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Sport-Club

21,1 Kilometer durch den Regen? "Is eh schon wurscht"

Ein Foto geht sich noch aus, bevor das Handy den Geist aufgibt.
Ein Foto geht sich noch aus, bevor das Handy den Geist aufgibt.Schechtner
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Gut, wenn die negativen Erinnerungen an diesen Halbmarathon bald verblassen.

Es ist wie bei einer Beziehung, die in die Brüche gegangen ist. Mit ein wenig Distanz erscheint vieles rosiger. So lang ist er aber noch nicht her, der Welschlauf, der jedes Jahr am ersten Mai-Wochenende Laufbegeisterte an die südsteirische Weinstraße lockt. Noch sind die Erinnerungen an diese verregneten, hügeligen Kilometer lebendig – und nicht eben nur positiv.

War es eine gute Idee, den Halbmarathon tatsächlich anzutreten, fragt sich, wer kurz davor krank war und, anstatt dafür zu trainieren, zwei Wochen das Bett hütete. Der Hals, der plötzlich wieder zu kratzen beginnt, meint: Nein. Die röchelnde Lunge meint: Nein. Das bei der leichtesten Steigung schneller schlagende Herz meint: Nein. Und davon gibt es mehr als genug. An die 500 Höhenmeter sammelt man entlang der hügeligen Strecke.

Und dann dieses Wetter. Es regnet in Strömen. Schon bald klebt das Gewand am Körper, hat man Boote an den Füßen, gibt man auf, Regenlacken auszuweichen. „Is eh schon wurscht“, sagen die steirischen Mitstreiter. Das Handy gibt den Geist auf, die Musik fällt diesmal wohl aus. In Ordnung, so läuft man eben zum Rhythmus der Natur. In diesem Fall: des Regengusses. Durch ihn bahnt man sich seinen Weg, kämpft sich durch dichten Nebel, schleppt sich über Hügel und durch einsame Ortschaften.

Triefend nass und mit blauen Lippen erreicht man das Ziel. Wenigstens das Fest danach kann nach zwei Jahren coronabedingter Pause wieder stattfinden. Noch zwei, drei Wochen, und ich werde ohnehin anders von diesem Ereignis berichten. 21,1 Kilometer durch schöne Landschaften und idyllische Weinorte. Was für eine abwechslungsreiche Strecke, was für eine klare, reine Luft. Das ist sie, die Gewieftheit der Erinnerung: So schlimm war es eigentlich wirklich nicht.

E-Mails an: barbara.schechtner@diepresse.com