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Irland-Hilfe: "Der große Befreiungsschlag war das nicht"

Irland-Hilfe:
(c) ASSOCIATED PRESS (Michael Probst)

Nach der EU-Hilfe für Irland profitierte der Euro nur kurzzeitig. "Irland ist in Sicherheit - der Euro nicht", urteilen Experten der Commerzbank.

Der Euro hat zu Wochenbeginn nur kurzzeitig von der Verabschiedung des Rettungspakets für das hoch verschuldete Irland profitiert. Nach einem Kurssprung um einen Cent am Sonntag notierte die Gemeinschaftswährung Montagfrüh bei 1,3230 US-Dollar. Damit kostete der Euro in etwa so viel wie am Freitagabend.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,3225 (Donnerstag: 1,3321) Dollar festgesetzt.

"Irland in Sicherheit - der Euro nicht"

Experten bezweifeln, dass die Beschlüsse der EU-Finanzminister vom Wochenende dazu beitragen, ein wenig Ruhe im Euroraum einkehren zu lassen. "Irland in Sicherheit - der Euro nicht", titelte die Commerzbank in einer Studie.

Neben dem Rettungspaket für Irland über 85 Milliarden Euro hatten die EU-Finanzminister die Finanzhilfe für Griechenland verlängert und einen Mechanismus bei staatlichen Haushaltsproblemen konkretisiert. "Der große Befreiungsschlag war das - zumindest was den Euro betrifft - nicht", erklärten die Commerzbank-Experten.

Schäuble: Gewähr für Stabilität des Euro

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hingegen sieht im Hilfeprogramm für Irland und im neuen Euro-Krisenhilfemechanismus eine Gewähr für die mittelfristige Stabilität des Euro. "Ich glaube, dass dieses Programm für Irland geeignet ist, dass Irland ... in einigen Jahren wieder solide, nachhaltig wirtschaften kann", sagte Schäuble am Montag dem Deutschlandfunk. "Das Urteil ist übereinstimmend, dass dieses Programm, was unserer Entscheidung zugrunde gelegt worden ist, ein solides ist, was auch funktionieren wird", ergänzte er.

Spekulationen, dass auch Portugal unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss, wies er zurück. "Die Spekulation an den internationalen Finanzmärkten ist eine kaum noch rational zu erklärende", kritisierte er. Es werde darauf spekuliert, dass es Ansteckungseffekte gebe. Portugal sei an den Märkten unter Druck und habe auch Sparmaßnahmen eingeleitet. "Aber das ist eine Sache der portugiesischen Regierung und andere müssen darüber nicht spekulieren." Er verwies zudem auf die einstimmige Vereinbarung der europäischen Finanzminister, "dass in Zukunft auch die Gläubiger an einer Restrukturierung beteiligt werden können". Das sichere die Stabilität des Euro und werde die Unsicherheit an den Märkten ein Stück weit beseitigen.

EZB-Mitglied: "Krise einzelner Staaten"

Nach dem EU-Beschluss für Finanzhilfen für Irland ist auchEZB-Ratsmitglied Christian Noyer Sorgen vor einer weiteren Ausbreitung der Schuldenkrise in Europa entgegengetreten. Man könne die Lage in den europäischen Ländern, deren Finanzkraft angezweifelt werde, nicht verallgemeinern, sagte der französische Notenbank-Chef am Montag bei einem Besuch in Tokio. Es handle sich auch nicht um eine Krise des Euro, sondern um eine Krise einzelner Staaten.

Einen Grund, an einem Erfolg der Pläne für eine Sanierung des Staatsfinanzen in Irland und Griechenland zu zweifeln, gebe es nicht. Auch das zuletzt verstärkt in den Fokus gerückte Portugal komme bei der Verbesserung seiner finanziellen Situation wie geplant voran.

"Hält Irland drei Jahre über Wasser"

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde hat die EU-Hilfen für Irland als ausreichend bezeichnet. "Die Menge ist ausreichend, weil sie Irland drei Jahre über Wasser halten wird", sagte Lagarde am Montag im Interview mit RTL-Radio. Frankreichs Haushaltsminister Francois Baroin betonte: "Wir werden den Euro retten." Die Gemeinschaftswährung werde nicht als Geisel genommen.

Lagarde kritisierte, die Märkte zeigten irrationalen Umgang mit den Staatsschulden. Es sei falsch, dass sich die Kosten für Spaniens Schulden auf dem gleichen Niveau befänden wie bei risikoreicheren Ländern wie Pakistan und Rumänien.

(Ag.)