannte die Veröffentlichungen "unverantwortlich und gefährlich". Die Enthüllungen würden Leben gefährden. 

Die Enthüllungs-Aktivisten von Wikileaks konterten, sie  hätten der US-Regierung angeboten, die Namen von gefährdeten Informanten aus der Datenbank der mehr als 250.000 diplomatischen Depeschen zu entfernen.

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(Ag./Red.)